sittin people beside table inside room
Foto von Annie Spratt

Burnout ist chic. Die Ausgebranntsein-Welle hat etwas an die Oberfläche gespült, das seit einigen Jahrzehnten vom Meeresgrund nach oben treibt: Führungskräfte werden dazu verpflichtet, psychologisch und ganzheitlich zu führen. Sie erhalten den Status von Eltern und die Macht von Psychologen und Psychotherapeuten. Der pädagogische- Aspekt zielt auf erzieherische Pflichten; der psychologische Aspekt auf eine Fürsorgepflicht, die Innerseelisches, Persönlichkeitsbildung und die gesamte Lebensführung der Gesamtpersönlichkeit umgreift. Zwei Beispiele:

 „Seit einigen Monaten läuft Mitarbeiterin X mit einem mürrischen Gesicht herum. Bereits zwei Mal habe ich sie gefragt, ob sie mit irgendetwas unzufrieden sei, ob ich oder ein anderer sie verletzt hätte und was ich tun könne, um ihr wieder mehr Freude an der Arbeit zu ermöglichen. Beide Male: keine Antwort. Nur ein mucksches Gesicht und Schweigen. – Ja, was soll ich denn noch machen?“

Für Mitarbeitende ist es zur Selbstverständlichkeit geworden,
Führende (bzw. das Unternehmen) für das eigene
Wohlbefinden und die berühmte Work-Life-Balance einzuspannen.“

„Als es um die Frage nach Schulungen ging, wollte ein Mitarbeiter unbedingt einen Handauflege- Kurs buchen. Begründung: Freunde von ihm hätten den Kurs empfohlen, weil das Handauflegen beruhigende und heilende Wirkung entfalte und somit eine effektive Vorbeugung für Burnout sei. Ich fragte, inwiefern er sich als Burnout-gefährdet einstufe und was wir in der Arbeitsorganisation ändern könnten, um ihn zu entlasten. – Du meine Güte! Da hatte ich etwas gesagt! Ich musste mir dann anhören, meiner Fürsorgepflicht nicht nachzukommen, ihn auszubeuten, mich nicht für sein Wohlbefinden zu interessieren, obwohl er doch besser arbeite, wenn es ihm gut gehe und so weiter. – Sagen Sie, was ist eigentlich „ausbeuterisch“ daran, gemeinsam zu prüfen, ob man Prozesse etc. am Arbeitsplatz so ändern kann, dass ein Mitarbeiter weniger Druck verspürt?“

Erfundene Situationen? Mitnichten! In meinen über 20 Jahren Beratungspraxis versammeln sich weit dramatischere Fälle. Die beiden Exempel zeigen mehrerlei.

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