Big Data hält Einzug ins Talent Management

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Foto von Sergey Zolkin

Kritik

Kritiker mahnen, dass die angebotenen Lösungen zwar leistungsstark sein können, doch Personalentscheider verlagerten ihre Verantwortung auf die Technik. Sie haben oft keinerlei Hintergrundwissen über Technik, sowie über in diese eingearbeitete Kriterien und Schwächen. Zudem würden Menschen durch die Tools in besonderer Weise verdinglicht; was einem weniger humanen Umgang mit Beschäftigten und Bewerbern Vorschub leiste. In Summe müssen Personaler, die mit Big Data arbeiten, zwingend zu Professionals werden, um arbeitsrechtlich unbedenklich und auf Augenhöhe mit Anbietern und Personal sowie Bewerbern zu kommunizieren. 

Semantische Auswertung von Karriereinfos

Das Online-Business-Netzwerk LinkedIn ist neben Xing eine weltweit anerkannte Plattform, auf der sich Berufstätige – vor allem Manager, Projektleiter, Wissenschaftler und High Potentials – vorstellen und austauschen. Die sich dadurch laufend generierenden Daten gewähren – wenn aggregiert – einen Einblick in ökonomische Märkte. Um diese sichtbar zu machen, betreibt LinkedIn das Projekt „The Economic Graph“. Sein Anspruch: Digital globale Wirtschaft abbilden, um Talente mit Möglichkeiten in höchst möglichem Maß zu matchen“. Dazu analysieren speziell aufgesetzte Algorithmen Tausende von Karrierwegen rund um den Erdball und rechnen erkannte Muster hoch: Wer hat bislang mit welchen Talenten und Qualifikationen welche Wege beschritten und inwiefern lassen sich mögliche Karrierewege damit voraussagen? LinkedIn will mit dieser Big Data-Methode jedem Erwerbstätigen künftig konkrete Vorschläge für seine Karriere unterbreiten. Aktuell verbreitet die Plattform aufbauend auf seinen Analysen Talent- und Skill-Listen, die zeigen, mit welchen Stärken Bewerber aktuell besonders toppen können.

Weniger komplex und global ist das Projekt von TalentBin aufgesetzt, der Start-up wurde von Monster.com gekauft. Es fokussiert auf Talente in der IT-Szene. Dazu durchforsten die Algorithmen Fachforen und Communities nach Beiträgen und Infos von IT-Experten. Das Material wird zu individuellen Talentprofilen zusammengesetzt, um attraktive potentielle Kandidaten zu scouten.

Mit einem ähnlichen Ansatz arbeitet die Plattform knack.it, sie greift aber deutlich mehr ins Privatleben von Menschen ein. Die Knack-Algorithmen analysieren das Gaming-Verhalten von eingeloggten Usern. Der Gedanke dahinter:  Hunderttausende Menschen spielen Online-Games, die Art und Weise wie sie spielen, verrät viel über ihr Denken, ihre Reaktionsschnelligkeit, ihr Regelverhalten und vieles mehr. Recruiter und Talent Manager können eine so genannte Business-App kaufen, mit der sie attraktive Personen identifizieren. Firmen wie IBM, AXA oder Zeiss gehören zu den Knack-Kunden.

Stimm- und Sprachbiometrie

Im Jahr 2015 erregte ein Start-up-Unternehmen das besondere Interesse der Tages- und Fachpresse. Das Team von Psyware besteht aus Linguisten, Psychologen und IT-Experten. Diese haben eine Software entwickelt, die aufgenommene Interviews analysiert; und zwar unter anderem nach Sprachstilen, Wortverwendungen und Stimmlagen. Alle Informationen werden in Beziehung gesetzt und es entstehen so Persönlichkeitsprofile der analysierten Personen. Ein Personaldienstleistungskonzern war von den Ergebnissen der Anwendung derart begeistert, dass er diese bei der Personalauswahl intensiv einsetzte und sich Personalkosten im Recruitingbereich sparte.


Die klassische Personalbeschaffung ist aufwendig. Und Aufwendiges unterliegt in der kurzlebigen digitalen Welt einem Rechtfertigungsbedarf. Vor allem dann, wenn nicht einmal klar zu messende und zu managende Fakten vorgelegt werden können. Die von Kennzahlen getriebene Businesswelt fordert harte Fakten. Unter dieser Maßgabe sind Software-Anbieter, Unternehmer sowie Human Resource-Controller auf die Idee gekommen, Daten von Bewerbern und Beschäftigten mit Algorithmen auszuwerten, um validere Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Besonders interessant ist das im Personalmanagement immer dort, wo Leistung und Begabung zur Debatte stehen. Inzwischen hat sich eine eigene Wissenschaft und Anbieterschaft zu diesem Thema begründet, die ausgefeilte Tools anbieten. Wir stellen einige der inzwischen populärsten Methoden mit Fokus auf Talentbeurteilung vor.

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