Unser bisheriges Wissen über notwendige Voraussetzungen, hilfreiche Rahmenbedingungen und unabdingbare Aufwendungen für die Sicherung des Erfolgs von Innovationen scheint noch nicht ausreichend zu sein. Umso wichtiger erscheint es dabei, Kulturwissen zu sammeln, um Innovationen nachhaltig zu Wirklichkeit werden zu lassen. Die in diesem Artikel beschriebene Anwendung der Theatermetapher in der Praxis kann dazu einen Beitrag leisten. Teile des Artikels gehen auf die Artikel von Schmid und Hipp (1997) und von Schmid und Wengel (2001) zurück.
Es ist offensichtlich, dass komplexe Innovationen nicht allein durch die Verkündung einer Idee, durch die Skizzierung einer Handlung und durch Appelle an Motivation zur Umsetzung – eventuell ergänzt durch ein Budget für die Schauspielerschulung – implementiert werden können. In der Theatermetapher werden die zu bewältigenden Aufgaben einer Innovation in anschaulicher Sprache plausibel gegenwärtig und dies wirkt der häufig erlebten Ausblendung des realistisch Notwendigen entgegen.
Die Elemente des Theaters werden bei der Anwendung der Theatermetapher nur metaphorisch, d.h. als Sprachbilder verwendet.
Ein Theaterensemble hat auf seiner Bühne bisher Volksstücke gespielt. Es ist entsprechend zusammengestellt, die Charaktere und Interessen, der Inszenierungsstil, die Art und Weise, Tourneen zu machen, das Publikum – alles ist auf diese Art, Theater zu spielen, abgestimmt. Eines Tages bemerkt der Intendant des Theaters, dass der Markt für Volkstheater langsam kleiner wird, die Subventionen zurückgehen und modernes Theater auf dem Programm sehr viel bessere Aussichten böte. Er ruft also sein Ensemble zusammen, verkündet die neue Positionierung des Theaters und wie er es sich in etwa vorstellt. Dann spricht er allen volles Vertrauen aus und verlangt Umsetzung innerhalb einer bestimmten Frist, sonst wäre die Existenz des Theaters gefährdet. Einem der Regisseure, der doch einige Bedenken bezüglich der Machbarkeit eines so ambitionierten Vorhabens mit dem bestehenden Ensemble äußert, wird zugestanden – so weit erforderlich – Schauspieler zum ergänzenden Schauspielunterricht zu schicken.
Wie schätzen Sie die Aussichten eines solchen Innovationsprozesses ein? Nun, wahrscheinlich nicht allzu positiv – und dennoch werden Sie vermutlich Parallelen zu manchen Innovationsvorhaben in Organisationen erkennen. Lösen breitflächige Schulungsprogramme das Problem? Schauspielunterricht kann – vielleicht – eine nützliche Maßnahme im Sinne einer Personenqualifikation sein, aber keinesfalls alle anderen Maßnahmen überflüssig machen, die nötig wären, um die Voraussetzungen für modernes Theater zu schaffen. Denn die Regisseure müssen Stücke nach ganz anderen Gesichtspunkten inszenieren. Es werden andere Stoffe ausgewählt, andere Charaktere benötigt und entsprechende Rollen neu verteilt. Das Flair des Zusammenspiels muss verändert und durch Inszenierungsarbeit eingeübt werden. Andere Publikumsreaktionen werden angestrebt, die Intendanz muss anders organisiert sein, usw. Man kann vielleicht bei Tourneen nur bedingt in Turnhallen spielen, weil Technik, Requisiten, Bühnenbild und Kostüme eine ganz andere Rolle spielen. Das hat wiederum Auswirkungen auf die notwendige Auslastung des Theaters und dessen Finanzierung. Zudem haben Menschen, die diese Art von Theater spielen können, ein anderes Bedürfnis nach Lebensqualität und künstlerischem Anspruch.
All diese Aspekte müssen nicht nur berücksichtigt werden bei der Frage: „Können wir modernes Theater machen?“, sondern sie müssen auch in Szene gesetzt werden. Theater überzeugt nur, wenn alles zusammenpasst. Es bedarf daher einer Systemlösung.
Es ist offensichtlich, dass komplexe Innovationen nicht allein durch die Verkündung einer Idee, durch die Skizzierung einer Handlung und durch Appelle an Motivation zur Umsetzung – eventuell ergänzt durch ein Budget für die Schauspielerschulung – implementiert werden können. Vielleicht könnte man sogar (Moden folgend) für eine gewisse Zeit Finanzierungen zustande bekommen. Doch das wäre im ursprünglichen Sinn nicht wirtschaftlich. Bedeutet ‚wirtschaften‘ nicht in erster Linie eine intelligente Kombination von Ressourcen und Integration von Komponenten? Wenn dem so ist, dann hängt der durch das Management erzeugte Mehrwert von der Gesamtoptimierung ab, in welche die Partialoptimierungen eingefügt sein müssen.













