Mutterschaft und Karriere sind in Deutschland noch nicht selbstverständlich, wie die Karrierestudie zeigt: Bei 73 Prozent der Mütter wurden anstehende Karriereschritte während der Schwangerschaft auf Eis gelegt oder gestrichen. Anstehende Gehaltserhöhungen wurden bei 48 Prozent der Befragten während der Schwangerschaft nicht realisiert oder nur in verminderter Höhe umgesetzt. Knapp ein Drittel der Mütter erklärte, die Einstellung ihrer Vorgesetzten gegenüber schwangeren Mitarbeiterinnen sei negativ.

person using MacBook Pro
Foto von Glenn Carstens-Peters

Ihre aktuelle Situation beschreiben viele berufstätige Mütter mit Aussagen wie „Fehlendes Zutrauen der Vorgesetzten in die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft von Müttern“ oder „Kinder als großes Karrierehindernis“. Dabei sind berufstätige Mütter beruflich ambitioniert und leistungsbereit. Für 42 Prozent der befragten Mütter sind Familie und Beruf gleich wichtig. Die Frauen nehmen jedoch häufig wahr, dass ihre berufsrelevanten Kompetenzen durch Pauschal- oder Vorurteile untergraben werden. Neben einem Bewusstseinswandel und organisatorischen Verbesserungen wünschen sich 82 Prozent noch mehr qualifizierte Teilzeittätigkeiten. Das bedeutet auch das Arbeiten nach Zielvereinbarungen und nicht nach Anwesenheit, so dass Karriere in Teilzeit machbar wird.

Der Wunsch, weiterhin attraktive Aufgaben zu erhalten und die Angst vor möglichen Karrierenachteilen oder vor einem Arbeitsplatzverlust verkürzen die Dauer der von den Müttern genommenen Auszeit. Ein Drittel der Mütter pausiert nur bis zu sechs Monaten, die Hälfte zwischen 7 und 24 Monaten. Nach Mutterschutz und Elternzeit ist die Mehrheit der Befragten (68 Prozent) zu ihrem alten Unternehmen zurückgekehrt. 26 Prozent haben ihre alte Position nicht wieder übernehmen können.

Durch den demografischen Wandelzeichne sich schon heute der ursprünglich für das Jahr 2020 prognostizierte Akademikermangel ab, sagt Ziegler. Aus diesem Grund gewinne das Thema Karriereperspektiven berufstätiger Mütter für Unternehmen in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Sie seien immer mehr darauf angewiesen, einen höheren Frauenanteil in Führungs- und Kontrollorganen anzustreben. „Um einen höheren Frauenanteil zu erhalten, müssen sich die Unternehmen verstärkt mit der Karriereentwicklung von berufstätigen Müttern auseinandersetzen. Es sollte nicht weiter die Frage ‚Karriere oder Kinder?’, sondern die Aussage ‚Karriere und Kinder!’ im Vordergrund der Planung stehen“, ergänzt Graml.

Die wichtigsten Ergebnisse der 1. Frankfurter Karrierestudie „Karriereperspektiven berufstätiger Mütter“werden im April 2011 in der Zeitschrift „GiP – Gleichstellung in der Praxis“, Ausgabe 2/2011 veröffentlicht. Die vollständigen Untersuchungsergebnisse erscheinen unter dem Titel „Frankfurter Karrierestudie“ im Juli 2011 im Shaker Verlag.


Quelle: Sarah Blaß (Fachhochschule Frankfurt am Main)

Meldung vom 9.5.2011, Online-Redaktion Verlag Dashöfer, Quelle: Gleichstellung online