Was Unternehmen aus der Praxis der Universität des Saarlandes lernen können
Für HR-Verantwortliche gehört die Sicherung von Fachkräften längst zu den zentralen strategischen Aufgaben. In einem zunehmend umkämpften Arbeitsmarkt entscheidet nicht allein das Gehalt über Attraktivität und Bindung, sondern auch die Frage, wie gut sich berufliche Anforderungen mit familiären Lebensrealitäten vereinbaren lassen. Gerade für Organisationen mit anspruchsvollen Tätigkeitsprofilen, internationalen Teams und flexiblen Arbeitszeiten wird eine verlässliche Kinderbetreuung damit zu einem echten Gamechanger in der Personalgewinnung und -bindung.
Die Universität des Saarlandes (UdS) zeigt seit vielen Jahren, wie betriebsnahe Kinderbetreuung strategisch eingesetzt werden kann – nicht als kurzfristiger Benefit, sondern als tragender Bestandteil moderner Personalpolitik.
Familienfreundlichkeit als strategische Entscheidung
Für die Universität des Saarlandes ist die Vereinbarkeit von Beruf oder Studium, Forschung und Familie kein Zusatzangebot, sondern Teil der Organisationskultur. Seit 2004 nimmt die Hochschule am Audit „familiengerechte hochschule“ teil und erhielt 2017 als erste deutsche Hochschule das unbefristete Zertifikat. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit, Chancengleichheit und private Lebensrealitäten miteinander verbinden. Ein zentraler Baustein hierbei ist eine hochwertige, verlässliche und bedarfsorientierte Kinderbetreuung.
Die Kita Unikate: Betreuung dort, wo gearbeitet wird
Mit der Eröffnung der Kita Unikate auf dem Campus Saarbrücken im Jahr 2010 ging die Universität des Saarlandes einen konsequenten Schritt: eine Kindertagesstätte auf dem Campus Saarbrücken für die Kinder von Beschäftigten. Bis zu 67 Kinder werden dort in vier Gruppen täglich betreut.
Aus Sicht der Universität erfüllt die Einrichtung mehrere Funktionen zugleich:
- Sie schafft Vertrauen durch hohe pädagogische Standards.
- Sie reduziert Alltagsbelastungen durch kurze Wege und klare Abläufe.
- Sie sichert durch ganzjährige Öffnungszeiten stabile Arbeitszeiten bei notwendiger Flexibilität für Forschung, Lehre und Verwaltung.
Kinderbetreuung wird damit nicht als Einzelmaßnahme, sondern als integraler Bestandteil einer verlässlichen universitären Infrastruktur verstanden.
Kinderbetreuung als Faktor für Bindung und Planungssicherheit
Die Universität des Saarlandes vertritt einen vielfältigen und inklusiven Familien- und Sorgebegriff. Dieser umfasst alle Formen von Eltern-Kind-Gemeinschaften – darunter Alleinerziehende, Patchwork- und Regenbogenfamilien, Ehen und Lebensgemeinschaften ebenso wie Geschwisterbeziehungen – sowie die Betreuung und Pflege älterer oder hilfsbedürftiger Angehöriger im gleichen Haushalt.
Verlässliche Kinderbetreuung ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Mitarbeitende ihre beruflichen Aufgaben dauerhaft und planbar wahrnehmen können. Sie beeinflusst die Gestaltung von Arbeitszeiten, das Gelingen von Rückkehrprozessen nach Familien- oder Sorgezeiten sowie den Umfang möglicher Erwerbstätigkeit. Wer erlebt, dass Sorgeverantwortung ernst genommen und institutionell unterstützt wird, trifft berufliche Entscheidungen bewusster und nachhaltiger.
Professionelle Trägerarbeit als Qualitätsfaktor
Eine universitäre Kindertagesbetreuung erfordert neben pädagogischer Kompetenz vor allem stabile organisatorische und strukturelle Rahmenbedingungen. Gerade im Hochschulumfeld kommen besondere Anforderungen hinzu: internationale Familien, unterschiedliche Arbeitszeitmodelle sowie komplexe Verwaltungs- und Förderstrukturen.
Seit 2015 kooperiert die Universität des Saarlandes mit dem Träger Impuls Soziales Management in der Kita Unikate. Impuls ist bundesweit als Träger von Kindertageseinrichtungen tätig und entwickelt Betreuungslösungen für Unternehmen und Institutionen.
Aus Sicht der Universität sind dabei insbesondere folgende Aspekte entscheidend:
- Die Übernahme des Betriebs erfolgte professionell, umsichtig und im engen Austausch mit allen Beteiligten.
- Impuls Soziales Management überzeugt durch klare, transparente Finanzsteuerung.
- Kommunikation ist offen, konstruktiv und lösungsorientiert; flexible, tragfähige Lösungen berücksichtigen die Anforderungen der Universität.
- Regionale Ansprechbarkeit sorgt für unkomplizierten Kontakt vor Ort, erleichtert Abstimmungen und stärkt Vertrauen.
Langjährige Zusammenarbeit schafft Vertrauen
Die mittlerweile über zehnjährige Zusammenarbeit hat aus Sicht der Universität Vertrauen und Planungssicherheit geschaffen. Gerade bei sensiblen Themen wie Kinderbetreuung ist Kontinuität ein zentraler Faktor – für Familien ebenso wie für Organisationen.
„Für das Employer Branding ist die Kita Unikate ein klarer Standortvorteil. Beschäftigte mit Familienverantwortung fühlen sich gesehen und wertgeschätzt, was Loyalität stärkt und die Wechselbereitschaft senkt. Damit trägt die Kita nicht nur zur individuellen Entlastung bei, sondern unterstützt auch die Leistungsfähigkeit der gesamten Universität“, sagt Estelle Klein-Frey, Leiterin der Stabsstelle Chancengleichheit und Diversitätsmanagement an der Universität des Saarlandes.
Neben fachlicher Qualität spielt auch die Haltung eine Rolle. Werte wie Vielfalt, Respekt, Inklusion und Toleranz ebenso wie Empathie und Authentizität prägen die Hochschulkultur der Universität des Saarlandes und spiegeln sich auch im Alltag der Kinderbetreuung wider. Eine gemeinsame Wertebasis erleichtert Abstimmungen und stärkt die Zusammenarbeit.
Belegplätze als flexible Ergänzung bestehender Strukturen
Mit wachsender Beschäftigtenzahl und steigender Nachfrage stoßen selbst etablierte Betriebskitas an Kapazitätsgrenzen. Die Universität des Saarlandes ergänzt ihr Betreuungsangebot daher durch den gezielten Zukauf von Belegplätzen, etwa in der Impuls-Kita Großherz in Saarbrücken.
Diese haben sich als sinnvolle Ergänzung erwiesen, da sie es ermöglichen, auf wachsende oder veränderte Bedarfe flexibel zu reagieren und gleichzeitig eine gleichbleibend hohe Betreuungsqualität über mehrere Standorte hinweg sicherzustellen. Für Beschäftigte bedeutet das Verlässlichkeit, auch wenn der Betreuungsbedarf nicht direkt am Campus gedeckt werden kann. Für die Universität entsteht zusätzliche Handlungssicherheit, ohne dauerhaft neue Infrastruktur schaffen zu müssen.
Fazit
Das Beispiel der Universität des Saarlandes zeigt, dass Kinderbetreuung dann wirksam ist, wenn sie langfristig gedacht wird:
- als Investition in Bindung und Planungssicherheit
- als Bestandteil der Personalstrategie
- als Kombination aus stabilen und flexiblen Angeboten
Gerade in Organisationen mit heterogenen Belegschaften bietet dieses Zusammenspiel entscheidende Vorteile.
Familienfreundliche Betreuungsstrukturen sind strategische Investitionen. Die Erfahrungen der Universität des Saarlandes zeigen, dass nachhaltige Lösungen dort entstehen, wo professionelle Trägerarbeit, pädagogische Qualität und eine strategische Personalpolitik zusammenkommen. „Die Kombination aus unserer universitätseigenen Kindertagessstätte sowie dem ergänzenden Belegplatzmodell stellt einen wichtigen Faktor für unsere Standortattraktivität dar und trägt maßgeblich zur Gewinnung und langfristigen Bindung unserer Beschäftigten bei“, resümiert Estelle Klein-Frey. Für Unternehmen und Institutionen, die Vereinbarkeit ernst nehmen, lohnt sich daher der Blick auf erprobte Modelle – insbesondere im Zusammenspiel von Betriebskita und Belegplätzen.













