Bei der Suche nach dem passenden Sprachkurs spielen somit viele Faktoren eine Rolle: Neben den Inhalten muss die Methodik zu den eigenen Bedürfnissen und Vorlieben passen. Wer gerne mit anderen kommuniziert und sich intensiv auf künftige Verhandlungen vorbereiten will, sollte kein E-Training wählen. Und wer grammatikalische Defizite aufarbeiten will, ist mit einem Telefoncoaching womöglich schlecht beraten. Tipps für die eigene Einstufung (Anfänger oder Fortgeschrittener) geben die Sprachinstitute selbst. Viele haben eigene Einstufungstests entwickelt. Diese basieren in der Regel auf dem „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen“, der alle europäischen Sprachtests in sechs Schwierigkeitsstufen einteilt, um die Angebote unterschiedlicher Anbieter vergleichbar zu machen (Webtipp). Zertifikate können, aber müssen kein Hinweis auf die Qualität eines Sprachunterrichts sein. Lernende sind daher gut beraten, die Angebote kritisch zu hinterfragenBei der Suche nach dem passenden Sprachkurs spielen somit viele Faktoren eine Rolle: Neben den Inhalten muss die Methodik zu den eigenen Bedürfnissen und Vorlieben passen. Wer gerne mit anderen kommuniziert und sich intensiv auf künftige Verhandlungen vorbereiten will, sollte kein E-Training wählen. Und wer grammatikalische Defizite aufarbeiten will, ist mit einem Telefoncoaching womöglich schlecht beraten. Tipps für die eigene Einstufung (Anfänger oder Fortgeschrittener) geben die Sprachinstitute selbst. Viele haben eigene Einstufungstests entwickelt. Diese basieren in der Regel auf dem „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen“, der alle europäischen Sprachtests in sechs Schwierigkeitsstufen einteilt, um die Angebote unterschiedlicher Anbieter vergleichbar zu machen (Webtipp). Zertifikate können, aber müssen kein Hinweis auf die Qualität eines Sprachunterrichts sein. Lernende sind daher gut beraten, die Angebote kritisch zu hinterfragen und zu vergleichen.

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Foto von Tim Gouw

Bezogen auf die Methodik steht der Präsenzunterricht auf der Wunschliste der Lernenden immer noch ganz oben, sagt Michaela Schneider, Bildungs-, Projekt- und Qualitätsmanagerin beim Berufsförderungsinstitut Österreich (bfi): „Die Kunden wünschen sich mehrheitlich ein klassisches Seminar.“ Diese Einschätzung kann Alice Fleischer vom WIFI Österreich bestätigen: „Bei uns boomen nach wie vor Präsenzkurse“, so die Produktmanagerin E-Learning-Elemente würden jedoch als Begleitmaterial immer stärker gefragt und genutzt, zum Beispiel um grammatikalische Fragen zu klären oder selbstständig Übungen zu lösen.      

Bei Berlitz spürt man ebenfalls ein wachsendes Kundeninteresse an sogenannten Blended-Learning-Angeboten, die Präsenzunterricht und E-Learning mischen. „Ein Unternehmen schickt Mitarbeiter aus mehreren Abteilungen in ein Training, um in einer klassischen Face-to-Face-Situation am Business-englisch zu arbeiten“, gibt Thomas Kalian, Director Business Development, ein Beispiel. „Anschließend erhält jeder Mitarbeiter ein E-Learning-Programm, das er in seinem Tempo bearbeiten kann, und ein individuelles Telefontraining.“

Dabei sind die Österreicher keine Fremdsprachenmuffel, wie eine Erhebung des Marktforschungsunternehmens Makam Market Research vom November 2011 zeigt. Der repräsentativen Erhebung zufolge sprechen 85 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher mindestens eine Fremdsprache. Jeder Zweite kann sich vorstellen, in Zukunft eine weitere zu lernen. Englisch ist – wenig überraschend – besonders verbreitet. Vier von fünf Österreichern besitzen Englischkenntnisse. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 95 Prozent, bei den über 60-Jährigen hingegen nur 63 Prozent. Beliebt sind auch die romanischen Sprachen: 17 Prozent sprechen Französisch, zwölf Prozent Italienisch und sieben Prozent Spanisch. Immer hin drei Prozent der Österreicher können sich auf Russisch verständigen, andere Sprachkenntnisse haben dagegen eher Seltenheitswert.

Wenn Arbeitnehmer ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern wollen, geht es ihnen meistens um Englisch. „Mehr als 50 Prozent unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchen Englisch-Trainings“, sagt WIFI-Produktmanagerin Alice Fleischer. Doch auch Deutsch als Fremdsprache werde immer wichtiger – eine logische Folge der internationalen Geschäftsbeziehungen hiesiger Unternehmen, die auch Mitarbeiter aus dem Ausland nach Österreich ziehen. Deutschkurse stünden mittlerweile schon an Platz zwei des Sprachenangebots. Eine weitere neue Entwicklung: Auf Platz drei folgt Italienisch. Danach kommt Spanisch, das mittlerweile in den WIFIs stärker gebucht wird als Französisch.

Auch andere Sprachen würden nachgefragt zum Beispiel Russisch, Kroatisch oder Tschechisch. Hier gehe es vor allem um Grundkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen, die der Beziehungspflege dienten. Einen Boom der Ostsprachen sieht die Produktmanagerin nicht. „Englisch ist nach wie vor die Lingua franca in den Konzernen. Auf Englisch wird verhandelt und auf Englisch werden die Geschäfte abgeschlossen.“

Den „Weiterbildungsreport 2012″ finden Abonnenten unter www.personal-manager.at/dossiers

Quelle: personal manager Zeitschrift für Human Resources Ausgabe 6 November / Dezember 2012

Kursbesucher, die ihre Sprachkenntnisse für den Beruf ausbauen möchten, legen großen Wert auf Praxisnähe. „Sie wollen in Verhandlungen, Meetings und bei Präsentationen besser auftreten – und etwas über interkulturelle Besonderheiten erfahren“, sagt Michaela Schneider vom bfi. Aber auch für soziale Situationen jenseits des Verhandlungstisches suchten viele Kunden Unterstützung: „Small Talk wird sehr stark gewünscht und in viele Schulungen mit einbezogen.“

Die Weiterbildungen sollten möglichst konkret auf die jeweilige berufliche Situation eingehen. „Firmeninterne Veranstaltungen sind gefragt“, so Schneider. „Aber auch Einzelcoachings und -trainings, die sich mit den individuellen Fragestellungen eines Kunden beschäftigen.“ Den Wunsch nach Individualität und Praxisnähe spürt auch das WIFI Österreich: „Wir simulieren ganz konkrete Situationen aus dem Berufsalltag und ermutigen die Teilnehmer dann, zu kommunizieren“, beschreibt Alice Fleischer das Vorgehen der Trainer. „Darüber hinaus erweitern wir das Fachvokabular, zum Beispiel in speziellen Kursen für Juristen oder Experten aus dem Finanz- und Rechnungswesen.“

Viele Kursteilnehmer interessierten sich für Sprachzertifikate wie das Cambridge Certificate für Englisch, berichtet Fleischer. Doch nicht immer lässt sich die Qualität eines Sprachzertifikats auf Anhieb erkennen. Die Produktmanagerin nennt erste Anhaltspunkte: „Prüft mich eine andere Person als jene, die mich ausgebildet hat? Wird meine Sprachkompetenz mündlich und schriftlich abgefragt?“ Die Sprachinstitute sollten ihre Beurteilungskriterien transparent darstellen können – also genau beschreiben, was sie wie prüfen. Die Prüfungen selbst sollten einheitlich und vergleichbar sein.

Wenn Manager nicht verhandlungssicher Englisch sprechen und Servicekräfte die ausländischen Kunden missverstehen, bekommen international aufgestellte Unternehmen schnell Probleme. Denn die Sprachkenntnisse der Beschäftigten können sich direkt auf den Geschäftserfolg auswirken. Fehlen sie bei den Mitarbeitern, entstehen schnell Missstimmungen im internationalen Geschäft. In den schlimmsten Fällen gehen Aufträge verloren. Kein Wunder also, dass acht von zehn österreichischen Unternehmen bei der Personalauswahl auf die Fremdsprachenkenntnisse achten, wie eine Gallup-Studie im Auftrag des WIFI Österreich im Jahr 2009 feststellte. Jeder fünfte Arbeitgeber beklagt in der Studie, dass sich mangelnde Sprachkenntnisse negativ auf den Unternehmenserfolg auswirken.

www.europaeischer-referenzrahmen.de