BEST PRACTICE “Continental”: Schichtarbeiter sparen Zeit für Familie, Bildung und Lebensabend

group of people sitting beside rectangular wooden table with laptops
Foto von Christina @ wocintechchat.com

Das neue Regelwerk basiert auf dem Tarifpaket, auf das sich die Arbeitgebern der Sparte Chemie und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) letztes Jahr im Sommer geeinigt hatten. Dieses schreibt einen Demografie-Korridor fest: Dieser erlaubt Beschäftigten, alle Stunden oberhalb einer wöchentlichen Arbeitszeit von  40 Stunden auf einem Zeitkonto gutschreiben zu lassen. Auch der umgekehrte Fall ist möglich: Die Wochenarbeitszeit kann um bis zu 2,5 Stunden reduziert werden. Weiterhin sieht das Tarifpaket vor, das in 2010 eingeführte Konzept des Demografie-Fonds zu verlängern. Bislang zahlten Arbeitgeber pro  Jahr und Tarifbeschäftigten einen Demografie-Betrag von 300 Euro in einen betrieblichen Demografie-Fonds ein. In 2013, 2014 und 2015 sollen es nun 200 Euro pro Jahr und Tarifbeschäftigter sein.  

Die Vereinbarung lässt
verschiedene Modelle der
Entlastung zu.


Dem Vertragsabschluss bei Continental sollen nun Taten folgen. Personalleitung und Betriebsräte sprechen aktuell Beschäftigte an und definieren Maßnahmen. Die Ziele kommentiert
Wolfgang Blossey, Bezirksleiter der IG BCE Hannover, so: “Der Tarifvertrag will die Kollegen in Wechselschicht spürbar entlasten und dafür sorgen, dass sie gesund bleiben. Und er will gleichzeitig für die jüngeren Beschäftigten Freiräume schaffen, damit sie Beruf und Familie besser vereinbaren können”. Bruno Hickert, Betriebsratsvorsitzender im Werk Aachen, freut sich, dass vor allem ältere Kollegen im Vollkonti-Schichtsystem profitieren: “Sie haben jetzt in ihren letzten Arbeitsjahren längere Erholungsphasen und haben dadurch größere Chancen, ihre Rentenzeit gesund anzutreten.”


Die Vereinbarung lässt verschiedene Modelle der Entlastung zu. Demnach könnte zum Beispiel ein 55 Jahre alter Schichtarbeiter zunächst weiterhin fünf Jahre in Vollzeit arbeiten und dabei seine ihm tariflich zustehenden zweieinhalb Wochenstunden “Altersfreizeit” sammeln, statt sie einzulösen. Dann wechselt er fünf Jahre vor seinem Renteneintritt in die Teilzeitarbeitsphase, in der er nur noch vier Tage in der Woche arbeitet. Dabei setzt er weitere zweieinhalb Wochenstunden “Altersfreizeit” ein. Den rechnerischen Rest bis zu einem “normalen” siebeneinhalb-Stunden-Tag trägt der Arbeitgeber durch den Demografiebetrag.

So verdient der Arbeitnehmer nach Rechnung von Continental und Tarifpartner trotz Arbeitszeit-Reduzierung weiter sein volles Entgelt. Mitarbeiter, die nicht auf so viel Altersfreizeit verzichten möchten, sparen lediglich 1,5 Stunden wöchentlich an; in diesen Fällen setzt dann die Vier-Tage-Woche etwas später ein.

 


Fotocredit: Th. Reinhardt / www.pixelio.de

 

Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

Melde dich jetzt zum HRM Newsletter an