Lernen in China: Einer spricht – alle hören zu. Und wer kann dann was?

long table with Eiffel chair inside room
Foto von Pawel Chu

Diese Aspekte prägen das Lernen in China zu weiten Teilen:

– Chinesen fragen allgemein weniger nach.
Daher ist oft nicht sofort ersichtlich, wer in welchen
Sachverhalten und bei welchen Verständnisfragen
Unterstützung braucht.

– In China gibt es zu Beginn einer Berufsschul-Ausbildung
obligatorischen, monatelangen Frontalunterricht

der Lehrer spricht, die Schüler hören zu. Die Aufnahme und
Verarbeitung des Gehörten und Gesehenen ist nicht optimal gewährleistet.

– Bei praktischen Schulungseinheiten sind wenige Schüler im Einsatz
alle anderen schauen zu. Günstiger wäre es, möglichst jeden
Lernenden praktisch einzubinden.

– Aufgrund mangelnder Ressourcen in den Bildungsinstitutionen
sind Chinesen eine kreative Unterrichtsgestaltung weniger gewohnt
.
Sie müssen herangeführt werden, begeistern sich jedoch schnell.

– Zwischen Lehrenden und Lernenden bestehen starke
hierarchische Unterschiede.
Kollegiales, partnerschaftliches Verhalten
zwischen beiden Seiten muss geübt werden.

– Chinesische Schüler lernen bis spätabends. Prüfungen bestimmen ihr Leben.
Bildung eröffnet ihnen gute Zukunftschancen – das muss jüngeren wie älteren
Lernenden nicht vermittelt werden. 

– So wie in China der Lehrer an der Tafel seinen großen Auftritt hat,
so müssen Schüler vor allem auswendig lernen.
Eigenständiges Denken
und Kombinieren von Sachverhalten ist eher unüblich, selbst an höheren
Bildungsanstalten. Kreativität wird außerdem durch einen hohen Leistungsdruck
und starke Prüfungsorientierung blockiert. Weg vom Pauken eines Faktenwissens,
das an Planzahlen orientiert ist – dies muss in China erstmal geübt und begriffen werden.

– Chinesen werden geschult, um in die Fußstapfen
derer zu treten, die vor ihnen gehen
; immer noch. Dass Lernen erst
dann wirklich erfolgreich verläuft, wenn das einzelne Individuum seine Stärken,
Ideale und Schwächen – also seine Ressourcen – auszulotet und einzusetzen
weiß, ist im Reich der Mitte eine politisch heiß gegessene Wahrheit. Auch
in diesem Punkt wird das deutsche Bildungssystem am einzelnen Chinesen
auf psychologische Vorbehalte stoßen. Es ist Sache des betrieblichen Alltags,
diesen Kurs durch learning by doing ohne große Propaganda zu ändern.

 

 

Fotocredit: Dieter Schütz / www.pixelio.de 

 

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