SERIE | PAUL WATZLAWICK LESEN: “Sich selbst erfüllende Prophezeiungen” (7)

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Foto von Crew

Das Spannende an der Thematik ist, dass bestimmte Kriterien für die selbsterfüllenden Prophezeiungen erfüllt sein müssen. Dazu gehört, dass die Voraussage erstens sehr ernst genommen wird. Die Dinge werden genauso laufen, wie es von einem selbst oder von anderen vorausgesagt wird, und nicht anders. Zweitens: Diese Erwartung ist nicht nur eine bloße Erwartung; sie ist eine Tatsache, zu der man sofort Maßnahmen ergreifen muss. Nur so lässt sich diese selbst ernannte Wirklichkeit noch verändern oder abwenden. Zudem ist eine Annahme umso überzeugender, je mehr Menschen diese teilen.

Was bedeutet das für unsere Berufsalltag, wo kommen solche wirklichkeitsbeeinflussenden Situationen vor? Sie werden staunen wie vielfältig die Möglichkeiten der selbsterfüllenden Prophezeiung sind. Denken Sie z.B. an eine Bewerbung: Sie haben eine ordentliche Bewerbung vor sich liegen, mit einem lückenlosen Lebenslauf, die Zeugnisse sind gut und das Bild des Bewerbers sagt Ihnen auch zu. Sie möchten den Bewerber/die Bewerberin gerne kennenlernen und es folgt ein Vorstellungsgespräch. Beim Eintreffen des Bewerbers/der Bewerberin sind sie positiv gestimmt, weil sie eine positive Erwartung haben. Sie werden durch Ihr Handeln ein positives Klima erzeugen, indem Sie dem Bewerber/der Bewerberin genau zuhören, aufmerksam sind, mehr Interesse zeigen und mehr Informationen geben. Weiterhin wird sich durch Ihr eigenes Verhalten auch eine positive Feedbackschleife entwickeln und das Gespräch wird mit einem positiven Gefühl beendet.

Stellen Sie sich im Gegenzug dazu eine Bewerbung vor, in der objektiv zwar alles passt, sie sich aber subjektiv aufgrund einer Kleinigkeit irgendwie gestört fühlen. Sie teilen den anderen Gesprächspartnern Ihre Befürchtungen vorher mit und niemand geht mit einem neutralen Gefühl in das Gespräch. Was denken Sie was passiert?


Richtig –  sie sind viel kritischer, geben dem Bewerber/der Bewerberin nicht die volle Aufmerksamkeit, die Sie anderen zugestanden haben; Sie zeigen mehr Interesse und geben mehr Informationen, etc… Das Ergebnis: Es entsteht ein Teufelskreis aus Überzeugung und Bestätigung und zum Schluss werden Sie sich gegen diesen Bewerber entscheiden, weil er Ihre Annahme bestätigt hat.


Ein anderes wohl bekanntes Beispiel: Ihre Mitarbeiter arbeiten immer unselbständiger, je weniger Sie Ihnen Vertrauen. Aus diesem Grund fangen Sie damit an, Ihre Mitarbeiter zu kontrollieren; durch Ihre Kontrolle, erkennen Sie – auch weil Sie diese schon erwarten – immer mehr Fehler Ihrer Angestellten; selbst wenn diese gar keine begehen. Ihre Mitarbeiter wiederum werden mit dem Wissen, ohnehin kontrolliert zu werden, das selbstständige Arbeiten immer weiter zurückschrauben. 

Was können wir tun, um diesen Kreislauf zu durchbrechen? Schauen Sie sich die Kriterien an und entscheiden Sie selbst, wie Sie dem Teufelskreis entkommen können. 

// Die Serie //

Die vorherigen Teile zum Nachlesen:

Teil 6: “Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel

Teil 5: Die Suche war der einzige Grund des bisherigen Nichtfindens. 

Teil 4: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt“ 

Teil 3: Auf Befehl etwas spontan zu tun ist ebenso unmöglich wie etwas vorsätzlich zu vergessen oder absichtlich tiefer zu schlafen.

Teil 2: Der Versuch, eine Lücke zu schließen, ist das Problem. 

Teil 1: „Man kann nicht nicht kommunizieren“ 

 

Fotocredit:
(1) A. Dreherpixelio.de
(2) Monika Tugcu | pixelio.de

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