Klartext mit Kreuz und Managementfibel – Pater Prof. Dr. Rupert Lay im Porträt

man drinking on yellow cup while reading book
Foto von Chris Benson

Für Rupert Lay ist es nicht entscheidend, dass ihm Menschen folgen. Entscheidend für ihn ist, dass Menschen begreifen, dass sie eine Einheit von Rationalität, Emotionalität und Sozialität leben müssen. Wer das versteht, erlangt Lay zufolge eine Weisheit, die davor schützt, nicht besessen, sondern frei zu werden „für das Geschenk des Lebens“. Der Weg dahin ist hart und lang, und er verlangt nach Gesprächen, Übung und Selbststeuerung. Doch er den Worten des Paters zufolge dorthin, wo persönliches Glück sowie Wohlsein eins sind und zum Glück für andere wird.

Dieser Brückenschlag zwischen „ich“ und „du“ ist für Lay zentral: „Handle so, dass du das personale (emotionale, sittliche, soziale, musische, religiöse) Leben in dir und anderen eher mehrst und entfaltest, denn minderst und verkürzt.“ Schon dieses Zitat aus Lays Buch „Ethik für Manager“ zeigt, dass es sich beim Pater um keinen gewöhnlichen Unternehmensberater, Philosophen, Psychotherapeuten, Theologen und Autor handelt.

Der 1929 geborene Lay tritt schon früh – nämlich 1952 – in den Jesuitenorden ein, studiert Philosophie, Theologie, theoretische Physik und Psychologie sowie Betriebswirtschaftslehre und veröffentlicht 1959 sein erstes Buch mit dem Titel: „Unsere Welt“. Mittlerweile sind über 40 Werke erschienen, mit teils überragendem Erfolg, die ihm persönlich aber auch erhebliche Probleme mit seinem Orden und der Kirche beschert haben. Der deutschen Öffentlichkeit bekannt wurde Lay in erster Linie aufgrund seiner Kritik an der Katholischen Kirche. Seine Argumente orientierte er teilweise an der Philosophie Friedrich Nietzsches, der der Kirche bloßen Machterhalt und Unmenschlichkeit vorgeworfen hatte. Lay betont, sich seiner Kirche verbunden zu fühlen, doch er kritisiert, dass die Sorge um ihren Erhalt eine Eigendynamik angenommen habe.

1996 wird er dann emeritiert. Doch er bleibt dem Management treu. Für die Verdienste um ethisches Management und Unternehmensethik sowie für sein Lebenswerk erhält er 2004 den Fairness-Ehrenpreis der Fairness-Stiftung, deren Ehrenvorsitzender er seitdem ist.

„Eine Führungskraft ist ein
reiner Systemagent voller Zwänge.

Die von ihm bis heute geleiteten Dialektik-Seminare wollen die soziale Performance von Führungskräften in Wirtschaft und Politik in den Bereichen Kommunikationsfähigkeit und Konfliktfähigkeit verbessern. Lay geht dabei zur Sache: Die kommunikative Performance wird in praktischen Übungen mit Videounterstützung getestet. Die Konfliktfähigkeit wird durch Spiegelungen dokumentiert. Die Veranstaltungen sollen den Teilnehmern helfen, ihre eigene soziale Orientierung festzustellen und gegebenenfalls zu korrigieren. Dieses ist, so Lay,  Voraussetzung zur Verbesserung der sozialen Performance. Faire Dialektik ist für Lay der Schlüssel zur erfolgreichen Führung, sie ist die Kunst, Menschen zu überzeugen.

Die Seminare sind wegen ihrer extremen Herausforderung für die Führungskräfte gleichermaßen geschätzt wie auch gefürchtet, das zeigen Zitate von Teilnehmern. Rupert Lay sei nicht zimperlich, nicht betulich, ja sogar liebevoll grob, was ihn wohltuend von anderen Coaches christlicher Prägung unterscheide. In einem Interview mit der Management School St. Gallen sagte er 2012: „Nicht wenige Manager sind arme, kleine Würstchen und es gibt nichts Lächerlicheres als arme, kleine Würstchen im Zustand der Dauererektion. Aber deshalb verachte ich sie nicht. Es ist eher ein Bedauern, das Menschen gilt, die vieles besitzen, aber sich selbst verloren haben.”

Der deutsche Philosoph Norbert Copray beschreibt Rupert Lay in seiner Biografie als einen christlichen Sokrates, weil dieser Aspekte der sokratischen Haltung und Dialogweise in einem tiefen, persönlichen Glauben an den von Jesus verkündeten Gott begründet.

Die Podiumsdiskussion auf der Zukunft Personal über Unternehmenswerte zielt auf einen sensiblen Punkt in Unternehmen. Im zitierten Interview sagte Lay weiterhin: “Eine Führungskraft ist ein reiner Systemagent voller Zwänge. Eine Führungspersönlichkeit jedoch ist innerlich frei. Ich kenne manche, die sich zu Führungspersönlichkeiten entwickelten, dann aber von Verwaltungsräten entlassen wurden, weil sie nicht zu Systemagenten taugten.” Damit bessere Führung nicht zum Jobverlust führt, Mitarbeiter und Unternehmen endlich profitieren können, braucht es einen Wertewandel. Das wird diskutiert.

Zur Einstimmung: Rupert Lay in einem einstündigen Video:
http://www.youtube.com/watch?v=dlL_69Qj8mI

 

Veranstaltungstipp 

Keynote-Vortrag von Pater Prof. Dr. Rupert Lay
Werte im Wandel – kein Wandel ohne Werte!?
Personaler in der Verantwortung für die Kultur im Unternehmen

Messe Zukunft Personal
Mittwoch, 18. September 2013, 12.00 – 12.45 Uhr
moderiert von Thomas Lorenz, Vorstand der A-M-T AG
Praxisforum 5, Halle 2.2, koelnmesse,
Weitere Informationen: www.zukunft-personal.de

Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

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