Programmatic Job Advertising: Tipps für die Praxis

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Programmatic Job Advertising – schon mal gehört? Dahinter verbirgt sich eine Technologie, die Online-Stelleninserate treffsicher an potenzielle Bewerberinnen und Bewerber ausspielt. Wir das genau funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel.

Definition: Was ist Programmatic Job Advertising?

Das kennen Sie bestimmt auch. Egal, welches Portal Sie im Netz besuchen – irgendwie passen alle Werbeanzeigen, die auf Newsseiten oder Blogs geschaltet sind, oder die in Ihrer Facebook-Timeline erscheinen, wie die Faust aufs Auge zu Ihren persönlichen Vorlieben. Manche Produkte verfolgen Sie regelrecht durchs Netz und tauchen in zeitlichen Abständen immer wieder auf. Und von Mal zu Mal wird es verführerischer, den Kaufen-Button zu drücken.

Das Ganze ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Programmatic Advertising. Dahinter stecken smarte Algorithmen, die Ihr Online-Nutzerverhalten genau analysieren und passend zu Ihrem Geschmack die richtige Werbung ausspielen. Dieses Prinzip funktioniert auch mit Stellenanzeigen. Diese lassen sich sehr passgenau an eine Vielzahl von Kandidaten ausspielen – nur eben nicht zu bestimmten Kaufvorlieben, sondern zum Werdegang, den Skills und Talenten eines Kandidaten oder einer Kandidatin. Dann spricht man nicht mehr von Programmatic Advertising, sondern von Programmatic Job Advertising.

Wie funktioniert Programmatic Job Advertising?

Soweit, so gut. Aber wie funktioniert das konkret? Vereinfacht gesagt, hinterlassen wir immer, wenn wir im WWW surfen, digitale Spuren. Webseiten sammeln diese über Cookies ein. Zudem hinterlegen wir viele Informationen über uns im Netz. Etwa, wenn wir uns einen Account bei sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. anlegen und dort regelmäßig posten. Viele dieser Daten sind öffentlich verfügbar und schlaue Tools können sie zusammentragen und analysieren. Daraus entsteht ein recht genaues Bild unserer Persönlichkeit.

Im nächsten Schritt erfolgt beim Programmatic Job Advertising das Matching, das die über eine Person zusammengetragenen Daten mit einer ausgeschriebenen Stelle vergleicht. Ist der Grad der Übereinstimmung hoch, wird die Stellenanzeige beim nächsten Besuch auf einem Online-Portal in Form eines Banners ausgespielt. Mit einem Klick auf einen integrierten Button landen interessierte Talente direkt auf dem dahinter verlinkten Jobinserat. In sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. läuft das etwas anders. Hier erscheint das Jobinserat als „sponsored Post“ mit kurzem Text, Bild und Link auf die Stellenanzeige direkt im Newsstream der passenden Kandidatinnen und Kandidaten.

Welche Vorteile hat Programmatic Job Advertising?

Damit liegt einer der entscheidenden Vorteile von Programmatic Job Advertising auf der Hand: Da Stellenanzeigen genau den Talenten unter die Augen kommen, bei denen das Interesse maximal hoch ist, sind die Streuverluste extrem gering. Ein hoher Rücklauf an Bewerbungen ist sehr wahrscheinlich. Das wiederum senkt die Time to Hire, also die Zeit, die zwischen der Ausschreibung einer Stelle und deren Besetzung vergeht, und die Kosten sinken.

Ein weiterer, wenn nicht gar der entscheidende Vorteil: Personalsuchende erreichen über Programmatic Job Advertising nicht nur Kandidatinnen und Kandidaten, die aktiv auf Jobsuche sind. Sie erreichen auch jene, die zwar einen festen Job haben, aber offen für eine neue berufliche Herausforderung sind – so genannte passive Jobsuchende. Und deren Anteil wächst und wächst. Laut einer Studie der Deininger Consulting sind nur noch rund 20 Prozent aller Kandidaten aktiv auf Jobsuche. Der weitaus größere Anteil der erreichbaren Talente dürfte damit der Gruppe angehören, die wartet, bis ein Stelleninserat sie erreicht. Umso mehr müssen Rekrutierende  dafür sorgen, dass ihre Stellenanzeigen zu Kandidaten kommen und nicht mehr umgekehrt. 

Programmatic Job Advertising in der Praxis

So weit, so gut. Aber wie zuverlässig ist die Technik? Dass das Ganze nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch sehr gut funktioniert, belegt die Studie Recruiting Trends der Universität Bamberg. Dieser zufolge erhält jeder dritte Kandidat der Generation Z inzwischen häufig interessante Werbeanzeigen für Jobs über soziale Netzwerke. Altersübergreifend finden es sechs von zehn Kandidatinnen und Kandidaten gut, wenn Unternehmen Stellenanzeigen zum Beispiel über Facebook und Co. ausspielen.

„Aus meiner Sicht ist Programmatic Job Advertising die konsequente Weiterentwicklung der klassischen Stellenanzeigenschaltung. Kandidaten müssen nicht mehr nach passenden Jobs suchen, stattdessen kommen diese automatisiert zu ihnen – genau dort, wo sie sich im Netz aufhalten“, sagt Professor Klemens Skibicki, Inhaber der  PROFSKI Unternehmensberatung und zwischen 2004 2019 Professor für Marketing und Marktforschung an der Cologne Business School in Köln. „Für Arbeitgebende bietet das die Chance, die Candidate Experience von Talenten erheblich zu verbessern. Niemand möchte im Digitalzeitalter mehr kompliziert auf Jobsuche gehen, sondern zum richtigen Zeitpunkt über den perfekt passenden Job informiert werden. Das empfinden Jobsuchende als echten Service.“

Für Unternehmen ist Programmatic Job Advertising besonders lohnenswert, wenn sie einen hohen Personalbedarf haben und Stellen kurzfristig besetzen müssen. Sie erzielen durch das Ausspielen ihrer Stellen auf Online-Plattformen und sozialen Medien eine besonders gute Hebelwirkung.

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