Ein Drittel der angehenden Management-Elite verlässt Österreich nach Studium

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Foto von Christin Hume

„Unternehmen müssen High Potentials frühzeitig im Studium ansprechen und überzeugen, wenn sie sie als Mitarbeiter gewinnen wollen“, rät Bernhard Vierhaus. „Dabei sind Karriereportale und die Karrierewebsite des Unternehmens natürliche wichtige Anlaufstellen, aber den Ausschlag gibt für High Potentials meist der persönliche Kontakt.“ Dabei spielen das private Netzwerk, Dozenten an der Hochschule und das Kennenlernen der Arbeitgeber über Praktika und auf Informationsveranstaltungen eine wichtigere Rolle für High Potentials als für ihre Kommilitonen, um mehr über Arbeitgeber zu erfahren.

Dass High Potentials bei der Arbeitgeberwahl zum Teil andere Unternehmen berücksichtigen als ihre Kommilitonen, zeigt sich nicht nur an der Consulting-Branche, weiß Bernhard Vierhaus, Österreich-Experte bei trendence: „In vielen Branchen stechen einzelne Arbeitgeber hervor, die für High Potentials besonders attraktiv sind, zum Beispiel General Electric, IBM, Mondelez oder Atomic. Gleichzeitig gibt es Unternehmen, die für Wirtschaftswissenschaftler attraktive Arbeitgeber sind, aber die High Potentials aus dem Fachbereich nicht im gleichen Maße überzeugen können, wie die Raiffeisen Zentralbank oder Hofer.“ Die Raiffeisen Zentralbank und Hofer landen im Ranking der beliebtesten Arbeitgeber der Wirtschaftswissenschaftler in den Top 10, bei den High Potentials des Fachbereichs aber nur in den Top 30.

Der beliebteste Arbeitgeber der High Potentials ist Red Bull, gefolgt von der Boston Consulting Group, Google, BMW und Apple. Während Red Bull, Google, BMW und Apple auch für den durchschnittlichen Wirtschaftsabsolventen als Arbeitgeber interessant sind, zieht eine Branche überdurchschnittlich viele High Potentials an: Wirtschaftsberatungen und -prüfungen. Das zeigt sich auch im Ranking der beliebtesten Arbeitgeber der High Potentials: Neben BCG auf Rang 2 finden sich mit McKinsey auf Rang 8, PwC auf Rang 13 und KPMG auf Rang 15 insgesamt vier Vertreter der Branche in den Top 15.

High Potentials haben ihren künftigen Arbeitgebern viel zu bieten: Sie bringen nicht nur Praxis- und Auslandserfahrung mit, sondern sie sind auch mobil, haben Unternehmergeist, arbeiten strategisch und sind besonders leistungsstark. Sie sind bereit, 46,2 Stunden pro Woche zu arbeiten, 3,1 Stunden mehr als der durchschnittliche Wirtschaftsstudierende. Doch das hat seinen Preis: Die High Potentials verlangen mit 39.900 Euro brutto 15 Prozent mehr Jahresgehalt als ihre Kommilitonen. An erster Stelle auf der Wunschliste an ihren Traumarbeitgeber steht allerdings nicht das hohe Gehalt, sondern gute Karriereperspektiven, attraktive Aufgaben und Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung.

High Potentials sind knapp auf dem Arbeitsmarkt. Sie gehen nach dem Studium nicht nur doppelt so häufig ins Ausland wie ihre Kommilitonen, sie wollen sich auch häufiger mit einem eigenen Unternehmen selbstständig machen. Zudem hat mehr als die Hälfte der High Potentials bereits vor Abschluss des Studiums einen unterschriebenen Arbeitsvertrag in der Tasche. Aktuell ist nur noch ein Viertel der abschlussnahen High Potentials für Arbeitgeber in Österreich verfügbar. Großunternehmen haben bessere Chancen, High Potentials zu rekrutieren, denn zwei Drittel dieser Potenzialträger möchten lieber in Konzernen arbeiten, nur ein Drittel in kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Insgesamt kommen acht der 30 Wunscharbeitgeber der High Potentials aus Österreich: Red Bull auf Rang 1, das Außenministerium auf Rang 7, die Erste Bank auf Rang 11, voestalpine auf Rang 12, die ÖBB auf Rang 15, Atomic und die OMV auf Rang 20 sowie die Raiffeisen Zentralbank auf Rang 28.

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