Personalarbeit 2011: Seismograph für die Zukunft der Arbeitswelt werden

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Foto von Dose Media

Der demografische Wandel hängt derzeit wie ein Damoklesschwert über dem Personalmanagement. Die Medien greifen das Thema bis zum Überdruss auf, gleichwohl geschieht in den Unternehmen noch vergleichsweise wenig. „Es geht darum, das gesamte Erwerbspotenzial in Deutschland besser zu nutzen“, ist Prof. Dr. Stephan Kaiser von der Universität der Bundeswehr München überzeugt. Der Keynote-Speaker auf der PERSONAL2011 Süd spielt damit nicht nur auf Themen wie Frauenförderung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. „Unternehmen müssen auch ihren Alterskorridor vergrößern – nach unten ist das fast noch wichtiger als nach oben“, so Kaiser.

Die Bologna-Reform und die verkürzte Studienzeit des Bachelorstudiengangs seien zwar der erste Schritt. Aber da viele Studierende zusätzlich Masterstudiengänge belegten, ergebe sich faktisch eine Studienzeitverlängerung. „Personalentscheider sollten deshalb sinnvolle Karrierepfade entwickeln, damit Bachelorabsolventen ins Unternehmen gehen und dann berufsbegleitend ihren Master machen“, fordert der Experte für Personalfragen.

Prof. Dr. Stephan Kaiser,

Universität der Bundeswehr München

Das Personalmanagement sollte solche Themen als Seismograph vorhersehen und entsprechend vorbereiten“

Insgesamt gelte es, die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhöhen. Die Schwierigkeit dabei: Die Anforderungen der Arbeitswelt steigen laut Kaiser heute nicht mehr nur langsam und kontinuierlich, sondern

nahezu sprunghaft. Die Deutsche Telekom etwa baue ihr Netz mit Glaskabelfasern aus. Die Kompetenz vieler Mitarbeiter, Kupferkabel zu verlegen, würde damit kaum noch gebraucht. „Das Personalmanagement sollte solche Themen als Seismograph vorhersehen und entsprechend vorbereiten“, so Kaiser.

Doch Personalverantwortliche legten dabei bisweilen noch

eine gewisse Trägheit an den Tag – so etwa beim Thema Social Media. Personaler konzentrierten sich darauf, wie sie soziale Netzwerke im Internet wie Facebook und Xing für das Recruiting nutzen könnten. Die meisten ignorierten aber noch, dass damit auch „Open Innovation“ möglich wäre: indem Unternehmen Leistungspotenziale von Kunden oder Experten in den Wertschöpfungsprozess integrieren.

New Age HR: Technologisch am Ball bleiben

Doch es gibt auch Ausnahmen von der Regel, wie die Otto GmbH & Co KG beweist. Das Handelsunternehmen setzt Social Media ausgiebig ein, zum Beispiel für das Ideenmanagement. In Foren und Online-Räumen können Mitarbeiter Ideen diskutieren. In Blogs zu Themen wie IT oder Mode haben auch Externe die Möglichkeit, sich in die Ideenentwicklung einzubringen. In dem Keynote-Vortrag „New Age HR: Personalmanagement im Digitalen Zeitalter“ stellt Michael Picard, Direktor Personal bei Otto, auf der PERSONAL2011 Nord in Hamburg seine Arbeit vor.

Michael Picard,

Direktor Personal, Otto GmbH & Co KG

Wir müssen uns sukzessive davon verabschieden, dass Arbeitsplätze immer an ein- und demselben Standort geschaffen werden“

„Wir schauen uns genau an, wie sich die technologischen Möglichkeiten, die Struktur der Bevölkerung und ihre Nachfrage entwickeln“, so Picard. „Daraus leiten wir ab, welche Produkte man überhaupt in fünf oder zehn Jahren nachfragen wird.“ Auch die Personalstrategie richte das Unternehmen danach aus. Einerseits zeigten diese Überlegungen, welche Qualifikationen zukünftig überhaupt gebraucht würden. Andererseits bedenke Otto, wo es entsprechende Mitarbeiter finden könne – und das auch über Ländergrenzen hinweg. „Wir müssen uns sukzessive davon verabschieden, dass Arbeitsplätze immer an ein- und demselben Standort geschaffen werden“, meint

Picard.

Die moderne Technik ermögliche den Zusammenschluss von Experten, die überall auf der Welt verteilt seien. Schon heute übertrage das Handelsunternehmen größere Veranstaltungen wie Betriebsversammlungen übers Netz – live oder in einem Zusammenschnitt –, wenn manche Teilnehmer nicht selbst vor Ort sein könnten. Arbeitszeit- und Arbeitsort würden bei Otto immer flexibler. Es gebe zunehmend virtuelle Teams und damit auch neue Herausforderungen für die Führungskräfte.

Personal total: Von Deutschlands Süden bis in den Norden

Rund 130 Vorträge und Podiumsdiskussionen – von und mit Ausstellern, Fachzeitschriften und Experten aus Wissenschaft und Praxis – hat die PERSONAL2011 Süd zu bieten, die vom 13. bis 14. April in München in die 12. Runde geht. Erstmals gastiert die traditionsreiche Messe für die Personalarbeit in Unternehmen und Organisationen auch in Deutschlands Norden: Vom 6. bis 7. April feiert die Messe für Personalmanagement im Messe- und Kongresszentrum CCH in Hamburg Premiere. Schon die Erstveranstaltung wartet mit circa 70 Programmpunkten auf.

Damit Personalverantwortliche in München und Hamburg vergleichbare Erkenntnisse gewinnen, setzt der Veranstalter auch auf ähnliche Programmpunkte. So referiert etwa Sabine Asgodom, die zu den bekanntesten Erfolgscoachs in Deutschland gehört, an beiden Standorten. Sie stellt den heißesten Trend in der amerikanischen Management-Psychologie vor: „Flourishing – wie Sie und Ihre Mitarbeiter aufblühen“. Asgodom geht in dem Keynote-Vortrag der Frage nach, warum manche Unternehmen mehr Gewinne erarbeiten als andere und warum manche als Arbeitgeber beliebter sind.

Neben der Management-Trainerin und Expertin für Potenzialentwicklung referieren auch der Führungskräftecoach Dieter Lange sowie der Priester und Hochschullehrer Prof. Dr. Thomas Schwartz in Hamburg und München als Keynote-Speaker.

PERSONAL2011 Nord, Fachmesse für Personalmanagement, CCH Hamburg, 6.-7. April 2011, www.personal-messe.de/nord

PERSONAL2011 Süd, 12. Fachmesse für Personalmanagement, M,O,C, München, 13.-14. April 2011, www.personal-messe.de/sued

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