Ideen-Scout: Juni 2014

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person sitting near table holding newspaper
Foto von Adeolu Eletu

Status- und Rollenwechsel des Berufseinsteigers

Manche Anteile sind, laut der polydynamischen Persönlichkeitstheorie, stabil verankert, während andere Anteile der Persönlichkeit sich stetig verändern können, um sich den unterschiedlichen Lebenssituationen anzupassen. Doch besonders der Status- und Rollenwechsel während des Berufseinstiegs wirkt sich ausschlaggebend auf die Persönlichkeit aus, sagt Simon Hahnzog. Der „Status“ wird hierbei durch die Bewertung einer Rolle durch eine Gruppe definiert, die „Rolle“ wiederum ist an Erwartungen geknüpft, die eine Gruppe an ein Gruppenmitglied hat.

Hahnzog beschreibt diesen Zustand in Holbrischs Artikel folgendermaßen:„ Ist jemand plötzlich Arzt, Lehrer oder Anwalt, gehen die Leute davon aus, dass das Gegenüber auf seinem Gebiet Bescheid weiß, auch wenn er kaum Berufserfahrung sammeln konnte.“ Das bedeutet auch, dass der Status sich je nach Situation und Ansprechpartner ändert. Unter Kollegen hat man den Status eines „Anfängers“, steht man jedoch als Arzt einem Patienten gegenüber, wird ein kompetenter und professioneller Status erwartet.

Den Übergang erleichtern

Die Lösung sieht Hahnzog in der Vermittlung von Wissen und Informationen. Der Einsteiger hat von Beginn an, ein Informationsdefizit, das er nicht alleine bewältigen kann. Daher ist es erforderlich dieses Defizit offenzulegen und es mit Informationen zu füllen. Auch der Status- und Rollenwechsel kann, wenn die Erwartungen und Anforderungen klar formuliert werden, leichter erfolgen. In ihrem Artikel führt Holbrisch an, dass viele Berufeinsteiger mit Termindruck und Überlastung zu kämpfen haben und nur „ein Siebtel der Uni- und ein Fünftel der FH- Absolventen nahmen an strukturierten Einarbeitungsprogrammen teil.“ Das Entwicklungspotenzial eines Einsteigers wird oft erkannt oder gefördert. Um dies zu vermeiden gibt es mehrere Optionen: Mentoren oder Paten, die dem Anfänger in jeder Situation zur Seite stehen sind eine Lösung. Und auch die sogenannten „Feel-Good-Manager“ sollen den Einstieg nicht nur problemlos gestalten, sondern auch die Unternehmenskultur stetig verbessern. Wichtig ist aber vor allem individuell auf den Neuankömmling einzugehen, um sein ganzes Potenzial ausschöpfen zu können.


Grundlage der Besprechung: Spiegel – Job 
Titel: Arbeit ist das halbe Leben – und was ist mit dem Rest
Text: Miriam Olbrisch | Ausgabe: Heft 1 / 2014

Weitere Quellen:
„Was ihr wollt?!“ Die Bedeutung des Status- und Rollenwechsels bei Berufseinsteigern 

Tandem sucht Job
Jobsharing leicht gemacht

Zwei Frauen, ein Problem: Beide brauchen eine Job. Doch ist es für die 42-jährige Mutter von zwei Kindern und ihrer Bekannten, einer jungen Mutter, unmöglich einen Vollzeitjob anzunehmen. Töppers verdeutlicht in ihrem Artikel, wie schnell ein Kind zum Karrierekiller werden kann, wenn man sich nicht dagegen wehrt. Beide Frauen hatten bis zu ihrer Schwangerschaft einen gutbezahlten Job. Danach konnten sie die Vollzeitstelle nicht mehr wahrnehmen und eine Teilzeitstelle bot man ihnen gar nicht erst an: „ Die jungen Mütter fühlten sich degradiert. Unterfordert, unfair behandelt, unterschätzt. Dann kam den Beiden eine Idee: Die Tandem-Bewerbung. Sie schickten ihre Unterlagen zusammen mit einer genauen Übersicht ihrer Arbeitseinteilung ab und waren erfolgreich.

Auch Dörte Stadtbäumer und Michaela Tietz, beides Mütter, hatten mit ihrer gemeinsamen Bewerbung Erfolg. Ihre Erfahrungen aus den Vorstellungsgesprächen: „ Wer sich auf eine Teilzeitstelle bewirbt, wird im Interview als Mutter wahrgenommen…“, so Stadtbäumer. Kamen sie zu zweit zum Vorstellungsgespräch war es den Personalern wichtiger, welche Arbeitsaufteilung sich die Beiden vorstellten.

Doch ist die Bewerbung zu zweit nicht immer erfolgreich, da viele Unternehmen sich davor scheuen dieses Konzept einzusetzen. Um dies zu ändern gründeten Anna Kaiser, Miriam Wilhelm und Jana Tepe die Plattform Tandemploy. Dort treffen Tandem-Teams auf Unternehmen, die dem flexiblen Arbeitsmodell offen gegenüberstehen.


Grundlagen des Jobsharings

          Beim Jobsharing, der Arbeitsplatzteilung teilen sich zwei oder mehr Arbeitnehmer den gleichen Arbeitsplatz.

          Das Modell ist eine besondere Form der Teilzeitarbeit.

          Die Arbeitszeiten können von den Jobsharern individuell festgelegt werden.

          Das Teilzeit – und Befristungsgesetz (TzBfG) unter § 13 (Arbeitsplatzteilung) regelt das Jobsharing- Modell

          Die Arbeitsplatzteilung ist theoretisch in allen Arbeitsbereichen möglich.

          Branchen, in denen schnelle oder keine Übergaben nötig sind, bieten sich hierbei besonders an: Arbeiten im Schichtbetrieb, im Sekretariats- und Assistenzbereich, im öffentlichen Dienst, ebenso im sozialen Bereich oder in der Kreativbranche.


Unterschied zur normalen Teilzeitarbeit

Der Arbeitgeber verzichtet zum Teil auf sein Weisungsrecht, das heißt die Arbeitszeiten bestimmen die Arbeitnehmer selbstständig und eigenverantwortlich. Die Arbeitnehmer erstellen einen Arbeitsplan, der für alle Beteiligten rechtlich bindet ist. Danach können Änderungen nur noch einvernehmlich mit dem Arbeitgeber vorgenommen werden.

Vorteile für den Arbeitnehmer

          Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten

          Verbesserung der Lebensqualität

          Verbesserte Work-Life-Balance

          Schneller Ersatz bei Erkrankung

Nachteile für den Arbeitnehmer

          die Abstimmung der Arbeitszeiten kann zwischen den Jobsharer schwierig sein

          aufwendiger Kommunikations- und Informationsaustausch

          Komplikationen bei Änderungswünschen der Arbeitszeiten eines Jobsharers 

Vorteile für den Arbeitgeber

          Der Arbeitgeber gewinnt durch einen geteilten Arbeitsplatz an Wissen.

          Das Wissen geht beim Ausscheiden einen Jobsharers nicht vollständig verloren

          Der Arbeitsplatz ist anders als bei der regulären Teilzeitarbeit nahezu immer besetzt.

          Eine Vertretung ist bei Erkrankung eines Jobsharers besser gesichert

Nachteile für den Arbeitgeber

          Aufwand der notwendigen Arbeitsübergabe

          Bei Nichteinigung der Jobsharer über die Arbeitzeit

          Ersatz für einen passenden Jobsharer schwerer zu finden – Qualifikation und Arbeitszeitwünsche müssen übereinstimmen

 

Grundlage der Besprechung: Spiegel – Job 
Titel: Nimm zwei
Text: Verena Töpper
Ausgabe: Heft 1 / 2014

Weitere Quellen: 
Checkliste: Einführung von Job-Sharing 


Gelesen und verlinkt…

Der Berufseinstieg
Verändert Arbeit die Persönlichkeit?

Der Start in das Berufsleben ist für Einsteiger oft mit einschneidenden Veränderungen in ihrem Leben verbunden: Ein Wohnortwechsel, die daraus entstehende Einsamkeit und die straffen Hierarchien am neuen Arbeitsplatz sind nur Bruchteile von Herausforderungen, denen sich junge Absolventen stellen müssen. Miriam Hobrisch beschreibt in ihrem Artikel „ Arbeit ist das halbe Leben – und was ist mit dem Rest?“, wie sich Menschen fühlen, wenn sie vom Studenten in die Rolle des Arbeitnehmers schlüpfen und welche Bedeutung die jeweilige Persönlichkeitsstruktur eines Berufseinsteigers dabei erhält.


Tandem sucht Job
Jobsharing leicht gemacht

Wieso nur einen nehmen, wenn man zwei haben kann. Personaler begegnen dem Jobsharing- Modell oft kritisch. Verena Töpper nennt in ihrem Artikel „ Nimm zwei“ einen simplen Grund für die geringe Bereitschaft diesem Modell eine Chance zu geben: Arbeitgebern fehlt das Wissen, um sich die Vorteile eines Tandem-Jobs bewusst zu machen.

Der Berufseinstieg
Verändert Arbeit die Persönlichkeit?

In der Übergangsphase vom Studenten zum Arbeitnehmer beschäftigen sich Berufseinsteiger oft mit folgenden Fragen: Was muss ich anziehen? Bin ich der Arbeitsbelastung gewachsen? Wem kann ich vertrauen und wer ist mein Konkurrent? Laut Jan Bohlken, einem Düsseldorfer Personalberater, dauert es ganze neun Monate bis sich Neuankömmlinge in ihrem Arbeitsalltag halbwegs integriert fühlen. Eine lange Zeit.

Doch warum dauert der „wirkliche“ Einsteig so lange und was geschieht mit der Persönlichkeit eines Menschen während dieser Zeit? Simon Hahnzog hat in seiner Dissertation diesen Veränderungsprozess untersucht und hat daraus Lösungsansätze entwickelt, um zukünftigen Berufseinsteigern die Übergangsphase zu erleichtern und sie damit schneller und effizienter in das Berufsleben einführen zu können.

 

Die polydynamische Persönlichkeitstheorie

Um zu beschreiben, in wie fern sich die Persönlichkeit eines Einsteigers entwickelt und um messbare Kriterien für seine Arbeit zu erhalten, entschied sich Hahnzog für die Polydynamische Persönlichkeitstheorie, die als Basis seiner Untersuchungen fungieren sollte. Er wählte diese Theorie, da sie zum einen die Vielgestaltigkeit (Polymorphie) und die Entwicklungsfähigkeit (Dynamik) der Persönlichkeit in den Vordergrund stellt. Ein wichtiger Bestandteil dieser Theorie ist auch die Ressourcenorientierung. Dabei wird ein bestimmter Anteil der Persönlichkeit, wie zum Beispiel der Ehrgeiz zu einer wichtigen Ressource, die dem Menschen im Arbeitsalltag hilfreich sein kann. Nimmt der Ehrgeiz jedoch einen zu großem Raum in der Persönlichkeit ein, kann sich das negativ auf das Verhalten eines Menschen auswirken. Es ist also von Bedeutung in welchem Ausmaß eine Ressource, also eine Eigenschaft, in Erscheinung tritt.

 

Folgende Kernpunkte sind in der Polydynamische Persönlichkeitstheorie enthalten:

  • Die Persönlichkeit des Menschen ist in einzelne Anteile gegliedert, die metaphorisch die Charakterzüge, Fähigkeiten und Eigenschaften des Menschen symbolisieren.
  • Durch die charakteristische Zusammensetzung von Anteilen wird die Individualität beschrieben.
  • Die meisten Anteile eines Menschen sind über lange Zeiträume hinweg existent, manche entwickeln sich jedoch erst im Laufe des Lebens oder sind nur vorübergehend vorhanden.
  • Die Anteile sind dynamisch angeordnet und können sich je nach Situation und Herausforderung neu gruppieren.
  • Jeder Anteil steht für konkrete Aufgaben des Verhaltens und Erlebens. In dieser Funktion stellt jeder Anteil eine Ressource der Persönlichkeit dar, da er diese Aufgaben versucht zu erfüllen.
  • Das Selbst stellt den inneren, stabilen Kern der Persönlichkeit dar. Die Aufgabe des Selbst liegt in der Strukturierung und Ordnung der einzelnen Anteile – es hat die exekutive Funktion der inneren Persönlichkeitsdynamik.

Der Sozialisierungsprozess

Hahnzog beschreibt den Berufseinstieg als Teil des Sozialisierungsprozesses, der sich in drei Phasen gliedern lässt: 

Primäre Phase

Der wechselseitige Einfluss zwischen dem Individuum und seiner Familie

Sekundäre Phase

Bei Schulantritt erhalten Institutionen, wie die Schule und später Berufs- und Hochschule Einfluss auf die Sozialisierung.

Tertiäre Phase

Der Berufeinstieg und die damit verbundene Lebenswelt

Während dieser drei Phasen werden Persönlichkeitsanteile entwickelt und gefördert. Während seiner Untersuchung stellte Hahnzog fest, dass es stabile Anteile gab, die sich trotz wechselnder Lebensumstände nicht verändert hatten, wie zum Beispiel die Fähigkeit strukturiert zu handeln. Doch gab es auch dynamische Anteile, wie zum Beispiel den Ehrgeiz, der erst während des Berufsalltags an Bedeutung gewann. Andere Anteile wiederum hatten sich erst im Beruf entwickelt, dazu gehörte unter anderem die Selbstständigkeit.

Hinzu kommt, dass Anteile die bereits in der primären Sozialisierungsphase entwickelt wurden, einen stärkeren Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung haben, als Anteile die erst später im Leben hinzugefügt werden. Doch die Tatsache, dass sich Anteile verändern oder vollständig neu entwickeln können, macht den Berufseinstieg zu einer spannenden Phase in Bezug auf das Entwicklungspotenzial eines Menschen.

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