AzubiTech-Markt: Zahlen, Fakten und Bedeutung

Bedeutung der Auszubildenden für die deutsche Wirtschaft

Die Bedeutung von Auszubildenden (Azubis) für die deutsche Wirtschaft kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Als Fachkräfte von morgen sichern sie langfristig den Bedarf an qualifiziertem Personal in allen Branchen. Aktuell befinden sich über 1,2 Millionen junge Menschen in Deutschland in einer dualen Berufsausbildung. Schon während ihrer Lehrzeit tragen sie erheblich zur Wirtschaftsleistung bei: Die Azubis erwirtschaften pro Jahr einen Gesamtwert von über 19 Milliarden Euro. Das duale Ausbildungssystem – die Kombination aus betrieblicher Praxis und Berufsschule – gilt international als Erfolgsmodell. Deutschland profitiert unter anderem von einer sehr niedrigen Jugendarbeitslosigkeit (nur etwa 7,5 % gegenüber 14,8 % EU-Durchschnitt) dank der dualen Ausbildung. Mehr als 60 Länder weltweit haben begonnen, ähnliche Modelle einzuführen, was den Wettbewerbsvorteil und den Vorbildcharakter des deutschen Systems unterstreicht. Kurz gesagt: Azubis sind eine tragende Säule für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft.

Zahl der Personalentwickler und Ausbildungsverantwortlichen

Die große Anzahl an Auszubildenden spiegelt sich auch in der Zahl der Personen wider, die in Unternehmen für Ausbildung und Personalentwicklung zuständig sind. In nahezu einer halben Million Betrieben wird in Deutschland ausgebildet – genauer gesagt beteiligten sich im Jahr 2021 rund 416.700 Betriebe an der beruflichen Ausbildung von Jugendlichen. Das entspricht etwa 19 % aller Unternehmen. Jeder dieser Ausbildungsbetriebe verfügt mindestens über eine(n) Ausbildungsverantwortliche(n) oder Personalentwickler(in), in größeren Firmen oft über ganze Teams, die sich um Rekrutierung, Betreuung und Entwicklung der Azubis kümmern. Hochrechnungen und Umfragen zeigen, wie groß diese Community ist: Allein an der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2024“ nahmen über 1.750 Ausbildungsverantwortliche aus Unternehmen teil – ein Indikator für die breite Basis an Fachleuten, die sich haupt- oder nebenamtlich mit der Ausbildung junger Talente beschäftigen. Diese Personal- und Ausbildungsleiter/innen sind die Schlüsselakteure im AzubiTech-Markt, denn sie entscheiden über den Einsatz von Recruiting-Lösungen, Lerntechnologien und Verwaltungstools für Auszubildende.

Budgets für Azubi-Recruiting und -Marketing

Angesichts des Fachkräftemangels investieren Unternehmen zunehmend in Azubi-Recruiting und Ausbildungsmarketing – doch die Budgets variieren stark. Eine Studie des Magazins Capital ergab, dass die Mehrheit der befragten Personalverantwortlichen maximal 30.000 € pro Jahr für das Ausbildungsmarketing zur Verfügung hat. Rund 10 % der Unternehmen budgetieren zwischen 30.000 und 60.000 €, weitere 6 % zwischen 60.000 und 100.000 € jährlich. Wirklich hohe Ausgaben sind bisher die Ausnahme: Nur etwa 7 % der Firmen leisten sich sechsstellige Budgets von über 100.000 € pro Jahr für Azubi-Marketing. Diese Zahlen zeigen, dass viele Betriebe zwar Geld in die Gewinnung von Nachwuchs investieren, die großen Kampagnen-Etats aber vor allem bei größeren Unternehmen zu finden sind. Gleichzeitig bleibt ein beträchtlicher Teil der Unternehmen zurückhaltend – oft werden kostenlose Kanäle wie die Bundesagentur für Arbeit, die eigene Karriereseite oder lokale Kontakte genutzt, um Azubis zu finden. Interessant ist auch, dass viele Firmen ihre Recruitingkosten kaum genau beziffern können: In einer Umfrage wussten über 80 % der Personalverantwortlichen nicht, was die Azubi-Suche konkret kostet. Hier besteht Nachholbedarf in der Erfolgsmessung. Insgesamt wird jedoch deutlich, dass Ausbildungsmarketing inzwischen als wichtiger Bestandteil der Personalstrategie gesehen wird – mit steigender Tendenz, da der Wettbewerb um geeignete Bewerber/innen härter wird.

Entwicklung der Ausbildungsbeteiligung in den Betrieben

Die Zahl der ausbildenden Betriebe – und damit der Personen, die für Azubis verantwortlich sind – hat sich in den letzten Jahren verändert. Nachdem die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen über Jahrzehnte relativ hoch war, ist sie jüngst leicht rückläufig. Im Jahr 2019 lag die Ausbildungsbetriebsquote noch bei rund 19,6 % aller Unternehmen, 2020 bei 19,4 % und 2021 nur noch bei 19,1 %. Die absolute Zahl der Ausbildungsbetriebe sank binnen eines Jahres um etwa 3.000. Vor allem kleine Betriebe (unter 10 Beschäftigten) haben vermehrt aufgehört auszubilden. Ein Hauptgrund dafür ist der Bewerbermangel: In einigen Regionen und Branchen finden kleine Firmen keine passenden Azubi-Bewerber mehr. Laut Institut der deutschen Wirtschaft bilden von den eigentlich berechtigten Ausbildungsbetrieben nur noch 58 % tatsächlich aus (Stand 2022) – viele geben mangels Bewerbern auf. Gleichzeitig konnten 2023 über 26 % der ausbildungswilligen Unternehmen keine der angebotenen Lehrstellen besetzen. Diese Entwicklung ist alarmierend, denn weniger ausbildende Betriebe bedeuten langfristig weniger Fachkräfte. Allerdings gibt es auch Lichtblicke: Die Zahl neuer Ausbildungsverträge steigt nach dem pandemiebedingten Einbruch wieder leicht an (knapp 480.000 Neuverträge in 2023). Zudem halten viele mittlere und große Unternehmen ihre Ausbildungsaktivitäten stabil oder bauen sie aus, teils indem sie durch innovative Rekrutierungswege (z. B. Social Media, Azubi-Apps) mehr Jugendliche erreichen. Unterm Strich ist jedoch klar: Die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe steht unter Druck, und der AzubiTech-Markt – also Anbieter von Lösungen für Azubi-Recruiting, -Management und -Training – gewinnt an Bedeutung, um Betriebe bei dieser Herausforderung zu unterstützen.

Fazit: AzubiTech als Zukunftsmarkt

Auszubildende sind das Rückgrat von morgen für Deutschlands Wirtschaft und Gesellschaft. Ihre Ausbildung sichert Fachkräftenachschub und Wettbewerbsfähigkeit – ein Erfolgsmodell, das es zu stärken gilt. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass Betriebe immer mehr Unterstützung und innovative Ansätze benötigen, um geeignete Azubis zu gewinnen und erfolgreich auszubilden. Hier setzt der AzubiTech-Markt an: neue Technologien, Plattformen und Dienstleistungen helfen, Recruiting-Prozesse effizienter zu gestalten, Azubis zeitgemäß zu betreuen und ihre Ausbildung attraktiver zu machen. Angesichts knapper werdender Bewerberjahrgänge und begrenzter Budgets kommt es darauf an, kreative Lösungen einzusetzen – von digitalen Bewerbungstools über E-Learning-Angebote bis hin zu Tools für Azubi-Bindung und Personalentwicklung. Die Ausbildungs-Verantwortlichen in den Unternehmen stehen vor der Aufgabe, mehr aus ihren Ressourcen zu machen und junge Menschen dort abzuholen, wo sie stehen (Stichwort Generation Z). Der AzubiTech-Markt bietet hierfür eine Fülle an Innovationen, und seine Relevanz wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Denn die Investition in Azubis – ob in Euro oder in Engagement – zahlt sich langfristig aus: Sie sichert Fachkräfte, erhält Know-how im Betrieb und stärkt die deutsche Wirtschaftskraft. Unternehmen, die heute in moderne Ausbildungsstrategien und -technologien investieren, schaffen sich somit einen entscheidenden Vorsprung für die Zukunft.

Quellen: Die im Beitrag genannten Fakten und Zahlen wurden aktuellen Studien, Umfragen und Statistiken entnommen, darunter Veröffentlichungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), des Statistischen Bundesamts, Branchenumfragen (z. B. Azubi-Recruiting Trends, Capital-Studie Deutschlands beste Ausbilder) sowie Fachbeiträge aus der HR-Praxis. Diese Quellen belegen die Entwicklungen und unterstreichen die große Bedeutung der Azubis und ihrer Betreuer/innen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Verwendete Webseiten:

talent2go.de

destatis.de

iwkoeln.de

bibb.de

personalmarketing2null.de

capital.de

haufe.de

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