Personalpolitik abseits des Hochglanzes: Deutscher Betriebsrätepreis wirft Licht auf Realalltag

|
group of people doing jump shot photography
Foto von Husna Miskandar

Stoßrichtung des Betriebsrätepreises

Mit dem Betriebsrätepreis werden Betriebsräte, Gremien und betriebsübergreifende Kooperationen geehrt, die sich nachhaltig für den Erhalt oder die Schaffung von Arbeitsplätzen oder für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Unternehmen einsetzen. Der Preis wird in 2014 zum sechsten Mal verliehen; ausgeschrieben von der Zeitschrift “Arbeitsrecht im Betrieb”. Die Schirmherrschaft liegt wie in den Vorjahren beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Entgeltstrukturen bei Festo und der Betriebsrat

Bei der Festo AG in Esslingen wurden Frauen offenbar lange Jahre schlechter bezahlt als Männer. Das geht aus der Presse der IG Metall Esslingen zur Nominierung des Festo-Betriebsrates für den Deutschen Betriebsrätepreis 2012 hervor. Im Wortlaut berichtet die Gewerkschaft:
Frauen bei Festo sind häufig befristet beschäftigt und vor allem in den unteren und mittleren Entgeltgruppen anzutreffen. Nur wenige schaffen es in den besser bezahlten übertariflichen Bereich vorzudringen.“

Unter der besonderen Federführung der Betriebsrätin Monika Heim organisierte der Betriebsrat in Kooperation mit dem Personalwesen eine Analyse der Personaldaten, um zu erwägen, ob Frauen bei Festo diskriminiert wurden. Laut Heim hätte nämlich das Entgeltsystem des Unternehmens eine geschlechtsspezifische ungleiche Bezahlung ausgeschlossen. „Andererseits berichten Kolleginnen immer wieder von ungleichen Löhnen bei gleicher Arbeit”, erklärte Heim. Das Ergebnis habe gezeigt, dass Frauen tatsächlich anders behandelt werden. Bei den unteren Entgeltgruppen seien Frauen deutlich überrepräsentiert gewesen. Auch bei den mittleren Entgeltgruppen, denen üblicherweise kaufmännische Ausbildungen zugrunde lägen, stellten Frauen den Hauptanteil. Bei den höheren Entgeltgruppen seien weibliche Beschäftigte dagegen wenig vertreten. Wenig positiv erschien dem Betriebsrat auch die Tatsache, dass 14 Prozent aller beschäftigten Frauen einen befristeten Arbeitsvertrag hatten. Die Zahl kumuliert besonders im Produktions- und Montagebereich, wo 57,5 Prozent aller Damen im befristeten Verhältnis arbeiten. Dagegen arbeiten sechs Prozent aller beschäftigten Männer im Unternehmen befristet.

Vorwerk-Beschäftigte modellieren neue Geschäftsbedingungen

Beim Staubsauger-Hersteller Vorwerk bewirkte der Betriebsrat statt einer Stellenstreichung – weil Service-Center und Shops nicht profitabel waren – die Einführung eines neuen Geschäftsmodelles: attraktivere Vorwerk-Shops, neues Verkaufskonzept, veränderte Öffnungszeiten. Laut Berichterstattung der IG Metall hatten sich Beschäftigte auf Initiative des Betriebsrates drei Monate lang nach Feierabend im Wuppertaler Brauhaus getroffen, um Ideen zu entwickeln, was helfen würde, um 63, von einer Schließung bedrohte Service-Center aufrecht erhalten zu können. Sechszehnmal habe der Betriebsrat mit der Geschäftsführung verhandelt – zum Schluss erfolgreich. Dafür gab es die Goldmedaille beim Deutschen Betriebsrätepreis 2012.

Melde dich jetzt zum HRM Newsletter an