Hacks, Tipps & Tricks zum Thema “Recruiting und Facebook”: Interview mit Claudia Lorber (HRM Hacks Podcast-Folge #44)

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Claudia Lorber

00:00:00
Alexander Petsch: Glückauf und herzlich Willkommen zu dem heutigen HRM Hacks. Mein Name ist Alexander Petsch. Ich bin der Gründer des HRM-Instituts, euer Gastgeber. In unserer heutigen HRM Hacks Folge spreche ich mit Claudia Lorber zu Recruiting und Facebook. Claudia Lorber ist eine der bekanntesten Recruiting Expertinnen Österreichs, Recruiting Strategin mit Schwerpunkt Social Media Recruiting, Gründerin der Recruiting Insight Community, Dozentin der Weiterbildung zum Recruiting, Managerin des digital-recruiter.com, Bloggerin zur Recruiting Praxis und auch gerade in der aktuellen Ausgabe des Personal Managers der österreichischen Zeitschrift für Human Resources mit einem Beitrag zum Thema Rethink HR mit dabei. Ich freue mich, dass du heute bei uns bist. Hallo Claudia. Ja, so als Einstiegsfrage brauchst du eigentlich in Zukunft noch RecruiterInnen?

00:01:14
Claudia Lorber: Ganz sicher. Also wir haben diese Diskussion, ja, die gibt es ja auf mehreren Ebenen. Ich würde also, wenn ich nur ja oder nein sagen darf, dann sage ich ja. Wenn ich noch ein bisschen ausholen darf, dann sage ich ja, aber vielleicht nicht mehr so, wie wir beide dieses Berufsbild Recruiting kennen. Also da muss und wird sich einiges ändern, da bin ich überzeugt.

00:01:39
Alexander Petsch: Hmm, da bin ich ja gespannt, ob wir uns dem ein bisschen nähern heute auch in unserer Podcast Episode. Ja, Thema Recruiting und Facebook. Für was ist denn Facebook ein guter Recruiting Channel? Für alles, oder gibt es da deiner Meinung nach, blaue Klammer, „Blue Collar“ Schwerpunkte?

00:02:04
Claudia Lorber: Tatsächlich ist Facebook als Recruiting Kanal oft unterschätzt. Facebook ist, und jetzt spreche ich vor allem für Österreich Sascha, Facebook ist in Österreich immer noch eine der Top Social Media Plattformen, die auch wirklich genutzt werden. Das bedeutet, dass wir in Österreich knapp vier Millionen User haben, die wirklich aktiv auf Facebook sind. Es bedeutet jetzt nicht, dass sie aktiv auch etwas posten, dass die Beiträge veröffentlichen oder liken. Aber das bedeutet, sie nutzen es im Sinne von: Sie holen sich Information, Information und/oder Unterhaltung. Das sind eigentlich genau die zwei Gründe, warum man grundsätzlich auf Social Media unterwegs ist. Und bei Facebook trifft es immer mehr zu, wenn Facebook selbst einen kleinen Shift gemacht hat. Vor kurzem gab es auch noch ein paar Ankündigungen, die das noch mal verstärken. Eher nicht nur dieses Social Network im Sinne von, Ja, bleiben wir vernetzt und bleiben wir verbunden, so wie ich zum Beispiel mit meinem ehemaligen Schulkollegen, wir sind auf der ganzen Welt verstreut und sind über Facebook vernetzt, sondern Facebook möchte sich zu einer Informationsquelle etablieren. Und da gibt es ein paar neue Produkte und Features, die da gelauncht wurden. Und es gibt Umfragen dazu, dass Facebook für bestimmte Zielgruppen wirklich als Informationsquelle, als Nachrichtenkanal, wenn man das so sagen möchte, genutzt wird. Und daher liegt es eigentlich auf der Hand, Facebook auch zu nutzen für Recruiting. Und jetzt kommt, glaube ich, die Bombe ja nicht nur für Profiler, ein. Es gibt IT-Expertinnen, die ein Facebook-Profil haben, wenn sie nämlich alt genug sind.

00:04:06
Alexander Petsch: Ja, also dein erster Hack, wenn ich das mal so zusammenfassen darf, ist eigentlich, unterschätzt Facebook im Recruiting nicht und das nicht nur auf lokaler, sondern ab einer gewissen Altersgruppe für alle Zielgruppen.

00:04:21
Claudia Lorber: Absolut. Viel relevanter als die Unterscheidung nach der beruflichen Herkunft ist für Facebook tatsächlich das Alter. Frauen besonders über 40. Die findet man dort. Warum? Weil Facebook, wenn man sich anschaut, wann die einzelnen Plattformen entstanden sind, ist einfach schon mittlerweile eine der Ältesten. Und wie es damals so war, da gibt es was Neues, da machen wir mit. Ich nehme mich überhaupt nicht raus. Ich war gleich dabei am Start und habe mir ein Profil angelegt. Ja, und wir Menschen sind einfach ein bisschen bequem und wenn man sich das eingerichtet hat, ja da schaut man mal drauf, ist ja eine liebgewonnene Gewohnheit und man bleibt dann halt drauf. Und wenn es dann doch wieder irgendwelche Informationen, Neuigkeiten, Ereignisse gibt, die ich über Facebook erfahre, dann schaue ich zumindest ab und an mal rein. Und ich kann nur sagen: Das sind Ärztinnen, das sind wie gesagt auch Menschen aus dem IT-Bereich. Die haben alle ein Facebook-Profil, wenn sie, wie gesagt jedenfalls 30 sind. Das würde ich mal sagen. Das ist so ungefähr die Grenze.

00:05:39
Alexander Petsch: Ich habe fast auf der Zunge zu sagen alle, die im Großmutterfähigen, Großvaterfähigen Alter sind so und so, weil sie natürlich sehen wollen, was die Enkel machen, ne. Na ja, wie gehst du denn da vor? Was empfiehlst du denn, um sich dem Recruiting per Facebook zu nähern?

00:06:04
Claudia Lorber: Also, wie jetzt mit jeder Plattform ist mal das allererste eine gute Definition der Zielgruppe. Das bedeutet, ich schaue mir zuerst einfach an, wen suche ich denn, und ein paar Dimensionen haben wir schon genannt. Das eine ist natürlich ganz klar der fachliche Background. Das zweite ist aber eben auch das Alter bzw. eben die Berufserfahrung. Und dann macht es einen Unterschied, es gibt auf Facebook enorm viele Gruppen, die irgendein Thema zum Beispiel gemeinsam bespielen oder aber und das ist fast der einfachste Hack überhaupt, ich such mir heraus, ob es denn eine Gruppe gibt, wo es um einen Job in meiner Region geht. Die gibt es auf Facebook für quasi jede Stadt, für mich sogar noch viel kleinteiliger, ja für gewisse Regionen auf Österreich bezogen,  zum Beispiel Jobs in Niederösterreich, Burgenland und die gibt es nach meiner Erfahrung  sogar aufgesplittet nach Zielgruppen, also extra für Studentinnen oder extra für Nebenjobs oder, oder, oder. Da gibt es Gruppen ohne Ende. Es ist eben ein bisschen Recherchearbeit, und die muss ich erstmal finden und identifizieren. Aber da könnte ich zum Beispiel völlig ohne Kosten ein Jobangebot veröffentlichen.

00:07:29
Alexander Petsch: Ist witzig, ich habe auch schon Facebook Jobs gepostet, aber auf die naheliegendste Idee mal zu gucken, ob es um einen Kirchturm eine Job-Gruppe gibt, bin ich in der Tat nicht gekommen. Also Claudia, das ist gar nicht so ein offensichtlicher Hack, sage ich mal.

00:07:45
Claudia Lorber: Das ist der Grund, warum wir beide heute sprechen, damit es auf einen nicht so offensichtlichen Weg geht, ne?

00:07:56
Alexander Petsch: Ja, also jetzt habe ich das in meiner, ich nenne es mal Stadt- oder „um den Kirchturm“-Gruppe meinen Job gepostet. Klar, dann sozusagen, der zweite Punkt war, Zielgruppen mir zu überlegen was ist meine Zielgruppe und wie selektiere ich die und was kann ich bei Facebook eigentlich ziemlich einfach. Also ich sag mal, da kann ich eigentlich abends von der Couch einen Job-Anzeige mit dem Handy aufgeben und die Zielgruppe selektieren.

00:08:29
Claudia Lorber: Genau, genau. Also es ist einfach die Überlegung, die ich vorher treffen muss: Möchte ich mit oder ohne Budget mich auf Facebook bewerben? Und ich muss auch noch die Überlegung treffen, Facebook stellt uns sogar ein Portal sozusagen zur Verfügung, Facebook-Jobs, das quasi ein kleines in sich geschlossenes Bewerbungsmanagementsystem ist. Auch das könnte ich verwenden. Da gibt es ein paar Vor- und Nachteile und das würde ich jetzt nicht immer empfehlen, das zu verwenden, aber es könnte schon mal sein, dass das auch sinnvoll ist, mit dem zu arbeiten. Und das was du angesprochen hast im Sinne von Zielgruppe selektieren, oder besser gesagt dieses sogenannte Targeting, das kann ich dann machen, wenn ich eben ein Budget dahinter lege, und wenn ich Ads schalte. Und das kann man selbst machen, wenn man sich tatsächlich sehr, sehr gut auskennt mit Facebook Ads. Das ist aber durchaus mittlerweile eine sehr komplexe Geschichte geworden. Das heißt, wenn ich jetzt, und so ist es ganz oft bei meinen Kundinnen, die sagen, ich hab selber gar kein Facebook Profil. Also wenn ich mich selber in der Welt von Facebook gar nicht bewege, dann würde ich das nicht unbedingt empfehlen, dann gleich sozusagen damit zu starten, jetzt schalte ich mal eine Ad auf Facebook. Da gibt es Menschen, die sind da wirklich sehr spezialisiert, und die wissen ganz genau, was sie tun. Weil wenn ich das nicht weiß, dann kann ich da ganz schön viel Budget verbraten und krieg am Ende trotzdem keine Bewerbungen raus. Da gibt es irrsinnig viele Dinge zu beachten. Das würden wir in dieser Podcastfolge auch gar nicht schaffen, das alles zu besprechen.

00:10:21
Alexander Petsch: Okay, vielleicht noch mal die Abgrenzung zu „ich schalte eine Anzeige mit meinem Job auf Facebook oder lasse eine Anzeige schalten von einem Job auf Facebook“ versus „ich nutze das Facebook-Job-Portal“. Was wären die Vor- und Nachteile für die einzelnen Richtungen?

00:10:45
Claudia Lorber: Das Facebook-Job-Portal, dazu braucht man als Unternehmen eine sogenannte Unternehmensseite. Das bedeutet, ich kann jetzt nicht als Privatperson Claudia, da kann ich dieses Job-Portal nicht nutzen, sondern ich brauche eine Seite. Es haben fast alle Unternehmen mittlerweile ein Unternehmensprofil. Und über dieses Unternehmensprofil habe ich im Normalfall dieses Feature „Jobs freigeschaltet“. Das bedeutet bei Facebook, der Algorithmus ist ja mittlerweile auch schon ganz schlau, das bedeutet, sobald ich über mein Unternehmensprofil irgendeinen Beitrag veröffentliche, wo der Algorithmus im Hintergrund schon erkennt „Oh, geht es aber jetzt auch um einen Job?“ fragt es sogar, „Willst du vielleicht das als Job veröffentlichen?“ Das ist gut, wenn ich das tatsächlich will. Wenn ich das nicht möchte und ich würde das nicht verwenden und ein paar Voraussetzungen, dann würde ich bei diesem Beitrag bleiben. Das heißt, unter welcher Voraussetzung ist es okay, diese Jobbörse zu verwenden? Ganz oft ist es so, wenn du ein Unternehmensprofil hast und dein Unternehmen ist im B2C-Bereich tätig, dann will man ja, dass Menschen auch Nachrichten schicken, zum Beispiel… Das ist ja eine der Ziele auf Social Media, dass wir in die Kommunikation gehen, in dem Fall mit unseren Kundinnen. Wenn wir aber auch dieses Job-Tool verwenden, dann geht die gesamte Kommunikation auch über den Messenger. Es ist der Facebook Messenger, es landet nur sozusagen gesammelt an einem Ort, nämlich in dieser Jobbörse. Und es bedeutet, die Person, die das Unternehmensprofil pflegt, kriegt auch alle Nachrichten und kriegt auch quasi alle Bewerbungen. Und im Normalfall ist es ja nicht jemand, der für Recruiting verantwortlich ist. Im Normalfall ist es Marketing, in der Unternehmenskommunikation und dann fragen wir uns: „Aber was soll ich denn jetzt mit den ganzen Bewerbungen?“ Denn ich will das nicht und ich kann das ja auch gar nicht. Stimmt ja. Es ist ja auch nicht deren Job. Das bedeutet, ich bräuchte quasi Zugang zum Unternehmensprofil, um das abarbeiten zu können. Das ist ein Nachteil. Der zweite Nachteil ist: Ich habe im Normalfall – ich kenne zumindest im deutschsprachigen Raum keine Software, wo es anders ist – Ich habe keine Schnittstelle zu meinem eigenen Bewerbungsmanagementsystem. Deswegen ist es quasi wie ein eigenes Bewerbungsmanagementsystem auf Facebook und das kann ich auch nicht verlassen. Das heißt, wenn es mir wichtig ist, die Daten in mein eigenes System hinüber zu bekommen, dann kann ich das nicht machen, weil dann müsste ich ja eigentlich Bewerberinnen und Bewerber bitten, dass sie sich quasi noch mal registrieren. Den Aufwand wollen wir ja nicht haben. Und das letzte ist, natürlich dieses Tool hat seine Grenzen. Bevor ich gar nichts hab, finde ich das ganz charmant, was besser ist als nichts. Aber es ist jetzt natürlich für jemanden, der sagt ich bin es gewohnt, mit einem richtig guten Bewerbungsmanagement- Software zu arbeiten, das kann man sich einfach nicht ersetzen. Also das ist ein ganz, ganz, ganz rudimentäres System. Das zum Beispiel durchaus die Möglichkeit hat, den Prozess sehr individuell zu gestalten. Was manche Bewerbungsmanagement-Software, die ich kenne, einfach nicht kann.

00:14:32
Alexander Petsch: Mensch jetzt habe ich ganz viel gelernt, Claudia. Ich habe also, wie ich vorhin gesagt habe, selbst zwar schon ein bisschen mit Facebook Ads sozusagen experimentiert, natürlich und auch im Recruiting, das immer mal wieder experimentiert, oder auch mal den ein oder anderen Job Post mal abgesetzt, so „Hilfe, ich suche jemanden“, oder wir nennen das die saarländische Lösung: Kennt nicht jemanden einen, der einen kennt, der weiß, wer das könnte. Weiß nicht, in Wien gibt es das wahrscheinlich auch. Ich hätte jetzt gesagt, da muss man das wahrscheinlich nur der richtigen Kaffeehausbedienung sagen. Und ja, und dann bei einem dieser Posts habe ich wahrscheinlich mal versehentlich auf „Ist das eine Jobanzeige“, ja geklickt. Und jetzt dämmert es mir auch, warum ich dann Wochen später in meinem Facebook-Account schlummernde, ich sage mal zehn Bewerbungen gefunden habe, wo ich mich fragte, wie kommen die denn da rein.

00:15:34
Claudia Lorber: Ja, das klingt genau nach dem, was ich jetzt gerade geschildert habe.

00:15:40
Alexander Petsch: Also trickreich, ja.

00:15:43
Claudia Lorber: Aber war wenigstens was Gutes dabei?

00:15:52
Alexander Petsch: Geht so. Also ich habe schon ein paar Mal probiert, experimentiert und würde sagen, ein Großteil der Bewerbungen war wenig passend. Ich habe aber auch schon für einen nahen Familienangehörigen mal eine Assistentin gesucht und das hat mit der Suche um den Kirchturm über Facebook ganz gut funktioniert. Da waren wirklich dann auch ein paar dabei. Ja, das war wahrscheinlich auch das Beuteschema, sag ich mal, für die Zielgruppe passend, also eher älter, eher erfahrener, da abgeholt, wo sie vielleicht gar nicht so aktiv gesucht haben. Was würdest du unseren Hörerinnen und Hörern noch mit auf den Weg geben, wenn sie mit Facebook Erfahrungen oder positive Erfahrungen im Recruiting sammeln wollen?

00:16:58
Claudia Lorber: Ja. Ein Punkt, der mir ganz wichtig ist, weil ich immer wieder mal gefragt werde, „Du jetzt haben wir doch eine Ad geschaltet und irgendwie hat es überhaupt nicht funktioniert.“ Wahrscheinlich war die Ad einfach schlecht. Das muss nicht sein, weil das ist genau eine der Gefahrenpunkte. Eine Facebook Ad ist eine sehr gute Geschichte, aber ich darf es nicht als alleinige Maßnahme betrachten. Ich erzähl jetzt ganz, ganz kurz, ich plaudere jetzt aus dem Nähkästchen. Es gab letztes Jahr im Sommer eine sehr breit angelegte Recruiting Offensive von einem Unternehmen in Österreich, die auf der Suche waren nach IT-Expertinnen. Und die haben Ads geschalten, unter anderem auch auf Facebook. Und so habe ich es auch entdeckt, ich natürlich als Recruiterin, sofort neugierig gewesen, was versteckt sich denn dahinter? Und da, muss ich sagen, da kam ich so gar nicht aus meiner Haut, ich schau mir nur den gesamten Prozess an. In der Online-Marketing-Sprache nennen wir das Funnel. Das bedeutet, der erste Teil des Funnels ist das, wo ich als potenzielle Mitarbeiterin überhaupt mal aufmerksam werde. Da gibt es einen Job, der mich vielleicht interessiert. Jetzt muss man dazu sagen, wenn sich jetzt die Leute fragen, aber Moment mal, Targeting und du hast gesagt, man kann da die Zielgruppe irgendwie gut vorselektieren? IT-Experten. Wieso habe ich das eigentlich gesehen? Das sollte normalerweise ja in meinem Feed, in meinem Facebook-Feed gar nicht auftauchen. Weil ich habe mit IT eigentlich nix am Hut, aber jetzt kommt ein ganz kleiner Exkurs. In Österreich sind wir als Werbemarkt meistens zu klein. Das bedeutet, wir müssen, wenn wir jetzt schalten, immer mit Streuverlusten rechnen. Weil wenn ich jetzt sage, ich suche IT-ExpertInnen nur in Wien und das ist jetzt sehr, sehr oberflächlich und banal von mir formuliert, das ist auf Facebook nämlich wesentlich komplexer. Aber dann ist es sehr wahrscheinlich so, dass die Zielgruppe, die ich da ansteuern kann, für den Werbemarkt auf Facebook einfach zu klein ist. Das bedeutet, ich muss meine Parameter so ändern, dass Facebook mich überhaupt meine Ads schalten lässt, weil er sagt, jetzt ist die Zielgruppe also groß genug. Ja, also das ist ein kleiner Nachteil beim Ads schalten. Aber ich wollte ja eigentlich von der Kampagne erzählen. Also ein österreichisches Unternehmen hat IT-ExpertInnen gesucht, hat auf Facebook Ads geschalten. Ich habe es gesehen, habe mich durchgeklickt und die haben relativ viel richtig gemacht. Die haben eine eigene Landingpage, es ist ein Event beworben worden, wo man Menschen, die schon in der IT in diesem Unternehmen arbeiten, kennenlernen kann. Das hat alles noch ganz gut geklappt. Und dann wie es um diesen Button „jetzt möchte ich da teilnehmen“ sozusagen gegangen ist, kam dann plötzlich das Bewerbungsformular aus dem Jahre, ich weiß es nicht -mit 14 Plichtfeldern, die ich ausfüllen hätte müssen, um quasi bei diesem Event dabei zu sein. Das war das ganz normale Standard-Bewerbungsformular. Jetzt sage ich mal gut gemeint, sehr viel gut umgesetzt, aber so auf den letzten Metern haben sie es einfach nicht mehr bedacht diesen gesamten Prozess durchzuschauen. Und ich bin überzeugt davon: Sie haben viel Aufmerksamkeit generiert, aber nicht viele Bewerbungen.

00:20:47
Alexander Petsch: Im Prinzip ist ja der Hack, der sich daraus ergibt: Bedenke, dass Facebook mobil ist. Achtzig Prozent oder noch mehr nutzen Facebook mobil in Zwischenzeiten, während sie warten und nicht unbedingt am Rechner. Und dann 14 Felder über Mobile Devices einzugeben. Das macht wirklich keiner.

00:21:13
Claudia Lorber: Und jetzt möchte ich fast noch einen Hack anschließen. Stimmt, Facebook ist zu einem großen Teil mobil, aber da hakt es auch. Das Geld alleine nützt mir nichts. Ich muss mit dem Prozess dahinter bis zum Ende anschauen, also bis zu dem Moment eigentlich, wo die Kandidatin/ der Kandidat sagt: „Jetzt bewerbe ich mich.“ Und 14 Felder für IT-Expertinnen, das können wir uns einfach nicht mehr aus.

00:21:42
Alexander Petsch: Ja. Also haben wir den Funnel bedacht. Wir haben also einen schönen, schlanken Prozess, haben unsere Zielgruppen analysiert, wir haben zielgruppengerecht geworben. Und was gibt es noch zu Facebook und Recruiting zu sagen?

00:22:04
Claudia Lorber: Was gibt es noch zu sagen? Das Wichtige ist immer, dass ich mir einfach im Vorfeld überlegen muss: Was habe ich denn? Was habe ich alles zur Verfügung? Und die Möglichkeiten auf Facebook sind, du hast ja sogar schon gesagt: „Auf die Idee bin ich ja noch gar nicht gekommen.“ Sie sind wesentlich vielfältiger als „nur“ über das eigene Unternehmensprofil zum Beispiel mal einen Job zu posten. Aber selbst das kann schon ein Erfolg sein, wenn das Unternehmen einfach grundsätzlich eine gewachsene, sehr große Community hat. Ich habe Kunden aus dem Bankenbereich und da haben wir lange überlegt, ob wir denn das Profil und das ist natürlich ganz klar: Zielgruppe Facebook sind die KundInnen. Aber wir haben so ein, zweimal mit Ausnahmen, über ein ganzes Jahr glaube ich waren das zwei Einträge, wo wir auch auf Jobs hingewiesen haben. Und das heißt, die Reichweite, die ich sowieso schon habe, die darf ich auch mal nutzen. Und Je kleiner das Unternehmen ist, desto eher ist es auch völlig in Ordnung. Also ich sehe, dass gerade jetzt,  es ist ja gerade ein großes Thema natürlich, dass wir die Jobs, vor allem in Gastronomie, Tourismus nicht besetzen können. Und da gibt‘s Menschen, die sagen, aber, das kann doch nicht über das Facebook-Profil, weil das ist ja für die KundInnen. Na ja, ich als Kundin hätte aber auch gerne, dass das Hotel überhaupt geöffnet ist, dass ich überhaupt hinfahren kann. Deswegen stört es mich ja überhaupt nicht, wenn da mal zwischen den ganzen Annehmlichkeiten, die da so gepostet werden, schaut‘s euch das Spa an, schaut euch das Restaurant an und so weiter und sofort. Ja, dann steht da halt auch mal „wir suchen auch noch Mitarbeiter / Mitarbeiterinnen für den Bereich…“ Und da habe ich eine gewisse Reichweite schon, und vor allem ich habe Fans vom Unternehmen. Das bedeutet, ich bin ja dem Unternehmen schon durchaus wohlwollend gegenüber eingestellt. Und ja, deswegen kommen dreizusammen. Du hast vorhin auch so schön gesagt, ich bin Österreicherin und geh zum Kellner und sag (lacht)..  Würde das funktionieren, wäre es großartig,  und ich würde das gleich als Recruiting-Maßnahme verkaufen. Wir müssen das mal ausprobieren, ich weiß es nicht.

00:24:34
Alexander Petsch: Die Bedienung des Kaffee Sperls wird ja schon den einen oder anderen empfehlen oder die ein oder andere.

00:24:41
Claudia Lorber: Ja, das kann ich mir schon vorstellen, wenn es so ein alteingesessenes Wiener Kaffeehaus ist. Schön, dass du das weißt.

00:24:48
Alexander Petsch: Eines meiner Lieblings-Kaffeehäuser in Wien.

00:24:50
Claudia Lorber: Wunderbar. Treffen wir uns dann das nächste Mal dort. Ja, ich kann einfach für sehr viel Reichweite sorgen. Und das klingt jetzt ein bisschen, ja… Ich meine das ganz ernst. Viel hilft viel, weil wir brauchen im Recruiting ja viel mehr Menschen, die das Jobinserat überhaupt sehen. Es ist ganz banal. Es ist ja wie ein Trichter. Es sehen im besten Fall ein paar Hundert oder sogar ein paar Tausend, bewerben tut sich nur ein Bruchteil. Und dann sozusagen schneiden wir das noch mal ordentlich zusammen. Wenn auf beiden Seiten, denn wir haben Vorstellungen, die Kandidatin und Kandidat hat Vorstellungen. Und am Ende des Tages sollte eine Person oder manchmal auch mehrere übrig bleiben, wo es dann passt.

00:25:48
Alexander Petsch: Grundsätzlich hilft der Mensch ja gerne. Ja, ich finde man kann auch seine Fans und seine Community nach Hilfe fragen und sagen „wir suchen hier jemanden“. Ich wäre dankbar, wenn ihr das teilt und weitererzählt.

00:26:03
Claudia Lorber: Absolut.

00:26:04
Alexander Petsch: Und damit mache ich ja meine Community auch zu Beteiligten und Betroffenen und binde sie positiv ein. Das ist mal wieder eine schöne Sache. Claudia, zum Schluss hast du noch einen Hack, noch was sonst noch sagen würdest. Das sollte man als Tipp bedenken?

00:26:28
Claudia Lorber: Ja, ich habe noch einen Hack, da werden jetzt alle lachen, die schon mal in einem Workshop bei mir waren. Ich bin ja grundsätzlich nicht so die Katzenfreundin, aber Cat Content funktioniert auch im Recruiting. Und ja, es gibt ein wirklich sehr sehr cooles Beispiel von der österreichischen Polizei, dass ist mittlerweile schon zwei Jahre alt oder so. Die haben tatsächlich mit einem kleinen Kätzchen im Recruiting für sehr viel Aufmerksamkeit gesorgt. Und wenn ich jetzt gleich noch einem Begriff sage, es war nämlich der Mieze-Leutnant, der da gesucht wurde. Dieses Posting ist natürlich durch die Decke gegangen, es ist nicht alles so ernst. Es darf auch mal mit Humor, es darf auch im Recruiting mal gelacht werden. Und das ist eigentlich der Erfolgsfaktor überhaupt für Social Media Recruiting. Wenn ich es schaffe, Information und Unterhaltung zu verbinden. Und Cat Content geht auch im Recruiting.

00:27:31
Alexander Petsch: Claudia Vielen Dank! Also wer die Hacks zum Thema Recruiting und Facebook noch mal nachlesen möchte, dann einfach auf HRM.de „Claudia Lorber“ oder „Facebook Recruiting“ eingeben und dann werdet ihr fündig. Claudia, vielen Dank, dass du heute bei uns dabei warst.

00:27:51
Claudia Lorber: Sehr gerne, danke dir.

00:27:53
Alexander Petsch: Und euch allen bleibt gesund! Glückauf! Und denk dran, der Mensch ist der wichtigste Erfolgsfaktor für euer Unternehmen.

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