Die meisten Modelle der betrieblichen Altersvorsorge basieren auf einer klassischen Rentenversicherung. Diese baut über die Laufzeit hinweg einen Kapitalstock auf, den der Versicherer bei Eintritt des Leistungsfalls in Form einer lebenslangen Rentenleistung auszahlt. Die Sparprämien der Kunden fließen abzüglich Versicherungssteuer und Kos-ten in den sogenannten Deckungsstock. Das Kapital in diesem Deckungsstock stellt Sondervermögen dar, das selbst im Konkursfall der Versicherung dem Zugriff der Gläubiger entzogen ist. Der Versicherer garantiert eine bestimmte Mindestverzinsung und gewährt darüber hinaus eine Gewinnbeteiligung, die nicht verfallen kann, sowie eine Garantie der Felbingerbei Abschluss gültigen Sterbetafeln, also der Sterbewahrscheinlichkeit, die bei der Kalkulation der Rentenhöhe zugrunde gelegt wird.
Dadurch, dass bei der Rentenversicherung sowohl die bei Vertragsabschluss gültige Lebenserwartung (Sterbetafeln) als auch eine bestimmte Mindestverzinsung lebenslang gewährt werden, ist sie das einzige Produkt am Markt, das eine lebenslange Mindestpensionshöhe garantieren kann – eine wichtige Voraussetzung für die betriebliche Altersvorsorge (BAV). Zum Ende des Jahres 2012 sind jedoch Änderungen bei den Neuabschlüssen von Rentenversicherungen geplant, die höhere Beiträge und eine geringere Leistung erwarten lassen. Die Folge: Die BAV-Modelle, die auf Rentenversicherungen gestützt sind, werden teurer. Bestehende Verträge sind hiervon nicht betroffen.

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Foto von Austin Distel

Die zum Ende 2012 geplanten Änderungen im Bereich der klassischen Rentenversicherungen werden zu deutlichen Verteuerungen führen. Das sollte Unternehmen jedoch keinesfalls dazu verleiten, übereilt ein Modell der betrieblichen Altersvorsorge einzuführen. Arbeitgeber, die jedoch gerade über Zukunftssicherung für Mitarbeiter (300-Euro-Modell), betriebliche Kollektivversicherungen, direkte Leistungszusagen für Führungskräfte oder eine Auslagerung von Abfertigungsverpflichtungen nachdenken, sollten die Zeit vor dem 21. Dezember 2012 noch entsprechend nutzen.

Quelle: personal manager Zeitschrift für Human Resources 6 November / Dezember 2012

Grundsätzlich konnte und kann die Rendite auch durch eine hohe Kostenbelastung massiv geschmälert werden. Aktuelle Untersuchungen der Arbeiterkammer (AK) und des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) sind auf Fälle gestoßen, bei denen im Schnitt nur weniger als 80 Prozent der Prämien tatsächlich in den Deckungsstock gelangt sind. In der Praxis bedeutet dies eine wesentliche Verschlechterung der Rendite, minimale Rückkaufswerte in den ersten Jahren und (große) Verluste bei einem vorzeitigen Vertragsausstieg.

Negativ können sich für den Arbeitgeber auch bestimmte Regelungen in den Versicherungsbedingungen auswirken, welche bei einem vorzeitigen Ausstieg hohe zusätzliche Rückkaufsabschläge vorsehen oder Verschlechterungen der Bedingungen bei Änderungen des ursprünglich abgeschlossenen Vertrages. Auch eine mangelnde Abstimmung zwischen zugesagten Leistungen (beispielsweise durch eine Pensionszusage) und dem Deckungsumfang der Rückdeckungsversicherung können den Arbeitgeber unter Umständen sogar in eine existenzgefährdende Situation bringen.

Unternehmen sollten daher die anfallenden Kosten durch Experten verhandeln lassen und Sonderklauseln in die Versicherungsverträge einbauen, welche die Flexibilität erhöhen, die Rückkaufswerte verbessern und die laufende Verwaltung erleichtern. Sie sollten außerdem überprüfen, ob die Leistungen, die der Arbeitgeber dem Mitarbeiter versprochen hat, auch durch die Rückdeckungsversicherung lückenlos gedeckt sind.

Neben der Verteuerung der Tarife sind bei neu abgeschlossenen Versicherungen niedrigere Renten durch die Senkung des Garantiezinssatzes zu erwarten. Rentenversicherungen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie zum einen eine garantierte Mindestverzinsung (auf das einbezahlte Kapital abzüglich Versicherungssteuer, Prämien für Risikokomponenten und Kosten) und darüber hinaus zusätzlich eine unverbindliche jährliche Gewinnbeteiligung bieten. Die Mindestverzinsung gilt lebenslang, also sowohl in der Ansparphase als auch in der Leistungsphase. Schließt jemand beispielsweise im Alter von 35 Jahren einen Vertrag ab und bezieht ab 65 eine Rente bis zum Tod mit 90, dann beträgt der Zeitraum der Garantie immerhin 55 Jahre.

Damit die garantierten Zinssätze langfristig für die Versicherungen finanzierbar bleiben, gibt die Finanzmarktaufsicht einen Höchstzinssatz vor, der für Neuabschlüsse nicht überschritten werden darf. Als Faustregel gilt, dass der Höchstzinssatz maximal 60 Prozent der durchschnittlichen Verzinsung der Anleihen des Staates in einem zehnjährigen Beobachtungszeitraum betragen darf. Mit der Einführung der neuen Tarife im Dezember 2012 ist mit einer Reduktion der garantierten Mindestverzinsung für Neuabschlüsse zu rechnen. Momentan ist von einer Senkung (für Neuabschlüsse) auf 1,75 Prozent (oder darunter) auszugehen, wie sie in Deutschland bereits umgesetzt ist.

Verteuerungen dürften sich vor allem durch die von der EU-Kommission geforderten sogenannten „Unisex-Tarife“ (= gleiche Prämien für Männer und Frauen) ergeben. Da Frauen eine deutlich höhere Lebenserwartung haben als Männer, mussten sie bisher für eine gleich hohe Rente wesentlich mehr Kapital ansparen als Männer, weil die Versicherer die Rente länger zahlen müssen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat jedoch entschieden, dass eine geschlechtsabhängige Kalkulation von Prämien und Leistungen gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung von Männern und Frauen verstößt. Die EU-Kommission hat alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, diese Vorgabe in nationales Recht zu übernehmen und bis zum 21. Dezember 2012 umzusetzen. Mit der Einführung der von der EU-Kommission geforderten „Unisex-Tarife“ müssen alle Versicherer neue Tarife auf den Markt bringen. Dabei ist zu erwarten, dass sich die Prämien für Männer bei Neuabschlüssen von Rentenversicherungen ab 21. Dezember 2012 spürbar erhöhen werden.

Zur Kalkulation von lebenslangen Renten verwenden Versicherungen die bereits erwähnten Sterbe- oder Rententafeln, die die durchschnittlichen Sterbewahrscheinlichkeiten für bestimmte Personengruppen verzeichnen. In der Vergangenheit wurden diese Rententafeln immer wieder angepasst, da sich die Lebenserwartung stetig erhöht hat. Mit Blick auf die statistische Lebenserwartung gibt es zwei grundlegend unterschiedliche Kalkulationen bei Vorsorgeprodukten:

1. Produkte ohne Garantie: Das vorhandene Kapital wird aufgrund der bei Eintritt des Leistungsfalls (= Pensionsantritt) gültigen Rententafeln in eine Rente umgewandelt. Schließt ein Arbeitnehmer beispielsweise im Alter von 30 Jahren ein Vorsorgemodell ab und steigt die Lebenserwartung weiterhin signifikant an, so wird er in Zukunft bei gleichem Kapital eine deutlich geringere Rente bekommen als heute angenommen. Denn der Versicherer muss diese zumindest kalkulatorisch für einen längeren Zeitraum zahlen. Nach einem solchen Zugang funktionieren beispielsweise Pensionskassen oder klassische Er- und Ablebens-versicherungen.

2. Produkte mit Garantie: Für die Umwandlung des vorhandenen Kapitals in eine lebenslange Rente zum Pensionsantritt werden die bei Vertragsabschluss gültigen Rententafeln garantiert. Die Umwandlung erfolgt also auf Basis der bei Abschluss vorherrschenden Lebenserwartung. Das war in der Vergangenheit ein deutlicher Vorteil, denn in den vergangenen zehn Jahren ist die Lebenserwartung statistisch um mindestens drei Monate pro Jahr gestiegen. Eine Garantie der Sterbetafeln bieten klassische Rentenversicherungen und die betriebliche Kollektivversicherung.

In den Jahren 1998 und 2006 haben die Versicherungen auf neue Sterbetafeln umgestellt – und jedes Mal stieg der Kapitalbedarf für eine gleich hohe Rente zwischen elf und zwölf Prozent an (Abbildung 1). Wenn also jemand heute mit 65 Jahren eine lebenslange Pension beziehen möchte, so muss er dafür rund 24 Prozent mehr Kapital haben, als noch vor 15 Jahren angenommen wurde. Hätte der Versicherungsnehmer damals bereits eine Rentenversicherung abgeschlossen, wäre ihm diese Verteuerung erspart geblieben.


Niemand weiß, wie sich die Lebenserwartung der österreichischen Bevölkerung in den nächsten 30 Jahren entwickeln wird. Welche Zahlen sich jedoch ergeben würden, wenn die Lebenserwartung wie in der Vergangenheit weiter steigt, zeigt folgendes Beispiel:
Ein heute 45-jähriger Mann, der ab 65 eine lebenslange Zusatzpension von 1.000 Euro (14-mal jährlich) haben möchte, müsste in den nächsten 20 Jahren ein Kapital von 275.000 Euro ansparen. Bei einer Zinsannahme von effektiv drei Prozent ist dafür eine jährliche Prämie von 9.900 Euro notwendig. Steigt jedoch die Lebenserwartung weiter an wie bisher (zwei Anpassungen der Sterbetafeln im Ausmaß von rund elf bis zwölf Prozent), so wäre für diese Rente mit 65 ein Kapital von 343.500 Euro aufzubringen, also etwa 68.500 Euro mehr (Abbildung 2, S. 30) .


Wer also sein Geld mittels Sparbuch, Fonds oder einer normalen Er- und Ablebensversicherung anspart, müsste entweder deutlich mehr Geld pro Jahr auf die Seite legen oder ein Produkt finden, das statt drei Prozent nun fünf Prozent Performance pro Jahr bietet. Wer jedoch eine Rentenversicherung mit Garantie der heute gültigen Sterbetafeln abschließt, braucht auch in 20 Jahren weiterhin „nur“ 275.000 Euro Kapital, um die Rente von 1.000 Euro zu erhalten.


Doch dieser Vorteil könnte sich in der Zukunft schon bald verteuernd auf die Tarife der Rentenversicherungen auswirken. Denn bei den aktuellen Versicherungstarifen ist die Garantie der Sterbetafeln zumeist noch gar nicht eingepreist. Das bedeutet, dass eine Rentenversicherung nicht mehr kostet als eine klassische Kapitalversicherung ohne Garantie der Sterbetafeln.


Da jedoch die Versicherer spätestens mit 21. Dezember 2012 neue Versicherungstarife auf den Markt bringen werden (siehe „Unisex-Tarife”), ist davon auszugehen, dass sie diese Tarifänderungen auch gleich dazu nutzen, für den Vorteil der garantierten Sterbetafel einen bestimmten Preis zu verlangen, was zu einer zusätzlichen Verteuerung führen wird.