Der Kostendruck ist bei einfachen und damit leicht imitierbaren Produkten und Dienstleistungen am höchsten, ist aber zunehmend auch in höherwertigen Segmenten erkennbar. Eine Differenzierung zu den Konkurrenten ausschließlich über den Preis erzeugt einen Teufelskreis, in dem Unternehmen, die diesen Weg gehen, gezwungen sind, Produkte bei zumindest gleich bleibender – eventuell aber auch höherer – Qualität zu immer besseren Kosten produzieren zu müssen. Auf Dauer kann dieses Vorgehen gefährlich sein.

people sitting on chair in front of table while holding pens during daytime
Foto von Dylan Gillis

Weißenrieder und Kosel empfehlen aus diesem Grund den Unternehmen, sich gegenüber den Konkurrenten über die Potenziale und Innovationskraft ihrer Mitarbeiter zu differenzieren. Sie sehen in der Kunst, Potenzial zu finden, zu entwickeln, zu vernetzen und zur vollen Entfaltung zu bringen, einen klaren und vielleicht entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Zu Unterstützung dieser Strategie stellen die beiden Autoren ein integriertes Human-Resources-Management-System bestehend aus folgenden Instrumenten vor:

  • Zielsysteme
  • Regelkommunikation
  • Führungskräfteentwicklung
  • Veränderungen systematisch gestalten
  • Teamentwicklung
  • Kontinuierliche Prozessoptimierung
  • Leistungs- und ergebnisorientierte
  • Vergütung
  • Systematische Personalentwicklung

Diese acht Instrumente weisen den Autoren zufolge eine hohe Wechselwirkung auf und müssen vernetzt und so gestaltet werden, dass die Maßnahmen, die Unternehmen auf Basis der Personalstrategie setzen, möglichst nachhaltig wirken.

Der Aufbau des Buches ist meines Erachtens gut gelungen. Der Leser kann sich über einheitlich und übersichtlich strukturierte Kapitel freuen und profitiert vom Bemühen der beiden Autoren um eine Reduktion der Komplexität. Die Inhalte sind leicht verständlich dargestellt, offene Fragen fordern das Mitdenken des Lesers ein und zahlreiche Praxisbeispiele, Checklisten und Vorschläge zu Formularen unterstützen die Umsetzung des erworbenen Wissens. Im Ergebnis bieten die beiden Autoren eine ganzheitliche Arbeit zu den aktuell wichtigsten Themen des Human Resources Managements, die sich aus meiner Sicht primär an Unternehmer und Manager richtet, die sich einen schnellen und inhaltlich qualifizierten Überblick über die Personalarbeit verschaffen wollen.

Nachhaltiges Personalmanagement.
Acht Instrumente zur systematischen Umsetzung.
Von Jürgen Weißenrieder und Marijan Kosel
Gabler Verlag 2005.
244 Seiten, 34,90 Euro.
ISBN 3-8349-0133-4
www.gabler-verlag.de

Leseprobe
Nachhaltig ist aus unserer Sicht ein Personalmanagement im Unternehmen, das

  • Einstellungen und Verhalten beeinflusst,
  • sich den wandelnden Anforderungen in einer sich ständig selbst regulierenden Form anpasst,
  • langfristig wirksam zum Erfolg führt und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichert.

Wir werden uns mit einer Reihe von Managementinstrumenten beschäftigen, die aus unserer Sicht zu einem nachhaltigen Personalmanagement gehören und den Veränderungsprozess dahin leisten beziehungsweise unterstützen können. Wenn wir den Begriff „Nachhaltiges Personalmanagement“ verwenden, dann trägt dies aber nicht nur mechanistische Züge in der Form, dass es ausreichen würde, einfach verschiedene Instrumente willkürlich aneinander zu reihen. Nachhaltiges Personalmanagement stellt diese Instrumente in einen Zusammenhang. Sie stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Sie helfen und unterstützen sich gegenseitig. Im ersten Teil möchten wir auf diesen Zusammenhang, sozusagen auf den philosophischen Hintergrund von NPM, eingehen, weil wir zutiefst davon überzeugt sind, dass Unternehmen nur dann in der Lage sein werden, sich den Veränderungen der nächsten Jahrzehnte erfolgreich zu stellen, wenn sie sich auch mit den Grundsätzen des nachhaltigen Personalmanagements beschäftigen.
Es gibt eine Reihe guter Gründe, sich dem Thema zu stellen. Nicht nur die demografischen Entwicklungen legen dies nahe, obwohl in den meisten Unternehmen derzeit andere Themen wie lahmende Konjunktur, Restrukturierungen und Personalabbau im Vordergrund stehen. Dabei wird in Zukunft folgender Sachverhalt die Volkswirtschaft der westlichen Industrieländer beschäftigen: Das rapide Wachstum der älteren und das schnelle Schrumpfen der jüngeren Generation.

Quelle: personal manager 2/2006