Die “Big Five” – Fünf mal Gemüse am Tag?

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Foto von Helena Lopes

Eine gesunde Ernährung beginnt im Kopf und in der Chefetage

Ausschlaggebend für alle Maßnahmen ist, dass man sie einführen will. Dass man eine Veränderung wirklich in der Unternehmenskultur und -struktur verankern möchte. Denn zusätzlich zum Kursangebot und neu zusammengestellten Nahrungsangebot gehört ein Konzept, das neue Verhaltesweisen ermöglicht und belohnt:
Indem man Schicht- und Arbeitspläne so zusammengestellt, dass der Weg zur Pommesbude – oder der neu eingerichteten Bioküche – nicht im Galopp zurückgelegt werden muss. Indem man Wettbewerbe zur Gewichtsabnahme veranstaltet – und das neue Essverhalten mit Lauftreffs unterstützt und begleitet. Indem man mit dem allgemeinen Kochkurs und der allgemeinen Ernährungsberatung – auch die Möglichkeit anbietet, individuelle Beratungen wahrzunehmen – denn jeder Mitarbeiter trägt sein eigenes “Gewicht” an Hinderungsgründen mit sich herum, warum es mit Ernährungsumstellungen und Diäten nicht klappen will.

Peer-Beratung und Tagebücher

In solchen Fällen haben sich Peer-Beratungen bewährt. Im Rahmen des BGM wählt man “Peers”, Mitarbeiter, die sich als vertrauenswürdige Begleiter anbieten, wenn es bei bestimmten Projekten nicht klappt. Oder wenn Mitarbeiter und Teilnehmer bestimmte persönliche Sorgen haben – und diese mitteilen möchten. Peers haben sich – auch in Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen – wunderbar bewährt und entlasten auch das HR. Ernährungstagebücher und andere Hilfsmittel tragen dazu bei, die Selbstwahrnehmung zu steigern: “In welcher Situation greife ich zu Süßem?” “Warum verschrumpeln die sorgsam gekauften Radischen im Kühlschrank – während ich doch wieder zu der Bratwurst greife?”. “Welches Essen macht mich müde?” “Gibt es Essen, nach dem ich mich satt – und fit fühle?”

Gelegenheit macht – gesundes Verhalten

Es ist schwer, ad hoc altes Verhalten umzustellen. Die sogenannten “Big Five” der Ernährung – die fünfmal Gemüse und Obst am Tag schaffen viele nicht, weil sie nicht immer frisches Essen dabei haben – einkaufen können – weil Kühlschränke fehlen, weil der Stress nach ganz schnellen Kohlehydraten in Form von Gummibärchen und Schokolade verlangt…

Wenn jedoch das gesunde Essen schon im Betrieb vorgehalten wird, wenn das ganze Team mitmacht, wenn “gesundes Essen” nicht Pflicht und Strafe darstellen sondern Spaß macht – wenn man für das Mitmachen belohnt wird mit 10 Minuten mehr Pause pro Tag oder anderen Aktionen – dann können sich die neuen Verhaltensweisen – ebenso stark wie seinerzeit die alten – verankern. Können sich verwurzeln. Die Grüne Welle der Veränderung- sie beginnt im Kopf.

Quellen zum Nachlesen und Downloads:

http://www.bkv-verein.de/fileadmin/medien/dokumente/betriebliche_gesundheitsfoerderung/bkv_isst_fit_aktion_bkk_e.on.pdf

https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/5-am-tag/

http://www.arbeitsschutz-portal.de/beitrag/asp_news/4861/gesunde-ernaehrung-im-bgm—gute-stimmungslage-nutzen.html

https://www.mri.bund.de/de/home/

http://www.bgm-manufaktur.de/bgm-unterstuetzt-gesunde-ernaehrung-im-betrieb/

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/obst-und-gemuese-in-der-ernaehrung-kritik-am-5-am-tag-dogma-a-961273.html

https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/stellungnahme/DGE-Stellungnahme-Gemuese-Obst-2012.pdf

Wenn wir “sauer” sind – ist es unser Magen auch

Sie liegen in Schreibtisch-Schubladen. Sie sind sicher verwahrt in der Aktentasche: die Magensäure-Hemmer. Deutschland belegt im Konsum von Säureblockern/Antazida und/oder PPI – Protonenpumpeninhibitoren/-hemmer einen der Spitzenplätze in Europa. Antazida, die die Magensäure neutralisieren, sind dabei noch die schonendsten.

Medikamente, die im Magen die Produktion der Magensäure hemmen (PPIs) sind da schon ein etwas „härteres“ Kaliber und werden u.a. bei Gastritis (Magenentzündung), stärkerem Sodbrennen und Reflux sowie Magen-Darm- und Zwölffingerdarm-Geschwüren verordnet: den leider allzu häufigen Begleiterscheinungen oder Folgeerkrankungen von Stress, Hektik – und Mahlzeiten „zwischen Tür und Angel“.

Mit einer gemeinsamen Küche gegen den Stress-Hunger?

Nicht immer bieten Unternehmen ihren Mitarbeitern Küchen, in denen gegessen, gekocht und eine kleine Pause eingelegt werden kann. Manchmal sind diese Küchen so klein oder so “durchgestyled”, dass sie bewusst die Mitarbeiter nicht zu einem längeren Verweilen animieren sollen – Zeit ist schließlich Geld.

Auf die Zusammenstellung des Kantinenessens haben Mitarbeiter ebenfalls nicht immer Einfluss. Gleichzeitig könnten Millionen an Krankheitsfolgekosten eingespart werden, wenn sich Mitarbeiter gesünder ernähren könnten: Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes Typ II, Beschwerden des Bewegungsapparates – all diese Beschwerdebilder liegen in den Ausfallstatistiken ganz vorne. Hinzu kommen Krankheitsbilder (COPD, Lungenerkrankungen etc. durch Stress-Rauchen sowie ein Magen-Darm-Reizungen durch Stimulantien wie Kaffee oder Kraft-Drinks).

Dabei hat ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement einen großen Einfluss darauf, ob uns “zwischen Tür und Angel” der Mittagspausen-Salat wieder aufstößt – weil wir sofort wieder in ein Meeting müssen. Oder weil ein großer Teil der Pause schon für den Weg zum Metzger verwendet wird – oder für den Weg zwischen Fertigungshalle und Kantine.

Wir sind so informiert wie nie zuvor

Laut einer „Nationalen Verzehrstudie II“ des Max-Rubner-Instituts ist zwar das Wissen um eine gesunde Ernährung so verbreitet wie nie zuvor – tatsächlich aber scheinen Lebens- und Arbeitsumstände immer noch zu einer wenig gesundheitsförderlichen Ernährungsweise zu verleiten. Der eigene Anspruch – wie auch bei persönlichen Vorsätzen zum Halten einer Diät – und Verhalten klaffen hier weit auseinander. So lauten die Ergebnisse der Studie:

  • 87% der Deutschen essen zu wenig Gemüse
  • 59% liegen unter der Empfehlung für Obst
  • der Zuckerkonsum ist auf Rekordniveau – über die Hälfte der Kohlenhydrate wird in Form von Zucker konsumiert
  • der Verzehr günstiger Ballaststoffe ist viel zu niedrig
  • ungesunde, energiereiche Fastfoodprodukte legen dafür Jahr für Jahr weiterhin zu

Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers mit der Selbstverantwortung des Arbeitnehmers Hand in Hand

“Urban Gardening” Projekte machen es vor: Wo einst Brachland in den Städten herrscht, werden heute von Initiativen Obst und Gemüse – und Blumen angebaut. Manche Unternehmen machen es nach: Da wächst ein Hochbeet, aus dem sich die Kantinenköche bedienen. Da unterhalten Mitarbeiter einen kleinen Gemüseanbau. Da gehen alle gemeinsam auf einer Streuobstwiese Äpfel pflücken – mit Unterstützung der Geschäftsführung.

Oder es werden über entsprechende Dienstleister “Miniküchen” oder “Essens-Spender” aufgebaut: Ein Caterer beliefert nach Bedarf knackige Salate, frische Desserts, frische Wraps und Sandwiches – den “aufgeladenen” Wertchip spendiert die Firma – als Beitrag zum BGM. Oder es gibt mit einem/einer Ökotrophologin/en oder Diätberater/in einen Kochkurs – gerne auch “nur für Frauen” oder “nur für Männer”.

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