Ideen-Scout: Februar 2014

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man and women gathered around a table
Foto von You X Ventures

Aus der Februar/März Ausgabe „Raus aus der Routine“ haben wir uns zwei Artikel rausgepickt, die eindrucksvoll beweisen, dass man nicht mit dem Strom schwimmen muss, um ans Ziel zu kommen:

Freie Gehaltswahl. Jungunternehmer Julian Vester zeigt, wie‘ s geht.

Der Artikel „Auf Kuschelkurs mit dem Wunschgehalt“ von Felix Brumm, beschreibt das ungewöhnliche Geschäftsmodell der Social Media Agentur Elbdudler in Hamburg: Keine festen Urlaubstage, die Arbeitszeiten sind frei wählbar und Hierarchien sind nahezu nicht vorhanden. Julian Vester, 30 Jahre alt, Geschäftsführer von Elbdudler, legt viel Wert auf die Selbstbestimmung seiner Mitarbeiter. Niemand soll bevormundet werden. Jetzt geht er einen Schritt weiter und führt das Wunschgehalt ein. Verrückter oder Visionär?

Millionways: Die Talentbewegung 

Vor zwei Jahren gründete Martin Cordsmeier die millionways Stiftung. Diese soll Menschen dabei unterstützen ihre Talente und Potenziale zu fördern, um daraus die Grundlage für neue Projekte und Unternehmen zu schaffen. „Talent“ ist bei millionways nicht streng definiert, sondern bezieht sich vielmehr auf die Individualität einer Person. Das heißt, viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn das Potenzial eines Menschen erfasst wird: Empathie, Kommunikationsstärke oder Disziplin können als Talente erkannt werden, ohne dass eine konkrete Begabung vorhanden sein muss. Wie das Konzept von millionways genau aussieht, erklärt Christiane Langrock- Kögel in ihrem Artikel „ Wie es euch gefällt“. 

Freie Gehaltswahl. Jungunternehmer Julian Vester zeigt, wie‘ s geht.


Time to cuddle – Kuschelnd zum Erfolg

Eine ehemalige Kirche in Hamburg Eimsbüttel. Das ist der Arbeitsort von 35 „Elbdudlern“ –  so nennen sich die Mitarbeiter der Social Media Agentur Elbdudler. Viele Pflanzen, große Holztische, Sofas und ein angenehmes Licht, das durch die großen Kirchenfenster scheint. Der Raum erweckt den Eindruck eines riesigen Wohnzimmers, indem eher zufällig ein paar Arbeitsplätze intergiert worden sind. Julian Vester, den Gründer von Elbdudler, so Brumm, „umgibt die Aura eines Predigers: innere Ruhe, fester Blick, entschlossene Worte.“

 

Das Unternehmen beschreibt sich auf der Homepage selbst als „familiärste Agentur Deutschlands“. Für Julian Vester sind Angestellte mehr als nur ausführende Arbeitskräfte. In einem Interview mit der t3n, einem Magazin für digitales Business, sagte er letztes Jahr, dass jeder Mensch gerne arbeitet, wenn man dazu bereit ist, ihm genügend Freiräume dafür zu bieten – und er ist dazu bereit. Seine Teams entscheiden nahezu alles selbst: Wie viele Urlaubstage sie brauchen, wann sie anwesend sind, ihre Arbeitszeiten und stellen eigenverantwortlich zusätzliches Personal ein, wenn dies vom Team benötigt wird. Ihm ist es wichtig, dass jeder seiner Mitarbeiter Entscheidungen trifft und er sie nicht ständig von oben gängeln oder befehligen muss. Im Gespräch mit t3n kritisiert er die gängigen Teambildungsmaßnahmen, die das Vertrauen zwischen den Mitarbeitern stärken sollen: „Wo man solche Maßnahmen braucht, ist es doch schon zu spät.“ Es gibt nur eine feste Regel bei den Elbdudlern, um den „familiären“ Zusammenhalt zu stärken: Jeder Kollege wird bei Arbeitsbeginn und Arbeitsende in den Arm genommen. Davon abgesehen ist für Vester die richtige Unternehmenskultur in Kombination mit einer offenen Gesprächspolitik die sinnvollste Vertrauensmaßnahme, die es gibt. Nicht gemeinsames Klettern fördere hierbei den Zusammenhalt, sondern gemeinsames Arbeiten. Obwohl er selbst noch nie fest angestellt war und keinen Uni-Abschluss vorzuweisen hat, weiß er doch sehr genau, wie gute Führung aussehen sollte, um erfolgreich zu sein und gleichzeitig seinen Mitarbeitern einen guten und angenehmen Arbeitsplatz bieten zu können. Transparenz, ist laut Vester, die wichtigste Komponente seines Geschäftserfolges. Jeder Mitarbeiter  hat Einsicht in den Geldfluss des Unternehmens. In Brumms Artikel sagt Vester, „dass die Mitarbeiter ein Bewusstsein, ein Gefühl für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge“ entwickeln, wenn sie sich damit beschäftigen, welches Gehalt für jeden angemessen ist. Damit bleibt das Wunschgehalt nicht eine utopische Forderung, sondern wird zu einer bewussten Entscheidung, im Sinne des Unternehmens. Inspiration für die Umsetzung seines Planes holte sich Julian Vester von der Managementberatung Vollmer & Scheffczyk, die das Konzept des Wunschgehaltes bereits im Jahre 2010 bei sich eingeführt hatte.

Millionways: Die Talentbewegung


Von der Idee zur Umsetzung

Martin Cordsmeier hatte millionways nie geplant, es ist einfach entstanden – aus einer Idee heraus. Nach seinem Abitur suchte er zusammen mit seiner Mitbewohnerin eine Möglichkeit Geld zu verdienen, ohne in die Arbeitstretmühle zu geraten. Also nahmen sie Aufträge von Druckereien an und bastelten in Heimarbeit Präsentationsmappen. Bald wurden die Aufträge größer und er war gezwungen Mitarbeiter einzustellen. Das war der erste Schritt in Richtung millionways. Er lernte unterschiedliche Menschen kennen, die nun alle per Handarbeit Mappen zusammenfalteten. Menschen, in denen ungenutzte Talente und Potenziale schlummerten. Martin Cordsmeier begann daraufhin mit allen Gesellschaftsschichten zu sprechen – vom Obdachlosen bis Milliardär. Dabei machte er eine wichtige Entdeckung: Hinter jeder Berufsbezeichnung und jeder gesellschaftlichen Sparte steht letztendlich ein Mensch, der auch als solcher erkannt werden möchte – mit all seinen Fähigkeiten. Cordsmeier wollte raus aus einem System, das sich seiner Meinung nach, nicht an den Menschen orientierte. Weg „vom rein rationalen Denken, von der Maxime der Wirtschaftlichkeit“.

Die Struktur von millionways

Im Jahr 2012 gründete Martin Cordsmeier die millonways Stiftung und die millionways AG. Die Organisation bezeichnet sich selbst als „Helping Profit Organization“. Im Gegensatz zu einer „Non Profit Organization“, die vom Kapital anderer abhängig ist, kann millonways selbst Kapital erwirtschaften. Millionways unterliegt damit folgender Struktur:

Millonways Stiftung:

Das Ziel von millionways ist es, die Gesellschaft wieder menschlicher zu gestalten. Die Stiftung dient als Schutz dieser Idee und den dazu gehörenden Werten.

Millonways AG:

Diese AG gründet Unter-Unternehmen, die Menschen dabei unterstützen sollen, ihren Weg zu finden. Dazu gehören die:

1. Talentvermittlung: Menschen können sich anhand ihrer Talente einen Job suchen lassen, der zu ihnen passt.

2.   Coaching: Menschen, die sich ihrer Talente nicht sicher sind, können in den Coaching-Gesprächen mehr über ihre Fähigkeiten erfahren.

3.   Events: Massendiskussionen oder Konzerte, die die Idee von millionways verbreiten.

 

Die millonways AG kann Fördergelder verteilen und Unternehmensideen verwirklichen. Möchte jemand ein Unternehmen gründen, erfährt er zusätzlich zur finanziellen Unterstützung, auch eine Förderung im Bereich  des  Marketings oder dem Angebot an Dienstleistungen. Ist das Unternehmen erfolgreich, fließt 30 % vom Gewinn zurück in die Stiftung, die damit wieder neue Projekte unterstützen kann. Scheitert das Unternehmen gibt es keine Schulden für den Unternehmer.

Jeder kann sich auf der Homepage von millionways anmelden. Dafür gibt man in einem Kontaktformular seinen Namen, Telefonnummer und die E-Mail- Adresse ein und schreibt einige relevante Sätze zu sich selbst. Innerhalb einer Woche kommt es zu einem Telefon-Interview, bei dem über die Wünsche und Ziele, sowie über die Talente der jeweiligen Person gesprochen wird. Auf Wunsch werden diese Daten in die Talentdatenbank eingetragen. Sobald sich jemand findet, der zu dieser Person und seinen Vorstellungen passt wird ein Kontakt hergestellt.


Menschen bei millionways

Neben Martin Cordsmeier ist Kader Kesek im Vorstand der millionways Stiftung, ein 45 jähriger Regisseur und Musikproduzent aus Frankfurt. Er ist, laut Langrock-Kögel an Cordsmeier „… Idee hängengeblieben…“. Er ist einer von vielen, die Cordsmeier überzeigen konnte. Denn auch der Stiftungsbeirat kann sich sehen lassen: Zum einen ist da Frank Otto, Medienunternehmer aus Hamburg – einer der ersten Investoren von millionways und jetzt Vorsitzender des Aufsichtsrates. Gerald Hüther, Neurobiologe, engagiert sich insbesondere für Stiftungen, die ein Netzwerk bieten, um unterschiedliche Fähigkeiten und Kenntnisse zusammenzuführen. Thomas Sattelberger, ehemaliger Personalvorstand der deutschen Telekom und Margret Rasfeld, Schulleiterin und Bildunginnovatorin, sowie Markus Thiel, Psychologe und Autor stehen der Stiftung mit ihrem Kompetenzen zur Seite. 

Grundlage der Besprechung: enorm. Wirtschaft für den Menschen 
Titel: “Wie es euch gefällt”
Text: Christiane Langrock-Kögel
Ausgabe: Nr. 1 (Februar/ März) 2014


Gelesen und verlinkt…

Martin Cordsmeier spricht über millionways und die Ziele der Stiftung.

Der Weg zum Wunschgehalt

Schritt 1: Frage nach dem Wunschgehalt!

Im letzten Jahr erstellte Vester ein Online-Dokument, indem folgendes angegeben werden musste:

1. Name
2. Ist-Gehalt
3. Wunschgehalt

Dazu stellte er vier Fragen, die seine Mitarbeiter berücksichtigen sollten:

1.    Was brauche ich?
2.    Was verdiene ich auf dem freien Markt?
3.    Was verdienen meine Kollegen?
4.    Was kann sich das Unternehmen leisten?

Ergebnis: 

Die Hälfte der Mitarbeiter hatte ihr Gehalt erhöht, die andere Hälfte verblieb nahezu konstant beim alten Gehalt.

Die Personalkosten würden sich für das Unternehmen um 10 % erhöhen.


Schritt 2: Vester diskutierte mit seinen Mitarbeitern, wie ihre Forderungen erzielt werden könnten.

Dabei stellten sich folgende Fragen.

1.    Wie viel Gewinn braucht die Firma?
2.    Wie wichtig sind Rücklagen?
3.    Was passiert, wenn die Firma den Gürtel mal enger schnallen muss? 

Ergebnis: 

Die Mitarbeiter kamen zu der Schlussfolgerung, dass Arbeitsabläufe optimiert werden müssen und eine Umsatzsteigerung von Nöten ist, um die gewünschten Gehälter zu finanzieren.


Fazit

Für Julian Vester war das Projekt „Wunschgehalt“ ein voller Erfolg. Die Mitarbeiter fühlen sich verantwortlich für das Unternehmen, da sie nun selbst darüber nachdenken, wie viel es erwirtschaften muss, um ihre Gehaltsvorstellungen erfüllen zu können. Mit ihnen steht oder fällt das Unternehmen und die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen.

 

 

Grundlage der Besprechung: enorm. Wirtschaft für den Menschen 
Titel: Auf Kuschelkurs zum Wunschgehalt
Text: Felix Brumm
Ausgabe: Nr. 1 (Februar/ März) 2014

Weitere Quellen:
Startup-Gründer im Interview: Bei Julian Vester entscheiden die Mitarbeiter über Urlaub und Gehalt

Gelesen und verlinkt…

Benno Löffler, der Geschäftsführer von Vollmer & Scheffczyk, einer Managementberatung, erklärt im Interview seine Unternehmensphilosophie: “Mein Gehalt bestimme ich selbst!”

Geschäftsführer von  Vollmer & Scheffczyk, Lars Vollmer, erklärt das Konzept des Wunschgehaltes „Gehalt nach eigenem Gusto“.

Blog der Social Media Agentur Elbdudler:
Thema: Endlich Wochenende. Wer spät kommt, kann auch früher gehen.

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