Russland: Mitarbeiterführung – Im Mittelpunkt steht der Mensch

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Foto von Brusk Dede

Ein Erfahrungsbericht von Herrn Uwe-Jens Karl, der seit 1996 in Moskau arbeitet und lebt. Seine Stationen waren Piasten, Cadbury, Onken und Haribo. Zurzeit leitet er ein Vertriebsunternehmen mit 50 Mitarbeitern.

Mitarbeiterführung – Im Mittelpunkt steht der Mensch

Das zentrale und für den Geschäftserfolg in Russland entscheidende Thema sind die richtigen Mitarbeiter. In mehr als einem Jahrzehnt Personalführung vor Ort habe ich eine sehr große Anzahl russischer Mitarbeiter rekrutiert, interviewt, eingestellt und auch entlassen. Ich gehe nicht so weit zu sagen, dass meine Erfahrungen allgemeingültig sind. Allein aufgrund der Vielzahl der Vorgänge, sprich Mitarbeiter, die über die Jahre “durch meine Hände” gingen, und der weitgehenden Kongruenz meiner Beobachtungen mit denen anderer Expats in Führungsverantwortung halte ich sie zumindest zu einem erheblichen Teil für verallgemeinerbar.

Es kommt immer wieder vor, dass ich von Russen gefragt werde, worin sie sich denn meiner Meinung nach von Deutschen unterschieden. Und jedes Mal ertappe ich mich dabei, dass ich keine fertige Antwort parat habe. Das mag daran liegen, dass ich mir selbst diese Frage zu selten gestellt habe. Meistens flüchte ich mich dann in unverbindliche Formeln wie “Lasst uns doch die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund stellen” oder so ähnlich. Natürlich findet man, wenn man sich in die Frage vertieft, Unterschiede – auch gravierende – zwischen Russen und Deutschen, und einige liegen ja quasi an der Oberfläche.

Im täglichen Miteinader spielen für mich akademische Erwägungen zu interkulturellen Unterschieden eigentlich keine Rolle. Das hat auch damit zu tun, dass ich 1996 nicht völlig Russland- und Russen-unerfahren hier eintraf. Aber auch für den Manager ohne einschlägige Vorerfahrung sind all die schönen Seminartheorien wertlos, wenn er nicht bereit ist, sich weitgehend auf das Land und seine Menschen einzulassen. Wer hier nach sechs bis acht Monaten den menschlichen Zugang zu seinen Mitarbeitern nicht findet, ist nach weiteren sechs bis acht Monaten spätestens wieder zu Hause. Das gilt auch nicht nur für Russland.

Wenn ich einen Rat geben müsste, würde ich sagen, gehen Sie möglichst unvoreingenommen auf die Leute zu. Sie sind nämlich gar nicht so dramatisch anders. Oft liegen die Unterschiede in Details, Nuancen, in scheinbar Nebensächlichem. Ich finde es bis heute spannend, diese Dinge zu entdecken und, wo möglich, bewußt zu nutzen.

Quelle: www.uwekarl.de

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