Suchen & Gefunden werden

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Foto von Christian Mackie

Für Mittelständler steht das Tagesgeschäft im Vordergrund und oft wird versucht, Personalangelegenheiten zwischen Tür und Angel zu erledigen. Eine klare Personalbeschaffungs-Strategie wird nur von wenigen Unternehmern konsequent verfolgt. Der Aufwand hierfür sei zu hoch, so die Argumentation. Das allerdings ist in den meisten Fällen zu kurz gesprungen.

Fachkräfte finden – per Zufall oder mit System?

Wenn Unternehmer beide Hebel der aktiven Rekrutierung (Suchen und Gefunden werden) strukturiert planen und einsetzen ist zum einen der Aufwand durchaus überschaubar und zum anderen spart es ihnen hohe Folgekosten ein, wenn aus der Not an geeigneten Bewerbern heraus Stellen entweder suboptimal oder im schlimmsten Fall gar nicht besetzt werden.

Hebel Nr. 1:

Active Sourcingoder Die Nadel im Heuhaufen finden

Mindestens 10 Wege stehen Unternehmern heute zur Verfügung, auf denen sie geeignete Kandidaten für ihr Unternehmen finden können:

1.         Persönliche Netzwerke

Sprechen Sie in Ihrem persönlichen und geschäftlichen Umfeld über Ihren Personalbedarf. Bitten Sie einfach darum, dass Ihre Kontakte für Sie die Augen und Ohren offen halten und Ihnen bzw. einem möglichen Kandidaten einen Tipp geben. Die Menschen in Ihrem Umfeld sind oftmals dankbar für die Gelegenheit, Ihnen einen Gefallen tun zu können.

2.         Stellenanzeigen in Printmedien

Der Klassiker bei der Bewerbersuche. Auch wenn die Bedeutung der klassischen Zeitungsanzeige insgesamt nachlässt, wenn Sie regional suchen gehört die Anzeige in der Regionalzeitung einfach dazu. Und nebenbei machen Sie damit in der Region gleichzeitig Werbung für Ihr Unternehmen.

3.         Online Karriere- und Jobportale

Im Zeitalter der Digitalisierung ist eine Nutzung der verschiedenen Portale hoffentlich eine Selbstverständlichkeit. Nicht nur um Stellenanzeigen zu veröffentlichen. Viele Jobsuchmaschinen bieten auch die Möglichkeit gezielt die hinterlegten Bewerberprofile zu durchsuchen.

4.         Arbeitsagentur

Pflegen Sie den Kontakt zu Ihrer Arbeitsagentur. Fachkräfte in der Region, auch die in einer geförderten Qualifizierungsmaßnahme, werden Ihnen die in aller Regel sehr engagierten und erfahrenen Vermittler dort gerne empfehlen. Und für Führungskräfte gibt es dort auch die Möglichkeit bundesweit zu recherchieren.

5.         Personalberater

Viele Mittelständler scheuen wegen der Kosten häufig davor zurück, einen professionellen Personalberater einzuschalten. Dabei übersehen sie gelegentlich die Vorteile – auch finanzieller Art – die ihnen dies bieten kann. Zum einen hat ein guter Berater selber eine gut gepflegte Datenbank mit potenziell wechselbereiten Kandidaten, zudem darf er (im Gegensatz zum Unternehmer) auch Kandidaten direkt bei Wettbewerbern ansprechen und er stellt sicher, dass das Auswahlverfahren professionell abläuft.

6.         Interne Bewerber

Wer von den eigenen Mitarbeitern käme für die offene Position möglicherweise in Frage? Wer hat die nötigen Kompetenzen und wer ist motiviert, eine andere Aufgabe zu übernehmen. Gut, wenn das Unternehmen so klein ist, dass der Chef jeden einzelnen Mitarbeiter genau kennt – besser wenn rechtzeitig ein praktikables Kompetenzmodell im Hause eingeführt wurde. Mittelstands-kompatible Angebote hierzu gibt es jedenfalls inzwischen.

7.         Messen und Fachveranstaltungen

Auch Messen, Gewerbeschauen u.ä. sind eine gute Gelegenheit nicht nur das eigene Waren- und Dienstleistungsangebot zu präsentieren. Sie sollten immer auch genutzt werden, um Stellenangebote zu bewerben und aktiv mit Kandidaten ins Gespräch zu kommen.

8.         Praktika, Studien und Diplomarbeiten

Schulen, Fachhochschulen und Universitäten sind in aller Regel dankbar für Angebote von Praktikumsplätzen, die Möglichkeit eine Bachelor- oder Masterthesis im Unternehmen zu schreiben etc. Hier bietet sich Ihnen die Chance, motivierte junge Menschen im eigenen Unternehmen kennen zu lernen und sich gleichzeitig eine Netzwerk von möglichen zukünftigen Mitarbeitern und Empfehlungsbern aufzubauen.

9.         Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke, wie beispielsweise XING (bzw. LinkedIn für den internationalen Bereich) gelten heute bereits als die größten Stellenbörsen. Als Arbeitgeber können Sie gezielt nach wechselbereiten und interessanten Kandidaten suchen und diese direkt ansprechen.

10.      Eigene Internetseiten

Auf der eigenen Webseite sollten Sie der Präsentation Ihrer Stellenangebote die gleich hohe Aufmerksamkeit widmen wie der Darstellung Ihres Angebotes. Gestalten Sie sowohl Ihre Karriereseite als auch die konkreten Angebote so attraktiv, dass sich mögliche Interessenten nicht nur angesprochen fühlen, sondern auch einfach mit Ihnen direkt in Kontakt kommen können.

 

Welche Wege Unternehmer für sich sinnvoll nutzen ist ebenso ein Teil der strategischen Personalplanung wie der Unternehmenskultur, des Branchen- und Marktumfeldes sowie des individuellen „Leidensdrucks“, genügend qualifizierte Bewerber zu finden. Nehmen Sie sich Zeit für eine angemessene Planung, die Sie konsequent umsetzen, und Sie werden zukünftig wesentlich mehr und bessere „Nadeln im Heuhaufen“ finden.

Hebel Nr. 2:

Arbeitgeber-Marketing oder Als Nadel im Heuhaufen gefunden werden

Ein gut aufgestelltes Familienunternehmen mit etwa 50 Mitarbeitern im Bereich Schaltschrankbau irgendwo im eher ländlichen Raum des Bodenseekreises. Das Geschäft läuft erfreulich und eigentlich bräuchte man 2 bis 3 zusätzliche Mitarbeiter für die technische Installation bei den Kunden.

Die Arbeitsagentur kann nicht helfen, die Anzeige in der Zeitung hat gerade mal 3 wenig qualifizierte Bewerbungen gebracht und auf die Online-Inserate gibt es auch kaum Resonanz. Woran liegt es, dass offenbar niemand Interesse hat?

Menschen, die einen Wechsel des Arbeitgebers in Betracht ziehen oder schon konkret planen nutzen heute ganz selbstverständlich die zur Verfügung stehenden Informationskanäle, um sich im Vorfeld ein möglichst umfassendes Bild Ihres neuen Arbeitgebers zu verschaffen. Und sie bewerben sich bei denen, die ihnen besonders attraktiv erscheinen.

Employer-Branding oder auch Arbeitgeber-Marketing nennt der Fachmann das, was das Unternehmen leistet, um im „Heuhaufen der Angebote“ von potenziellen Mitarbeitern gefunden zu werden.

Was ist also zu tun? Eigentlich ist es ganz einfach:

1.   Sagen Sie der Welt, dass Sie ein attraktiver Arbeitgeber sind.

Gut, wenn Sie wissen, welche Vorzüge Sie Ihren Mitarbeitern bieten, aber besser wenn Sie es klar und nachvollziehbar formulieren und veröffentlichen. Und wo? Nun z.B. auf Ihrer eigenen Webseite, aber auch in jeder Stellenanzeige, in Ihren Unternehmensprofilen auf den SocialMedia-Kanälen (XING, Facebook, LinkedIn etc.) und auf Arbeitgeberbewertungsseiten wie z.B.: kununu.

2.     Sagen Sie wechselwilligen qualifizierten Kandidaten die Wahrheit

Erliegen Sie nicht der Versuchung, Ihr Unternehmen „schön zu reden“. Gerade gegenüber zukünftigen Mitarbeitern ist eine offene und ehrliche Kommunikation Pflicht. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter im patriarchalischen Stil führen und Ihr Ort als wichtigste Einrichtung über den Dorfkrug verfügt, reden Sie nicht von partizipativen Führungssystemen und der kulturellen Attraktivität. Erstens würden Sie sehr schnell durchschaut – und wer will schon einen unehrlichen Chef und zweitens würden Sie so nicht die Mitarbeiter finden, die zu Ihrem Unternehmen passen und sich „auf dem Land“ dauerhaft wohlfühlen.

3.         Lassen Sie andere sagen, was Sie als Arbeitgeber so attraktiv macht

Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter Ihre Erfahrungen mit ihrem Unternehmen zu teilen. Sei es auf Bewertungsseiten, auf den genannten SocialMedia-Seiten oder natürlich auch auf der eigenen Webseite. Die Aussagen von Dritten über Sie genießen in der Regel eine viel höhere Glaubwürdigkeit als Ihre eigenen „Werbetexte“.

4.         Sorgen Sie dafür, dass all das dort zu finden ist, wo es Ihre Bewerber suchen

Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf die digitalen Medien. Seien Sie auch persönlich dort präsent wo sich mögliche Bewerber oder Multiplikatoren treffen. Z.B. auf regionalen Jobmessen bei den Hochschulen, auf Berufsinformations­tagen in Schulen, bei Fachveranstaltungen von Verbänden, Innungen, Kammern etc.

 

„Tue Gutes und rede darüber“ lautet der alte Marketinggrundsatz. Ihre Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass Menschen über Sie reden, damit man Sie (er)kennt und im „Heuhaufen der Angebote“ findet

 

Autor:

Peter Faidt
TrainArt Academy
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