Der Arbeitsmarkt in der Lebensmittelindustrie: Rück- und Ausblick 2010 – 2011 (M. Hennig)

table lamp on desk inside room
Foto von Christian Mackie

Im Jahr 2010 herrschte auf dem Arbeitsmarkt der Lebensmittelindustrie ein stabiler Aufwärtstrend. Wie bereits in 2009 ist trotzdem eine paradoxe Situation zu konstatieren: einerseits haben viele Unternehmen Schwierigkeiten qualifizierte Stellen zu besetzen, andererseits finden viele Bewerber nur schwer einen neuen Arbeitgeber.

Gründe lassen sich auf beiden Seiten finden. Es besteht häufig keine oder eine stark eingeschränkte Umzugsbereitschaft bei den Bewerbern. Unternehmen hingegen suchen bei Stellenbesetzungen Idealkandidaten. Genaue Vorstellungen über fach- und branchenspezifische Erfahrungen engen das Kandidatenpotenzial ein. Wenn der Kandidat nicht zu 100 % mit dem Anforderungsprofil übereinstimmt, wird er nicht genommen. Je genauer ein potenzieller Stelleninhaber das Profil erfüllen soll, desto stärker ist die Hilfe eines branchenspezifischen Personalberaters gefragt.

Ausblick auf das Jahr 2011:

Auf Basis von knapp 100 durch die Rau Consultants GmbH besetzten Stellen in 2010 und unserer 35-jährigen Branchenerfahrung schätzen wir den Trend auf dem Arbeitsmarkt in der Lebensmittelindustrie für 2011 wie folgt ein:

Der starke Aufschwung in der deutschen Wirtschaft hat den Wettbewerb um die besten Köpfe weiter angeheizt. Fast 50 Prozent aller bundesweit mittelständischen Unternehmen aus der Lebensmittelbranche planen, in den kommenden drei Jahren vor allem High Potentials einzustellen. Besonders nachgefragt sind Positionen im Vertrieb sowie Spezialisten in der Produkt- und Verpackungsentwicklung. Der Bedarf an Controllern wird stetig abnehmen, da diese vor allem in der Krisenzeit eingestellt wurden. Die durchschnittlichen Löhne und Gehälter werden nochmals ansteigen und somit das Niveau von 2008 wieder erreichen.

Neben dem langfristig stabilen Inlandsgeschäft wird der Export wieder an Bedeutung gewinnen. Die Lebensmittelindustrie wird deshalb den Weg der Internationalisierung konsequent fortsetzen. Besonders günstig sind die Exporterwartungen für Regionen außerhalb der EU wie die GUS-Staaten, Asien und Nahost. Daher werden Mitarbeiter gesucht, die sich auf internationalen Märkten bewegen können. Dies gilt sowohl für Konzerne als auch für den Mittelstand.

Die Situation für Absolventen bleibt schwierig, da hauptsächlich Kandidaten mit mindestens zwei bis drei Jahren Berufserfahrung gesucht werden. Da das Exportgeschäft weiter anziehen wird, werden Sprachkenntnisse und die Fähigkeit, sich auch im Ausland sicher zu bewegen, wichtiger werden. Bereits im Studium sollte daher gezielt im Rahmen mehrerer, qualifizierter Praktika oder im Rahmen eines Auslandssemesters darauf hingearbeitet werden.

Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

Melde dich jetzt zum HRM Newsletter an