Erdöl der Zukunft: Big Data sorgt für eine scheinbar neue Qualität in Personalabteilungen

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Foto von Bram Naus

„Der Begriff Big Data wurde geprägt, um die wirtschaftlich sinnvolle Gewinnung und Nutzung entscheidungsrelevanter Erkenntnisse aus qualitativ vielfältigen, unterschiedlich strukturierten Informationen zu bezeichnen“, erklärt der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) in einem eigens zu diesem Thema veröffentlichten Leitfaden. „Big Data signalisiert die zunehmende Bedeutung von Daten als Faktor der Wertschöpfung. Es kursiert das Wort vom Erdöl der Zukunft“. Für Human Resources bedeutet Big Data zunächst, große Datenmengen zu sichern, die beispielsweise bei Mitarbeiterbefragungen oder Performance-Bewertungen anfallen. Sie zu speichern und und elektronisch verfügbar zu haben, ist ein erster Schritt. Der zweite Schritt ist dann die Analyse dieser großen Datenmengen.

Das Personalmanagement auf Basis von Kennzahlen und Datenanalysen ist auf dem Vormarsch; die meisten Organisationen stehen beim Thema Big Data in Sachen Personal aber noch am Anfang – meint Prof. Dr. Torsten Biemann, Inhaber des Lehrstuhls für ABWL, Personalmanagement und Führung der Universität Mannheim und Redner auf der Messe Zukunft Personal. Zwar gäbe es im HR-Bereich noch nicht viele Datenquellen, allerdings hätten viele HRler schon Probleme, die herkömmlichen Datenmengen adäquat auszuwerten. „Zum einen ist das Know-how in Unternehmen oft nicht vorhanden. Zum anderen hat man die passenden Daten oft gar nicht oder kann sie nicht so einfach generieren.“

Möglichkeiten, die im Zusammenhang mit Big Data diskutiert werden, gehen weit über die Möglichkeiten einfachen Personalcontrollings hinaus. Während es im Personalcontrolling häufig nur darum geht, Daten wie zum Beispiel die durchschnittlichen Fehltage oder die Personalkosten pro Mitarbeiter zu sammeln und Kennzahlensysteme aufzubereiten, sollen mithilfe von Big Data konkrete Vorhersagen zu einzelnen Individuen getroffen werden können. Konkret könnte das bedeuten: Schaut sich ein Mitarbeiter häufig Stellenanzeigen auf entsprechenden Internetseiten an, lässt sich hieraus ein erhöhtes Risiko ableiten, dass dieser Mitarbeiter das Unternehmen verlässt. Aus Sicht des Datenschutzes dürfe dies wie ein Horrorszenario erscheinen, deshalb ist der verantwortungsvolle Umgang mit personenbezogenen Daten eine der wichtigsten Herausforderungen bei der Nutzung von Big Data.

Empfehlenswert sei Big Data für HR-Manager vor allem, um die Wirksamkeit der eigenen Arbeit zu überprüfen. Dies liege jedoch nicht immer im Interesse der Personaler. „Wer beispielsweise auswertet, wie gut das neue Führungskräftetraining ist, der muss gegebenenfalls auch darauf reagieren und kann es nicht einfach laufen lassen“, erklärt Biemann.

„Big Data ist die Zukunft des Recruitings“

Bei der Personalauswahl sei oftmals schon jetzt ein Algorithmus der Einschätzung eines Recruiters überlegen. „Big Data ist die Zukunft des Recruitings“, sagt beispielsweise auch Ali Behnam, Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter des Kalifornischen Unternehmens Riviera Partners, das sich auf Executive Search und Talentakquise spezialisiert hat. Allerdings weist auch er darauf hin, dass man das richtige Werkzeug, die richtige Kombination an Variablen und – am wichtigsten – das richtige Personal, das das ganze analysieren kann.

Deshalb sieht auch Torsten Biemann keine große Gefahr, dass Big Data im Trend zur Automatisierung im HR-Bereich Personalabteilungen weiter verkleinert: „Routinetätigkeiten können durch intelligente Algorithmen vielleicht ersetzt werden, aber man wird gleichzeitig vermehrt Analysespezialisten brauchen, die die Auswertung von Big Data vornehmen können.“ So sehe man auch schon in manchen Konzernen, dass sich Personalabteilungen zwar verkleinern, gleichzeitig jedoch eine neue Einheit für HR-Analyseverfahren entsteht. „Es kommen also neue Aufgaben hinzu.“

// Veranstaltungstipp //

Prof. Dr. Torsten Biemann
Big Data im HR: Möglichkeiten und Grenzen
Messe Zukunft Personal
Dienstag, 14. Oktober 2014, 15:30 Uhr
koelnmesse, Halle 2.2, Forum 3





Fotocredit: Markus Vogelbacher | pixelio.de

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