Jochen May: Schwarmintelligenz im Unternehmen. Rezension von Stephan Spatt

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Foto von Glenn Carstens-Peters

Als zentrales Anwendungsgebiet der Schwarmintelligenz sieht der Autor den Bereich der Innovation. Neues ist aus der Perspektive der Gegenwart oft komplex und für den Einzelnen nur schwer fassbar. Schwarmintelligenz kann hier Kreativität, neue Einblicke und eben Delta-Plus-Effekte fördern. Wie Unternehmen das erreichen können, beschreibt der Autor ausführlich in den einzelnen Kapiteln. Als wichtigste Voraussetzung betrachtet er den übergeordneten Verhaltenskodex, der die Schwarmintelligenz zum Führungsinstrument und zur Managementtechnik mache. Die Theorie klingt einleuchtend und überzeugend, die Crux liegt aber wahrscheinlich wie so oft im Detail und in der praktischen Umsetzung. Wie auch der Autor einschränkend anmerkt, verfügen Menschen nicht über dieselben Verhaltensmuster, die beispielsweise Ameisen instinktiv anwenden. Leider ist das Kapitel zur Implementierung zudem das Kürzeste des Buches.

Die vorgestellten Führungstechniken sind nicht neu. Dass eine Führungskraft nicht mehr allwissender Spielmacher, sondern eher Coach und Impulsgeber sein soll, der den Mitarbeitenden Freiräume bei der Erreichung der festgelegten Ziele einräumt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Wer aber in hierarchischen Strukturen arbeitet, in denen noch ein autoritärer Chef wirkt, der erhält eine gute Sammlung an Methoden und Techniken und viel Gelegenheit, über die (eigene) Rolle der Führungskraft zu reflektieren.

Von der ersten Seite an arbeitet das Buch mit Superlativen in Bezug auf die Schwarmintelligenz. So führt zum Beispiel nach Ansicht des Autors das klassische Line-Management zu einer Reduzierung der Komplexität, während die „Schwarm-Strategie“ den „Superorganismus“ schafft. Diese plakative Rhetorik zieht sich durch das ganze Buch und verleitet trotz der interessanten Inhalte oft dazu, es zur Seite zu legen. Es hinterlässt den Eindruck, als müsse die Sprache fehlende Inhalte kompensieren. Sehr hilfreich hingegen sind Leitfragen und Antworten am Ende jedes Kapitels, die in geraffter Form die Grundaussagen zusammenfassen.

Die Schwarmintelligenz ist nicht die „eierlegende Wollmilchsau“, als die sie über weite Strecken dargestellt wird. Das Buch eröffnet interessante Perspektiven auf ein brennendes Thema: Wie schaffen wir Innovationspotenziale und schöpfen diese aus? Die Antworten referenzieren aber zum Großteil auf Bekanntes, dem nur ein neuer Mantel umgehängt wird.

Praktischer Nutzwert * * * **
Lesbarkeit/Schreibstil * * * **
Verständlichkeit * * * * *
Gliederung/Übersichtlichkeit * * * **
Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche * * * * *


Schwarmintelligenz im Unternehmen

Wie sich vernetzte Intelligenz für Innovation und 
permanente Erneuerung nutzen lässt

Von Jochen May

Gebundene Ausgabe: 257 Seiten, 34,90 Euro

Verlag: Publicis Publishing, Erlangen 2011

ISBN: 978-3895783913

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