Mit Computern lassen sich heute so viele tolle Dinge tun. Wir benutzen sie daher ständig und für alles Mögliche. Aber sind wir dadurch effizienter geworden? Ist unser Leben heute einfacher und sind wir erfolgreicher, seit wir diese Technologie haben?

Eigentlich ist unser Leben heute ja gar nicht mehr ohne Computer vorstellbar. Die Anforderungen an uns sind so stark gestiegen, und es ist so viel gleichzeitig zu tun, dass wir das ohne Computer überhaupt nicht mehr schaffen würden. Zum Glück sind wir heutzutage gut im Multitasken, so dass wir vieles parallel erledigen können. Aber sind wir dadurch wirklich schneller? Tatsächlich können wir in unserem Arbeitsgedächtnis maximal drei bis sieben kleine Informationseinheiten - sogenannte Chunks - gleichzeitig halten, und dies gelingt uns auch nur für ca. 20-25 Sekunden. Wollen wir mehr behalten oder für eine längere Zeit speichern, dann gelingt uns dies nur im Langzeitgedächtnis. Wie Informationen dorthin gelangen, wissen wir alle: durch konzentriertes Lernen, und das ist aufwendig. Multitasking erlaubt uns genau dies jedoch nicht: Hier muss schnell gewechselt und viel Information hin- und hergeschoben werden. Das kann nur für Triviales funktionieren. Alles andere verlangt nach Konzentration auf eine einzige Sache – am Besten ungestört durch ein Smartphone, sonst brauchen wir im Schnitt 25% mehr Zeit, das haben Studien gezeigt.

Computer können viel – keine Frage. Ein künstliches Neuron ist heute etwa 100‘000 mal schneller als ein natürliches, wie es in unserem Gehirn vorkommt. Ausserdem arbeitet der Computer digital (also mit 1 und 0) und ist damit viel exakter als wir mit unserer analogen Denkweise. Dennoch gibt es Bereiche, in denen Computer immer noch versagen und von unseren vielleicht doch nicht so langsamen Gehirnen um Längen geschlagen werden. Wo macht demnach der Einsatz von Computern Sinn, und wo bleiben wir besser bei unseren grauen Zellen? Computer sind genau dann überfordert, wenn es gilt, übergeordnete Zusammenhänge zu sehen und komplexere Aufgaben zu lösen, die Kreativität und Abwägen verlangen. Das ist auch der Grund, warum CAPTCHAs (siehe Abbildung) auch nach über zehn Jahren noch immer so gut funktionieren und jeden Computer überfordern: Man braucht Kreativität, um diese komisch aussehenden Wörter lesen zu können. Nur ein kleines Beispiel – und wir haben noch gar nicht darüber gesprochen, dass Computer auch nicht empathisch sind und Gefühle zeigen können. So manch einer von uns mag in sein Smartphone verliebt sein. Umgekehrt ist das jedoch nur in Science Fiction Filmen der Fall.

Worüber denkt man eigentlich nach, wenn man mitten in der Nacht tief im Atlantik mit seinem kleinen Segelschiff auf ein Riff aufläuft und dort ohne Hoffnung auf Rettung hängenbleibt? Wie kann so etwas überhaupt passieren – trotz der hohen Erfahrung und der vielen Technik an Bord?

PC, Smartphone und iPad können viel, und das überall – sie werden aber schnell zur Produktivitäts- und Lebensfalle. Mit Multitasking kann man zwar vieles gleichzeitig erledigen – aber vielleicht ist das doch eher ein Mythos, oder können wird das genausogut wie der PC? Wie ist das überhaupt mit Computern? Wo schlägt unser Gehirn sie auch heute noch, und wie setzen wir sie am besten ein, so dass wir den Computer im Griff haben, und nicht er uns?

ZUM AUTOR: Sie wollen Johannes Hennekeuser persönlich erleben und zum Thema mitdiskutieren? Auf der Personal Swiss (Messe Zürich - 9./10.April 2013) ist er mit einem Keynote-Vortrag vertreten.

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