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Foto von Nastuh Abootalebi

Weiterbildung in der Produktion ausgebaut

Das Unternehmen nutzte die Wirtschaftskrise und die damit verbundene geringere Auslastung des Personals strategisch, um seine Aus- und Weiterbildung voranzutreiben und die Qualifizierung der Belegschaft zu verbessern. Ziel war es, nach dem Abschwung sehr rasch und auf qualitativ hohem Niveau durchstarten zu können. Der starke Auftragseinbruch in der Automobilindustrie führte vor allem in der Mikrochipfertigung zu einer Unterauslastung. Binnen kürzester Zeit entwickelte Infineon daher gemeinsam mit dem WIFI Kärnten zwei Werkmeisterkurse in den Fachrichtungen Halbleitertechnologie und Mechatronik, die das Arbeitsmarktservice und das Land Kärnten mit Fördermitteln unterstützen. 43 Mitarbeiter durchlaufen derzeit eine viersemestrige Ausbildung zum Werkmeister. Damit das Unternehmen die auftragsschwache Phase möglichst effizient für die Qualifizierung nutzen kann, wandelte das WIFI die für gewöhnlich zweijährige berufsbegleitende Werkmeisterausbildung in ein einjähriges Vollzeitprogramm um.

Berufsbegleitende Weiterbildungen sind für ein innovationsgetriebenes Unternehmen wie Infineon Technologies Austria zentral. Rund fünf Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich im vergangenen Geschäftsjahr neben ihrem Beruf fortgebildet. Das Unternehmen unterstützt die Beschäftigten bei Schulungen oder Studien in relevanten Ausbildungsrichtungen durch zusätzliche Sonderurlaubstage für die Prüfungsvorbereitung. Hinzu kommt ein finanzieller Beitrag für Fachliteratur. Die meisten weiterbildungsaktiven Mitarbeiter absolvieren eine Werkmeisterausbildung, es folgen Bachelor- oder Masterstudien an Fachhochschulen und Universitäten sowie die HTL-Matura (Abbildung 1).

Abbildung 1: Weiterbildungen bei Infineon Technologies Austria (Oktober 2008 bis Oktober 2009)

Gerade in den auftragsschwachen Monaten ermutigte das Unternehmen Mitarbeiter, in Bildungskarenz zu gehen. Seit April 2009 haben 16 Beschäftigte diese Möglichkeit in Anspruch genommen und Karenzen im Umfang von drei bis zwölf Monaten beantragt – vor allem, um Studienabschlüsse nachzuholen beziehungsweise Diplomarbeiten zu schreiben.

Be different – ein Experten-Entwicklungsprogramm

Einen außergewöhnlichen Weg beschreitet Infineon Austria aktuell mit dem Pilotprojekt „be different“. 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erweitern dabei ihren fachlichen Horizont über ein Experten-Entwicklungsprogramm, in dem sie ein Jahr lang ihren Job im Unternehmen wechseln und beispielsweise von der Produktion ins Marketing gehen oder umgekehrt. Das Programm soll die Kompetenzen der Expertinnen und Experten erweitern, das Verständnis für die Prozesse in der Wertschöpfungskette steigern und die Bereiche Produktion und Markt besser miteinander verzahnen. All diese Faktoren sollen letztendlich zu besseren Lösungen für die Kunden führen.

Begleitet wird das Training-on-the-Job durch ein Patensystem und eine Vielzahl von Fachtrainings, die interne Expertinnen und Experten leiten. Zusätzlich dazu steht ausgewählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Jahr lang ein erfahrener Mentor beziehungswiese eine erfahrene Mentorin zur Seite. In diesem Jobrotation-Programm erweitert Infineon Austria aber nicht nur das Wissen seiner Beschäftigten, sondern baut gezielt interne Expertise für „Field and Application Engineering“ auf. Diese Experten arbeiten direkt mit den Kunden an den Anwendungen, in denen Lösungen von Infineon stecken.

Abbildung 2: Bildungskarenz bei Infineon Technologies Austria (Stand: 30.11.2009)

Vorhandenes Wissen aktiv nutzen

Sein internes Know-how nutzt Infineon Austria in der Weiterbildung nicht nur über sein Mentoringprogramm. Schon im Jahr 2002 hat das Unternehmen im Bereich der Forschung und Entwicklung begonnen, interne Expertinnen und Experten systematisch als Trainer einzusetzen. Nach und nach entwickelte sich daraus ein umfangreicher Trainingskatalog – das sogenannte „Technical Training“ – für die Produktentwicklung. Das Trainerteam besteht aus 22 aktiven Vortragenden. Aktuell erstellt Infineon Austria ein Portfolio mit internen Trainern und Experten für den Produktionsbereich. Mit diesem Pool an Trainingsverantwortlichen gelingt es, die technischen Expertinnen und Experten zu fördern sowie einen beachtlichen Teil des Weiterbildungsbedarfs passgenau und kostenfrei durch interne Wissensweitergabe abzudecken.

Gestärkt für die Zeit nach der Krise

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gilt es, klare Prioritäten zu setzen. Infineon Austria forciert derzeit Weiterbildung für bestimmte Mitarbeitergruppen, insbesondere in der Produktion. Andere Aktivitäten wie Soft-Skill- Trainings oder Nachwuchsförderprogramme schränkt das Unternehmen im Gegenzug ein oder legt sie auf Eis. Unterstützt durch öffentliche Fördergeber wie das AMS, nutzt das Unternehmen die wirtschaftlich schwache Phase, um zielgruppenspezifische Qualifizierungen zu setzen und so einen Beitrag zur Umsetzung der Firmenstrategie zu leisten. Denn nur Arbeitgeber, die mittel- und langfristige Strategien im Weiterbildungsbereich verfolgen, werden gestärkt mit exzellenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus einer Krise hervorgehen.

Quelle:

personal manager 1/2010