Digital Society Institute: Fachkräfte für Digitalisierung noch rar

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Fazit: Weiterhin viel Diskussionsbedarf

Das Augenmerk der hochkarätig besetzten Diskussionsrunden liegt auf dem Silicon Valley, es ist das Vorbild für die Bemühungen des DSI. Dennoch will man in Berlin ein eigenes Profil entwickeln, indem Regulierung als viertes Standbein von Profis aufgebaut werden soll; auch wenn zum aktuellen Zeitpunkt unklar ist, wodurch sich diese auszeichnen. Aus welchen Bereichen stammen sie und wie sollen sie ausgebildet werden? All das muss sich künftig erst zeigen. Die Digitalisierung ist nicht zu leugnen und die Möglichkeiten der IT haben ein riesiges Potential für Wirtschaft und Gesellschaft. Doch die Realität ist zum Großteil analog. Diesen Spagat – das Notwendige zu tun und das Existentielle nicht zu lassen – gilt es zu meistern, ganz gleich ob an Arbeitsplätzen, daheim oder in der Öffentlichkeit. 

Die Paneldiskussion rund um das Thema Industrie und Digitalisierung präsentierte Prof. Dr. Robert Blackburn, Präsident der Information Services & Supply Chain Operations BASF, neben Dr. Stefan Heißner als Partner bei Ernst & Young, Dr. Martin Hofmann, CIO Volkswagen sowie Dr. Ralf Schneider, Group CIO der Allianz. Die Runde war sich einig, dass die deutsche Wirtschaft schon lange digital arbeitet und das Digitale damit beherrscht. Eine von Moderator Dr. Stephan Gaycken angeführte Studie zeige jedoch, dass nur jeder zweite Bundesdeutsche mit dem Begriff Digitalisierung etwas anfangen könne. Die Wissens- und Erfahrungswelten zwischen Bevölkerung und Wirtschaft liegen demnach noch auseinander. Doch auch für diese gibt es weiteren Handlungsbedarf, insbesondere im Mittelstand. So sah Dr. Stefan Heißner für KMUs die Notwendigkeit, sich der Tatsache zu öffnen, dass sich ganze Wirtschaftszweige komplett ändern werden. 

Dr. Sandor Gaycken begrüßte als Institutsleiter die zahlreich erschienenen Gäste. In seiner Rede sagte er, der Zweck des neu gegründeten Institutes sei, dem Know How-Vorsprung des Silicon Valleys von deutscher Seite her etwas entgegenzusetzen. Den amerikanischen Vorsprung sieht Dr. Sandor Gaycken in der Verknüpfung von Hochschulen, Start-Ups und Risikokapital begründet. Diese Trias wolle das DSI aufgreifen und durch den Faktor Regulierung ergänzen. Als zweiten wesentlichen Arbeitspunkt am DSI nannte Dr. Sandor Gaycken die Schaffung von Werten; und zwar mittels einer Integration von Datenschutz und Menschenrechten in den Digitalisierungspozess selbst.

Dem Referat des Institutsleiters schloss sich ein Keynote-Vortrag der parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie Brigitte Zypries an. Sie stellte die Ergebnisse von Studien vor, nach denen sich die digitale Wirtschaft in Deutschland derzeit im internationalen Vergleich auf Rang sechs befindet. Die Studien gehen von einer möglichen Produktivitätssteigerung von 30 Prozent aus. Das Gesamtvolumen dieses Zweiges wird auf 30 Mrd. Euro geschätzt. Die Politik wolle, so Brigitte Zypries, ihren Fokus auf den Mittelstand lenken, weil die großen Unternehmen diesen Prozess selbst hinbekämen. Dabei sollen künftig folgende Maßgaben beachtet werden:

>> Versäumnisse bei der Schaffung von Plattformen wie Google oder Facebook
     dürfen bei der Gestaltung der Industrie 4.0 nicht wiederholt werden.

>> Start Ups sollen vermehrt Zugang zu Risikokapital bekommen – gemeint sind damit
     sowohl private Finanzierer als auch Firmenkooperationen mit großen Unternehmen.

>> Die aktuell vorliegende Datenminimierung passe nicht mehr mit der erforderlichen
     Datensouveränität zusammen. Schließlich müsse der Mensch die
     Hoheit über seine Daten besitzen.

>> Weitere politische Aktivitäten müssten Rechtsschutz und Rechtssicherheit für
     Datentransfers 
bei grenzüberschreitenden Projekten in den Mittelpunkt stellen,
     im Zuge dessen seien Standards und Regelungen zu schaffen. 

Fachkräfte für umfassende Digitalisierung
müssen erst noch ausgebildet werden

Weit weniger klar sei, welche Folgen sich für Arbeitswelt und Gesellschaft daraus ergeben, dass Software künftig ein wesentlicher Bestandteil von Produkten sein wird. Nur wenige Experten könnten in diesem Punkt vorausschauend denken; womit sich ebenfalls ein entsprechender Fachkräftemangel abzeichnet. Als größten Stolperstein zu einem umfassenderen Bewusstsein machte die Diskussionsrunde die deutsche Mentalität aus. Der Hang der Deutschen dazu, alles stets richtig und gründlich zu machen sowie ihre Angst vor Fehlern seien der Grund für Stagnation in Sachen Digitalisierung. Als sinnvolle Gegenmaßnahme wurde genannt, Pensionäre in die Wirtschaft zurückholen und mit jungen Ingenieuren zusammenbringen. Auch auf wünschenswerte Kompetenzentwicklungen gingen die Diskutanten ein. Bildungsangebote müssten vor allem Softwareentwicklung, Cyber Security und Sicherheit in der Digitalisierung abheben. Aktuell fehle es jedoch noch an dem dafür notwendigen Kapital, an Verständnis bei den notwendigen Akteuren sowie an Vernetzung in der Gesellschaft. Diese sei nicht zuletzt wichtig, um kulturell tiefsitzende Wettbewerbs- und Missgunst-Glaubenssätze zu überwinden. Die Regulierungsbemühungen werden als Bremse wahrgenommen.

Die abschließende Paneldiskussion von Dr. Thomas Bagger, Leiter des Planungsstabes beim Auswärtigen Amt, Michael F. Gaul, Senior Advisor der Emerging Security Challenges Divsion der NATO sowie Prof. Dr. Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz thematisierte Sicherheit und Menschenrechte. Der Tenor der Runde war, dass aktuell unbedingt Übersetzer für die Kommunikation zwischen Technikern und nicht technikaffinen Menschen gebraucht würden. 

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