Es sei eine parallele Entwicklung im letzten Jahr gewesen, so Towers Watson in ihrem Studienbericht über die Vergütung von MDAX-Vorständen: Die im MDAX gelisteten Unternehmen hatten ihren Gewinn vor Zinsen und Steuern um durchschnittlich 23 Prozent auf 564 Millionen Euro gesteigert. Zeitgleich gab es mehr Geld für die Vorstände; die niedrigste Summe lag bei 0,8 Millionen Euro, der höchste ausgezahlte Betrag lag bei 4,7 Millionen Euro. Nach Ansicht von Helmuth L. Uder, der die Beratung zur Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung bei Towers Watson leitet, zeige sich allein schon an diesen Zahlen, dass die Vergütung zum Großteil an den Unternehmenserfolg gekoppelt ist.

Dieses Bild wird durch die Vergütungsdetails bestätigt: Die Vorstandsvergütung im MDAX setzt sich laut Studie zum überwiegenden Teil (etwa 70 Prozent) aus einer Grundvergütung und einem direkten Bonus zusammen, der die Erreichung kurzfristiger Geschäftsziele honoriert. An einer langfristigen Geschäftsentwicklung orientiert sich hingegen 30 Prozent der Direktvergütung; womit es sich um einen Anteil handelt, der in den kommenden Jahren im Falle einer Zielerreichung ausgezahlt wird.

Obwohl es für die MDAX-Vorstände aufwärts ging, ist ihr Abstand zu ihren Kollegen in der DAX-Welt unverändert. Die durchschnittliche MDAX-Vorstandsvergütung von 2,4 Millionen Euro beträgt rund die Hälfte weniger als das durchschnittliche DAX-Gehalt von 5,5 Millionen Euro.


Große Vergütungsspannen, zu wenig Transparenz

Thomas Hegel konnte als Vorstandsvorsitzender der LEG Immobilien im Geschäftsjahr 2014 rund 0,8 Millionen für sich verbuchen. Sein Branchenkollege Thomas Enders fuhr dagegen als Airbus-Chef 4,7 Millionen Euro ein; wobei er damit zusammen mit Günther Fielmann die Spitze der Alimentierungspyramide bildet. Auch der Augenoptik-Regent verdiente diese Summe. Towers Watson hat allerdings auch noch Vergütungen berücksichtigt, auf welche in 2014 geleistete Sonderzahlungen kommen. Somit ist dann schlussendlich Thomas Ebling als CEO von Pro7Sat.1Media am Olymp der MDAX-Unternehmen gelandet. Für ihn gab es 27,4 Millionen Euro.   

Die Studie hatte die Analysten einige Arbeit gekostet, welche dadurch anfiel, dass die MDAX-Unternehmen im Gegensatz zu ihren großen Brüdern zu wenig Transparenz in ihren  Geschäftsberichten walten lassen. Alle bis auf ein DAX-Unternehmen folgen inzwischen einer Empfehlung des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK), wonach Vergütungstabellen im Geschäftsbericht anzubringen sind. Bei den MDAX-Unternehmen bestehe in Sachen Transparenz noch Verbesserungspotential, so die Studienautoren: Acht Unternehmen verzichten auf eine individualisierte Veröffentlichung der Vorstandsgehälter. Zudem verwenden einige Unternehmen nicht die vom DCGK empfohlenen Vergütungstabellen. „Das sind insbesondere diejenigen Unternehmen, die zwar im MDAX gelistet sind, ihren Sitz aber im Ausland haben. Im Vergleich zu den Vorjahren hat die Transparenz im MDAX in der Gesamtschau aber deutlich zugenommen“, kommentiert Uder.

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Foto: Rainer Sturm | pixelio.de

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