Hacks, Tipps & Tricks zum Thema “Pimp my Job AD / Stellenanzeigen fit machen” Interview mit Jörg Buckmann (HRM Hacks Podcast Episode #17)

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Jörg Buckmann

In unserer heutigen Episode der HMR-Hacks sprechen wir mit Jörg Buckmann darüber, wie Unternehmen ihre Stellenanzeigen fit für das erfolgreiche Angeln von gefragten Mitarbeitern machen können. Der Schweizer ist bekannt dafür, mit Frechmut und Kreativität Firmen und Behörden auf dem Arbeitsmarkt mehr Gehör zu verschaffen. Jörg Buckmann gründete 2015 die Buckmann Gewinnt GmbH, mit der er erfolgreich Konzepte für das Personalmarketing entwirft. Zuvor war er 22 Jahre in HR bei der Schweizer Bundesbahn und acht Jahre als Leiter Personalmanagement bei den Verkehrsbetrieben Zürich tätig. Jörg Buckmann ist überdies Blogger, Podcaster und Keynote Speaker.

Alexander Petsch: Schön, dass Du da bist!

00:01:26
Jörg Buckmann: Herzlichen Dank, Alexander. Ich muss ja immer schmunzeln, wenn man da so angekündigt wird. Und wenn ich da diese Jahreszahlen mir überlege, wo ich da gearbeitet habe, und das hochrechne, dann muss ich schon ziemlich alt sein. Irgendwie ist mir das gerade so bewusst geworden.

00:01:49
Alexander Petsch: Ist ja schön, dass Du bei uns bist. Wir sprechen heute über Hacks zum Thema Job-Ads oder Personalreklame, wie Du das gerne nennst. Wie tot ist denn die Stellenanzeige Deiner Meinung nach? Muss man die wiederbeleben? Oder ist sie weiterhin ein Rennpferd, das man noch zu weiterer Hochleistung treiben kann?

00:02:14
Jörg Buckmann: Gute Frage, vor allem auch sehr schön formuliert. Wenn ich so zurückschaue auf meine Jahre im Personalmarketing, dann ist die Stellenanzeige ja schon gefühlt tausend Tode gestorben. Ich glaube, sie ist schon sehr aktuell. Die Unternehmen sind ja nicht blöd und schalten da Zehntausende von Anzeigen jeden Tag. Ich denke schon, dass dessen Ende – ich nenne es übrigens gerne Werbeanzeigen für Stellen – noch nicht absehbar ist, dass das letzte Stündchen noch lange nicht geschlagen hat. Und ich denke, im Einklang mit der Karriere-Website ist das nach wie vor topaktuell, aber vielleicht nicht mehr in der bisherigen Form. Ich denke, da könnte man ein paar Dinge besser machen und darüber wollen wir heute auch sprechen.

00:03:15
Alexander Petsch: Da bin ich gespannt, Deine Tipps und Tricks zu erfahren, die Du mit der HR-Community teilst. Dann fangen wir mal an: Wo würdest Du denn ansetzen?

00:03:24
Jörg Buckmann: Eine gute Frage und ich glaube, ich kann sie gar nicht beantworten, weil es viele kleine Dinge sind, die aus einer Stellenanzeige eine richtige Werbeanzeige für Jobs machen. Trotzdem ist es unhöflich, da keine Antwort zu geben. Ich glaube, beginnen würde ich hinter den Kulissen. Das heißt beim Briefing des Bestellers oder der Bestellerin, also der Linie. Ich glaube, da läuft schon ganz vieles falsch, weil da ganz häufig nach dem Copy-and-Paste-Verfahren einfach die letzte Anzeige genommen wird. Vielleicht werden auch zwei, drei Floskeln umgeschrieben. Ich glaube, da beginnt das Dilemma, dass man sich viel zu wenig überlegt, wen möchte man überhaupt mit dieser Anzeige ansprechen? Was sind die relevanten Punkte, was man da zu tun hat? Und vor allem auch, was ist eigentlich wirklich wichtig beim Anforderungsprofil? Weil anders kann ich mir nicht vorstellen, dass diese ja geradezu gewaltigen Anforderungsprofile und Aufgabenbeschreibungen noch immer Hochkonjunktur haben, dass man da noch immer die eierlegende Wollmilchsau sucht. Da würde man sich besser im Vorfeld mal eine Viertelstunde zusammensetzen und wieder mal das Profil schärfen der Wunschperson. Und vor allem auch ganz klar beschreiben, was es denn da Besonderes zu tun gibt. Warum Besonderes? Ganz einfach, weil es häufig so eine Aneinanderreihung von Plattitüden ist, die in diesen Anzeigen beschrieben werden, die gar nicht viel weiterhelfen. Also sehr konkret, auch lustvoll, würde ich sagen, beschreiben, was da für tolle Aufgaben auf die Personen warten. Und nicht einfach das letzte Inserat nehmen, das ja wiederum schon die Kopie des vorletzten war. Also, da würde ich ansetzen, hinter den Kulissen.

00:05:35
Alexander Petsch: Noch mal überlegen, wen suche ich überhaupt? Da kann ich mich an die eigene Nase fassen. Ich kann mich an das eine oder andere Vorstellungsgespräch erinnern, was exakt auf die Anforderung der Anzeige gemünzt war, aber wir dann festgestellt haben, dass wir eigentlich jemand ganz anderes suchen. Und wir dann dachten, schade eigentlich, dass wir uns die Viertelstunde nicht vorher genommen haben.

00:06:06
Jörg Buckmann: Genau. Seien wir ehrlich, ich habe das auch viel zu wenig gemacht früher. Schön, jetzt als Berater kann man immer allen sagen, was man tun sollte. Aber ich denke diese Viertelstunde, die lohnt sich. Wenn du ein Headhunter engagierst, um eine Stelle auszuschreiben, der fragt dich ja hoffentlich auch aus, was genau die Zielperson sein sollte und was die Person mitbringen müsste. Von daher könnte man da viel stärker der interne Headhunter werden und das Profil schärfen. Ich glaube, das ist das A und O. Sonst verstehe ich natürlich auch, wenn man da kein scharfes Profil hat, kann ich auch kein scharfes Profil formulieren.

00:06:59
Alexander Petsch: Für mich stehst Du eigentlich für die Adjektive frech und mutig. Wie würdest Du das in einer Stellenanzeige einfließen lassen?

00:07:12
Jörg Buckmann: Ich denke, ich würde mal ein paar alte Zöpfe abschneiden. Das klingt jetzt nicht wahnsinnig spektakulär. Vielleicht ist es dann die Summe, die frischen Wind bringt. Ein Beispiel, Alexander, wie ich einen extrem hohen Gain-Faktor habe, sind die Intros, also die Beschreibung des Unternehmens. Das verstehe ich nicht, wie die Unternehmen sich da abmühen, um zu sagen oder zu zeigen, wer man ist und was man tut. Das ist sowas von unglaublich langweilig. Da eben sich mal in die Schuhe eines unbeteiligten oder noch unbeteiligten Dritten stellen und überlegen, hey, wie kommt das an, was da steht? Da würde ich unbedingt den Hebel ansetzen. Da merkt man auch, dass zum Teil über Jahre immer der gleiche Mist da steht. Da werden irgendwelche Zahlen gedroschen. Da werden Superlative von dynamisch über Weltmarktführer in irgendwas bemüht. Das interessiert kein Mensch. Ich arbeite doch genauso gern bei einer tollen Firma, die nur die Nummer 7 oder 8 der Welt ist. Was bringt mir das, Weltmarktführer zu sein? Stattdessen würde ich da zum Beispiel irgendeinen Vorzug herauspicken. Irgendetwas Überraschendes. Irgendetwas, das mich begeistert, dass mich anspricht, dass ich denke, wow, das habe ich noch selten gesehen in einer Stellenanzeige. Es kann irgendein Arbeitgebervorteil sein. Das kann irgendeinen Bezug sein zu einem Produkt, den ich vielleicht so nicht hatte. Also irgendeine Kleinigkeit. Anstatt dass man versucht, in drei Sätzen alles zu erklären, würde ich mir wünschen, dass man da irgendeine sympathische Begebenheit aus dem Unternehmen rauszieht und da – und das wäre ein zweiter Hack – dann versucht, kommunikativ eine Beziehung zu mir aufzubauen. Also, wichtig ist, dass ich zum Leser oder zur Leserin spreche beziehungsweise schreibe, und nicht quasi nur für mich selbst. Und wenn du die klassischen Werbeanzeigen für Stellen auf den großen Plattformen anschaust, dann sind die irgendwie immer vom Unternehmen quasi für das Unternehmen geschrieben, habe ich den Eindruck. Aber man spricht nicht mit mir. Dabei wäre das eigentlich so einfach, wenn man da einfach eine ganz direkte Ansprache wählen würde. Und die beginnt klassischerweise beim Intro. Ich habe kürzlich einen schönen Begriff gelesen: Stellen-Pitch, finde ich auch schön. Dass ich da versuche, einen kurzen, fesselnden Text zu schreiben. Und das Coole daran ist ja, das muss man auch nicht jedes Mal neu erfinden. Da kann man mal den Profi drüber lassen, kann vielleicht drei oder vier verschiedene Texte oder Kurztexte schreiben und fertig ist das Ganze. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ich da eine kurze Story einbaue. Damit meine ich drei bis fünf Sätze, die vielleicht so beginnen, warum die Stelle frei ist. Vielleicht ist ja die Stelleninhaberin befördert worden. Vielleicht ist sie Mutter geworden. Das sind alles sehr schöne Gründe, warum eine Stelle frei ist. Warum nicht so beginnen? Im Prinzip wär es eigentlich ziemlich einfach, und schon hat man mich. Man hat etwas Kleines, Verblüffendes. Da könnte ich mir gut vorstellen, dass da unglaublich viel Potenzial bei den meisten Unternehmen drin ist, dass sie auf eine andere, ein persönlichere Art und Weise den Dialog mit mir beginnen.

00:11:27
Alexander Petsch: Also eine Andockungsmöglichkeit liefern.

00:11:33
Jörg Buckmann: Ich gebe Dir ein Beispiel: wenn Du auf die Apple-Website gehst und da ein bisschen herumsurfst, die sprechen mich sofort direkt an. Das ist unglaublich, das muss man sich mal reinziehen und überlegen, wie könnte man das für sich nutzen? Dann kommt noch das DU dazu, dass die mich duzen, was die Hemmschwelle oder die Distanz weiter abbaut zu mir. Aber wie die ihre Produkte an den Mann bringen, das ist Wahnsinn. Auf eine ganz direkte, sehr persönliche Art und Weise. Und das tun sie rein mit dem Wort, nicht mit Videos. Das ist eine anonyme, generelle Sprache, aber so persönlich. Das wünsche ich mir für die Jobanzeigen.

00:12:33
Alexander Petsch: Ja, das kann ich nachvollziehen. Wir haben im Abspann unserer Jobanzeigen stehen, dass wir einen der besten Espressos der Stadt anbieten. Das ist etwas, wo ganz viele Bewerber andocken, womit es ihnen ein Stückchen leichter fällt, in die Kommunikation einzusteigen.

00:12:54
Jörg Buckmann: Da bringst Du mich gerade auf eine Idee. Ich weiß jetzt nicht, wie Eure Kaffeemaschine aussieht. Wenn nicht nur der Kaffee gut, sondern die Kaffeemaschine entsprechend schick wäre, das könnte ja zum Beispiel ein Foto sein. Ich weiß nicht, ob ihr mit Bildern arbeitet, aber ich könnte mir diese Geschichte mit der Kaffeemaschine als Intro-Text vorstellen. Wenn du zum Beispiel drei, vier Leistungsdaten zu der Maschine, die keinem Menschen etwas sagen, Wasserdruck oder so etwas, verblüffend groß ins Intro einbaust und dann sagst, es hat zwar direkt nichts mit uns zu tun, aber ein bisschen vielleicht schon. Aber kommen wir zuerst mal zum Job. Dann machst du das Klassische vom Job und am Schluss kommt die Auflösung mit dem Kaffee. Ich glaube, da könnte man mit ganz wenigen Handgriffen die Menschen verblüffen. Kreativität ist ja ein Begriff, den man immer häufiger auch im Anforderungsprofil lesen kann. Ergo sollten sich auch Unternehmen, die kreative Menschen suchen, ein bisschen Mühe geben, auch kreativ um sie zu werben.

00:14:14
Alexander Petsch: Ich habe mir im Vorfeld ein paar Stellenanzeigen angeguckt, die waren ein bisschen anders von Dir gemacht. Unter anderem gab es da den Buchstaben ganz vorne im Alphabet. Was hat es damit auf sich?

00:14:34
Jörg Buckmann: Ja, das ist irgendwie ein bisschen mein Lieblingsthema im Moment, das A in der Klammer anstelle von m/w/d, weil mich dieses m/w/d ärgert, ganz ehrlich gesagt. Ich finde es langsam ein bisschen grenzwertig, was man alles tut, um möglichst niemanden auszugrenzen, um möglichst alle explizit anzusprechen. Das funktioniert auch gar nicht, ich kann nicht alle ganz explizit ansprechen. Und ich finde, da seid ihr in Deutschland ziemlich extrem unterwegs. Ich finde, es ist so eine verkrampfte Geschichte. Das führt dann zu so absurden Dingen, dass man Stellenanzeigen für Bademeister sieht, die zwar das Rettungsschwimmer-Zertifikat haben müssen, aber Schwerbehinderte werden bevorzugt. Das ist einfach nur noch absurd, wenn man mich fragt. Ich würde gerne generell, und das auch bei so sensiblen Themen, mehr Lockerheit reinbringen. Ein bisschen mehr gesunden Menschenverstand. Ich finde, das driftet ab in eine wirklich sehr extreme Form mit diesem m/w/d. Wenn man es schon konsequent machen möchte, dann müsste man nicht nur alle möglichen Geschlechter oder sexuelle Orientierungen explizit adressieren, sondern eben auch Diskriminierungsopfer wie Ausländer, wie zum Menschen Ü50, wie Menschen mit einem fremdländischen Namen. Also, wenn schon, dann bitte generell Haltung zeigen! Und das will ich mit diesem A. Darum habe ich da ein bisschen Feuer gefangen, weil es weiter geht als “nur” die Absicht, nicht nach der sexuellen Orientierung zu diskriminieren, sondern eben auch ältere Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit einer Behinderung miteinschließt. Dass man richtig Flagge zeigt und nicht nur mit diesem m/w/d. Das ärgert mich ein bisschen. Ich habe den Eindruck, mit A anstelle von m/w/d kommt das wirklich ziemlich beschwingt rüber und nicht mehr so verkrampft. Mit diesem charmanten A, wie ich es nenne. Wenn man das noch in eine tolle Auflösung in den Text reinpackt. Und das sollte es ja eigentlich sein. Männer, Frauen und welche Orientierung man immer haben kann, ist eine schöne Sache. Die Welt ist bunt, ich find’s toll. Aber dieses verkrampfte Werben um diese farbige Menschheit, das regt mich ein bisschen auf.

00:18:22
Alexander Petsch: Als wir das erste Mal davon gesprochen haben, habe ich reflexartig gefragt, ob man das überhaupt machen darf. Ich habe mich dann ein bisschen schlau gemacht, was der rechtliche Hintergrund dazu ist. Natürlich ist das hier keine Rechtsberatung. Es geht dabei um Paragraf 7 AGG-Gesetz und darum, dass das Bundesverfassungsgericht das dritte Geschlecht darin sozusagen verankert hat. Im Prinzip geht es um Schadensersatzansprüche, die ein nicht eingestellter Bewerber aufgrund Diskriminierung gegebenenfalls einklagen kann. Die erste Reaktion unseres Rechtsanwalts war auch, er glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Ich habe dann eine Viertelstunde mit ihm diskutiert. Dann hieß es, ja, er glaube schon, wenn man das ordentlich macht, hat es auch eine gewisse Chance auf Rechtssicherheit. Ich finde es eine schöne Idee. Ich finde es deshalb eine schöne Idee, weil dieses m/w/d für mich in vielen Fällen wirklich nur die Alibi-Formulierung ist, um nicht im schlimmsten Fall drei Monatsgehälter Schadensersatz zahlen zu müssen. Und ich finde das A für “Alle herzlich willkommen” einfach die viel sympathischere Variante. Das kam jetzt vielleicht in Deiner Erklärung ein bisschen zu kurz. Mir hat es gefallen und ich fand das einen schönen Hack, der auf jeden Fall auch für Aufmerksamkeit sorgen kann.

00:20:30
Jörg Buckmann: Absolut, das ist so. Ich bin ja kein Rechtsanwalt, ich bin mir aber relativ sicher, dass nirgendwo steht, dass man den Buchstaben d verwenden muss, um eben alle möglichen Zielgruppen anzusprechen beziehungsweise um da im Auswahlverfahren niemanden zu diskriminieren. Er ist vielleicht in Deutschland noch ein bisschen stärker ausgeprägt als in der Schweiz, dieser vorauseilende Gehorsam, dass man bei jeder tollen Idee zuerst sagt, das geht nicht und das entspricht nicht dem AGG oder welchen Gesetzen auch immer. Und dass man gerade in der Personalwerbung zu selten denkt, das ist eine geile Idee, schauen wir mal, wie wir die umsetzen können. Diese Wir-versuchen-es-mal-Haltung, das müssten wir noch viel häufiger machen. Und ich erlebe das häufig, wenn ich in Deutschland unterwegs bin, wenn mir diese Schön-aber-Dinge entgegenkommen. Dann frage ich, wo steht das ganz genau? Und häufig steht es dort nicht ganz genau so, wie die Leute meinen. Es gibt sehr wohl Schattierungen im Graubereich, die sehr schöne Möglichkeiten ermöglichen würden. Also, von daher, mir ist bewusst, ihr habt noch mehr Gesetze als wir, ihr habt Betriebsräte und so weiter…

00:22:25
Alexander Petsch: … jetzt muss ich gleich anfangen zu weinen. Als Unternehmer bist du so was von konfrontiert mit sinnfreien Regelungen. Wenn ich da jetzt anfange, ist eine Stunde vorbei.

00:22:45
Jörg Buckmann: Ok, Du weißt, was ich meine.

00:22:48
Alexander Petsch: Wenn ich einen neuen Rechner kaufe und den gleich prüfen lassen muss, ob er irgendwie gefährlich ist für meine Mitarbeiter.

00:23:03
Jörg Buckmann: Ich glaube fast, wir müssen da mal ein Sonder-Podcast machen, in dem wir nicht über Hacks sprechen, sondern einfach zum Abledern, für den Seelenfrieden. Aber wir wollten ja den Hörerinnen und Hörern noch ein paar Tipps mitgeben. Ich bin da ein bisschen abgedriftet.

00:23:22
Alexander Petsch: Hast Du noch ein, zwei Tipps für das Finden der Stellenanzeigen?

00:23:33
Jörg Buckmann: Ja, ich habe es ein bisschen angetönt beim Stellen-Intro. Ein weiterer Hack wäre, dass man an der Sprache arbeitet. Das klingt jetzt ein bisschen banal, aber ich bin überzeugt, das hat ein Riesenpotenzial, weil eigentlich alle Stellenanzeigen gleich klingen. Darum nenne ich sie gerne Werbeanzeigen für Stellen. Und keinem Unternehmen käme es in den Sinn, Werbeanzeigen für normale Produkte oder Dienstleistungen so zu texten. Ich glaube, Stellenanzeigen sind auch die einzigen Anzeigenformate, die nicht von Profis getextet werden. Da kein Vorwurf an die HR-Community, die wenigsten sind eingestellt worden für ihr Talent im Texten. Du hast eine Fachfrage, du gehst zum Juristen, wenn es eine juristische Frage ist. Und hier müsste man dann halt auch zum Profi gehen, um diese Werbeanzeige ein bisschen aufzufrischen. Das wäre ein weiterer Punkt. Und dann verwende ich eigentlich gerne die 3 x 5-Regel, die eigentlich wunderbar funktioniert, auch in der Praxis erprobt ist. Also drei inhaltliche Blöcke, das heißt die Aufgaben, das Anforderungsprofil und natürlich auch das, was das Unternehmen mir bietet, es ist ja schließlich eine Werbeanzeige. Da übrigens auch der Punkt “Warum?”, wenn überhaupt, kommt das immer am Schluss. Warum haue ich das nicht mal ganz oben rein beim Inserat? Also zuerst mal mit dem Pluspunkten anfangen, so nach dem Motto “Gearbeitet werden muss auch bei uns, aber bevor wir dazu kommen, mal ganz kurz ein paar charmante Vorzüge, die wir zu bieten haben”. Das könnte man auch mal nach oben nehmen. Und dann sollten als Faustregel Bullet Points pro Block kommen, vielleicht sogar noch mit einer Zeichenbeschränkung. Und das würde helfen, dass man eben diese wahnsinnigen Auflistungen von zum Teil Banalitäten, ich kann es gar nicht anders sagen, 3 x 5. Wie oft sieht man, man muss MS Office können für irgendwelche studierten Anforderungsprofile? Das ist ja ein Witz! Und das wäre eine weitere Empfehlung, drei mal fünf. Und manchmal gehe ich sogar soweit, dass ich noch eine Zeichenbeschränkung von 90 bis 100 Zeichen vorschlage, fast ein bisschen als Schutz gegenüber der Linie, die dann sagt, naja, wenn das eure Regeln sind, dann machen wir es halt ein bisschen länger. Da schließt sich fast ein bisschen der Kreis, zu dieser Viertelstunde mit der Linien-Chefin oder dem Linien-Chef. Wenn man sich da auf die wirklich wichtigen Dinge fokussiert, hat man es nachher sehr einfach, diese 3 x 5-Regel zu befolgen. Das ist dann eine ganz schöne und einfache Geschichte. Und dann gibt es natürlich etwas, das ich ganz großartig finde und dich auch nicht überraschen wird, Alexander. Das sind die Podcasts. Ich persönlich habe da eine lange Historie. Schon als Junge habe ich damals noch heimlich im Bett Hörspiele auf Südwestfunk 1 gehört. Um Podcasts ist im Moment fast ein Hype entstanden. Aber ich verstehe das auch, es ist eine tolle Möglichkeit, mit relativ einfachem oder überschaubarem Aufwand viele Informationen zu transportieren. Ich habe jetzt damit begonnen, Stellenanzeigen meiner Kunden anzureichern mit Podcasts. Das Problem ist ja klar, ich kann auf diesem beschränkten Platz, der mir da zur Verfügung steht, in wenigen Worten oder eben fünf Bullet Points nur ziemlich schwierig erklären, was es da für tolle Aufgaben gibt oder was da auf einen zukommt. Und da drängen sich eigentlich Podcasts fast schon auf. Und ich bin fast erstaunt, dass das nicht schon häufiger gemacht wird. Das ist eine coole Sache.

00:28:04
Alexander Petsch: Ich kann mir vorstellen, dass das eine coole Sache ist. Ich bin ja ein Podcast-Neuling. Aber natürlich Hörspiel-Fan und es gibt ja sogar ein Hörspiel-Theater, die Hörspiele nachspielen. Also live auf der Bühne. Aber zum Thema: Auf der einen Seite hast Du hier gerade ein Plädoyer gehalten für die Klarheit, Witz, Kürze der Stellenanzeige, um dann eine Tür aufzumachen, alles noch mal ausgiebig zu erzählen, um nicht zu sagen, zu langweilen. Was ist da Dein Ansatz?

00:28:46
Jörg Buckmann: Die Antwort ist eigentlich ganz einfach und ich hoffe auch logisch. Ich denke, wenn du eine Stellenanzeige siehst, die dich anspricht, weil sie gut getextet ist, weil sie vielleicht ein tolles Intro hat und weil sie sehr klar auf die fünf Punkte kommt, dann gibt es eigentlich zwei Reaktionen: Du merkst, das ist nichts für mich, weil die Aufgaben oder das Profil sind einfach jenseits. Oder ich denke, das klingt spannend. Und genau für die, die sagen, das klingt aber spannend, ist der Podcast, ich nenne es auch Jobcast, da. Von daher ist das eigentlich wie ein zweistufiges Verfahren, wenn du so willst. Die wichtigsten Infos kurz und prägnant und gut beschrieben. Und für die, die Feuer fangen, für die ist der Podcast da, weil ich davon ausgehe, dass die ihn auch hören. Und die, die nur mäßig oder überhaupt nicht von dieser Stelle begeistert sind, die werden den auch nicht hören. Und das ist auch gut so!

00:29:49
Alexander Petsch: Mich hat eigentlich was anderes gekickt an deiner Podcast-Idee, die ich übrigens durchaus charmant und spannend finde, wenn man nicht langweiliges Gedöns reinpackt. Du hattest mir erzählt, dass Du das aufbaust mit fünf Fragen an den Vorgesetzten für die jeweilige Position. Und das fand ich einen genialen Schachzug. Jeder, der sich für eine Stelle interessiert, möchte natürlich auch wissen, an wen reporte ich? Wer ist mein Vorgesetzter? Und wir wissen ja alle, dass man nicht wegen dem Unternehmen geht, sondern in 90 Prozent der Fälle wegen dem Vorgesetzten. Also, da einzusteigen und da mehr Einblicke zu geben, wie tickt der denn, da ein bisschen hinter die Kulissen zu gucken, das fand ich total schön, clever und mutig.

00:30:42
Jörg Buckmann: Ja, absolut, genau das war genau die Idee, da habe ich nichts zu ergänzen.

00:31:07
Alexander Petsch: Dann herzlichen Dank, dass Du heute bei uns warst, Jörg!

00:31:10
Jörg Buckmann: Danke Dir, Alexander, war mir eine große Freude. Schade, dass wir uns nicht an einem Tisch mit einem wirklich sehr guten Kaffee gegenübersitzen konnten. Aber das habe ich als Einladung für später verstanden.

00:31:26
Alexander Petsch: Auf jeden Fall! Wer die Hacks unserer heutigen Podcast-Episode gerne zusammengefasst haben möchte, findet die Checkliste und auch das Interview in Schriftform unter hrm.de. Einfach Jörg Buckmann in die Suche eingeben, dann wird Euch geholfen. Wir freuen uns über Feedback und natürlich auch über eine 5-Sterne-Bewertung, wenn es Euch gefallen hat. Wäre toll. Wenn Ihr Anregungen habt zu einem Podcast oder wen Ihr gerne mal hören würdet, schreibt uns in die Kommentare oder an redaktion@hrm.de. Glückauf, bleibt gesund und denkt dran, der Mensch ist der wichtigste Erfolgsfaktor für Euer Unternehmen.

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