Licht und Schatten: Fehlerkultur in Österreichs Unternehmen

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Foto von Austin Distel

Der Spezialist für Markt- und Meinungsforschung befragte im April dieses Jahres 1.578 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Alter von 20 bis 69 Jahren zum Thema Fehlerkultur. Dabei sammelten die Studienautoren einige bedenkliche Aussagen zum Umgang mit Fehlern im Joballtag.


Verleugnen und vertuschen

So haben 36,2 Prozent der Befragten bereits erlebt, dass eine Führungskraft einen selbstverursachten Fehler auf einen Mitarbeiter geschoben hat. 35,6 Prozent wurden mindestens einmal beschuldigt, den Fehler eines anderen begangen zu haben. Ein Viertel hat bereits einmal mitbekommen, dass ein Fehler vertuscht wurde und dies zu großen Schwierigkeiten führte. Jeder Fünfte hat selbst in der Vergangenheit einen Fehler vertuscht.


Was Fehler bewirken

Fehler können sich teilweise sehr negativ auf die Arbeitsorganisation und das Geschäft auswirken. Das zeigt auch die Studie. In den vergangenen zwölf Monaten haben befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach eigenen Aussagen Fehler erlebt, die

           Den Zeitablauf eines Projekts verzögert haben (19 Prozent),

           einen Kunden stark verärgert haben (14  Prozent) und/oder

           den Betriebsablauf störten (12 Prozent). 


Ängste und Sorgen

Gerade bei größeren Fehlern, die echte Auswirkungen auf das Unternehmen haben können, ist die Gefahr des Vertuschens groß. Denn persönliche Fehler lösen Ängste aus. 27,5 Prozent der Studienteilnehmer stimmen der Aussage zu, „Ich habe Angst, einen Fehler vor meinen Kollegen und Vorgesetzten zuzugeben“. Sechs von zehn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Sorge um persönliche Auswirkungen, wenn ihnen ein bedeutsamer Fehler unterläuft. Drei von zehn befürchten, Anerkennung und Respekt der Kollegen und Vorgesetzten zu verlieren. Knapp ein Drittel (27,5 Prozent) hat Angst davor, den Arbeitsplatz zu verlieren.

Rolle der Führungskräfte

Wie wir mit Fehlern umgehen und welche Gefühle sie bei uns auslösen, hängt stark von der Führungskraft ab: 94 Prozent der Befragten sagen, dass den Vorgesetzten im Umgang mit Fehlern eine große Vorbildwirkung zukommt. Interessanterweise werden gerade sie auf diese Rolle jedoch wenig vorbereitet. So bieten nur 14,9 Prozent der Unternehmen Führungskräften Trainings zum Umgang mit Fehlern an. Ihre Mitarbeiter lassen hingegen 18 Prozent der Unternehmen entsprechende Fortbildungen durchlaufen.

Möglicherweise könnten Trainings den Umgang von Führungskräften mit eigenen Fehlern aber deutlich verbessern. Hier gibt es durchaus Bedarf. Denn der Aussage „Bei uns stehen Führungskräfte zu selbst verursachten Fehlern“ stimmten – je nach Firmengröße – nur zwischen 13 und 27 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu. Besonders hoch fiel die Quote in Kleinstbetrieben mit bis zu neun Mitarbeitern aus – besonders niedrig in großen Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern.

Wie der Umgang mit Fehlern idealerweise aussehen sollte, beschreibt die Studie ebenfalls. Die  Kommunikation über Fehler sollte nach Meinung von 97 Prozent möglichst sachlich ablaufen. 92 Prozent sagen außerdem, dass Fehler als Chance für Innovationen gesehen werden soll.


Gutes Gelingen

Trotz aller Kritik äußern sich viele Studienteilnehmer auch sehr positiv über die Fehlerkultur in ihrem Betrieb. Drei Viertel der Befragten sagen, dass der Umgang mit Fehlern in ihren Unternehmen gut gelingt. Zwei Drittel berichten von einer offenen Diskussionskultur. 79 Prozent stimmen der Aussage zu, „Die Mitarbeiter helfen zusammen, um Auswirkungen eines Fehlers gering zu halten“. Interessanterweise ist die Zustimmung zu dieser Aussage aber wiederum in kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern deutlich höher (35 %) als in größeren Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern (25 %). 


Fazit

Einiges läuft schon gut, aber vieles ist noch verbesserungswürdig beim Umgang mit Fehlern in den Unternehmen. Offensichtlich könnten gerade die Führungskräfte großer Firmen in dieser Hinsicht von Entscheidern aus kleinen Betrieben lernen: Zu persönlichen Fehlern stehen und mit den Mitarbeitern nach Lösungen suchen, ist in kleineren Organisationen scheinbar verbreiteter als in großen.

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