Arbeitshilfe: Auswertung mehrerer Checklisten zur Beraterauswahl

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Foto von Damian Patkowski

Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. hat eine herausgegeben. Die Managementberatung Contence hat es auch getan. Und der H&T Verlag der Verlagsgruppe Handelsblatt hat gar ein ganzes Jahrbuch rausgebracht. Die Rede ist von Auswahl-Guides für Unternehmen, die Berater suchen. Wer mal eine halbe Stunde dazu googelt, trifft auf so einige Leitfäden. Sie tragen die Handschrift ihrer Verfertiger. Das fällt umso mehr ins Auge, wenn die Leitfäden auf dem Schreibtisch mal nebeneinander liegen: Was erzählt Ratgeber A, was Ratgeber B nicht preisgibt? Und welche Liste bietet echtes Branchen-Knowhow und wo macht der Verfasser einfach nur Programm mit ein paar lauwarmen Tipps? Die hätte der Leser vielleicht auch noch gewusst (Beispiel: „Kennen Sie bereits Berater und welche Erfahrungen haben Sie mit ihnen gemacht?“). Die eine goldrichtige Checkliste gibt es kaum. Da wenig Checklisten außerdem prozessorientiert geschrieben sind, empfiehlt sich für den interessierten Anwender, sich selbst aus den Modulen eine Master-Checkliste zusammenzustellen. Das ist allerdings rasch möglich, ersetzt aber natürlich keine Erfahrungswerte. Checklisten sind rote Fäden für den nachfolgenden Gang ins Labyrinth; so erzählt es der Mythos und fordert es die Realität.

Dreißig Meter Faden für die erste Labyrinth-Etappe:
Bedarfserhebung inhouse

Dr. Rüdiger Alte, der den Service „Intergrierte MarketinXervice“ in Erfurt anbietet, gehört zu jenen, die es mit ihnen Lesern wirklich gut meinen. Er fragt in cleverer Reihenfolge „Für welche Vorhaben benötigen Sie Unterstützung?“, „Haben Sie in diesem Bereich Ihre Ziele definiert?“ und „Welches Knowhow besitzen Sie für das Vorhaben?“. Danach fragt er schmunzelnd: „Wenn Sie Ihre Ziele kennen und das notwendige Knowhow besitzen, warum benötigen Sie dann überhaupt eine externe Beratung?“ Es ließe sich noch hinzusetzen, dass auch vorher einmal Mitarbeiter befragt werden müssten, bevor ein Externer gegen hübsches Geld tut, was Interne ebenfalls gekonnt hätten.

Gesetzt den Fall, der Leser ist sich seines Bedarfes ganz sicher, dann kann er seine Basis mit diesen Fragen weiter ausbauen, die der Berater-Guide des H&T Verlages vorschlägt:

– Benötigen Sie Beratung für einen kompletten Bereich oder für Teilthemen?
– Haben Sie daran gedacht, dass beabsichtigte Änderungen in Struktureinheiten
  oder in der IT-Aufstellung Effekte für Mitarbeitende haben?

– Möchten Sie, dass der Berater lediglich ein Konzept erarbeitet, das Sie
  umsetzen, oder soll er während der Umsetzung an Bord bleiben und unterstützen?

– Brauchen Sie Unterstützung in Bereichen, die sich personell und
  organisationstechnisch im ständigen Fluss befinden oder aber in Bereichen,
  die bislang konsequent geplant und umgesetzt wurden? Das hat eine enorme
  Auswirkung für die Beraterwahl. Es gibt nämlich jene, die treuherzig beteuern,
  dass Projekte nicht flexibel gestaltet werden können – zumindest in der Beratung
  nicht und schon gar nicht nach der Erstellung eines Konzeptes.
 
– Können Sie die Schwachpunkte und Hemmnisse, wegen der Sie Beratung
  möchten, schon konkret beschreiben?

Goldene fünf Meter Faden für die nächste Etappe: Emotionen im Labyrinth

Die vorhin zitierte Frage, ob Sie vielleicht schon Berater kennen, ist vielleicht ungelenk, zielt aber auf das Richtige: Mit Sicherheit gibt es Unternehmen, mit denen Sie inoffiziell netzwerken und die Sie ganz neutral einmal nach Erfahrungen mit Beratern fragen können. Fragen kann und darf man ja immer. Auch ohne konkreten Anwendungsfall. Wenn Sie diesen Schritt noch in die Vorbereitungsphase nehmen, dann gewinnen Sie eine spürbare Nähe zum Thema. Emotionen werden bei Gesprächspartnern wach („Ach, der hat Berater vielleicht …“, „Ich kann Ihnen sagen…“, Ja, das wirklich gut …“). Sie sehen, wie andere an das Thema herangehen und wie unterschiedlich die Meinungen doch sein können. Sie entwickeln ein lebendiges Gespür für Situationen und Menschen. Und genau darum geht es in hohem Maße. Sie ordern ja kein Maßband beim Baumarkt. Zugegeben: Das hätten Sie jetzt auch noch gewusst.

Fünfzig Meter Faden für die Marathon-Etappe:
Jetzt geht´s ins enge Gangsystem

Hausaufgaben gemacht? Gesichter, Erfahrungen und Emotionen zum Thema aufgenommen? Dann schneiden Sie das Hauptthema an. Jetzt darf zum Stift gegriffen werden, jetzt wird recherchiert.

Die kommende Strecke sollte in Phasen unterteilt werden:

– Internetrecherche (Websites vergleichen 7 Angebote anschauen)
– Angebote anfordern / Kontakt aufnehmen
– Beraterexpertise analysieren
– Auswahl vornehmen
– Berater zum Gespräch einladen / Expertise prüfen

Von diese Fragen könnten Sie sich leiten lassen:

Internetrecherche:

– Wie wirken die Websites auf Sie?
– Wie individuell sind die Websites? Sticht eine heraus? Warum?
– Werden auf der Seite Berater vorgestellt? Wenn ja, wie? Könnte
  man die Fotos der Berater austauschen – mit anderen Worten:
  Finden Sie Hochglanz-Profile vor oder vermitteln die Profile Persönlichkeit?

Beraterexpertise analysieren:

Laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. sollten Sie fragen nach u.a.

– Schwerpunkt des Beraters in Ihrem Tätigkeitsfeld (nicht branchenübergreifend)
– Weiterbildungsaktivitäten des Beraters
– Branchen-Kenntnisse / Markt-Knowhow des Beraters
– Zugehörigkeit zu einem Berufsverband
– Bekanntheitsgrad des Beraters
– Qualifizierung des Beraters (BDU: Hochschulabschluss /
  Andere: Relevante Berufserfahrungen und Ausbildungen)
– Verständnis des Beraters für Ihr Geschäftsmodell / Unternehmen
– Langjährige Tätigkeit als Berater (BDU: Für Personalberater 5 Jahre im Executive Search)
– Fähigkeit zur Definition von zukunftsorientierten Anforderungsprofilen (Personalberater)
– Erfahrungen mit vergleichbaren Projekten

Fragen zur Organisation des Beraters:

– Unternehmensstruktur mit Gründungsjahr und Größe (Umsatz, Personal)
– Unternehmensphilosophie (Anmerkung der Redaktion: Wenn überhaupt ernst
  zu nehmen, Arbeiten nach z.B. Schumpeter ist entgegen Standardsprüchen
  schon ziemlich klar)
– Beratungsgebiete mit angebotenen Leistungen
– Referenzschreiben
– Regionale Präsenz

Fragen zum Angebot selbst:

– Terminplanung verläuft wie?
– Vorschläge zur Projektorganisation lauten wie?
– Honorarbildung und Nebenkosten gestalten sich wie?
– Zahlungstermine sind wann?
– Preis-Leistungs-Verhältnis sieht wie aus?

Berater zum Gespräch einladen / Expertise prüfen:

Die Managementberatung Contence setzt weitere Kriterien hinzu:

– Bietet Ihnen die Beratung Beraterpersönlichkeiten an, denen Sie den
  Umgang mit Ihren Mitarbeitern und die erforderliche soziale Kompetenz zutrauen können?

– Wird Ihr Transparenzbedarf erfüllt (z. B. Vorgehensweise / Projekt-Begleitung / Transfer-Knowhow)?

– Wie gehen die Berater überhaupt mit Knowhow-Transfer um? Ein guter Berater gibt
  Wissen weiter – an den Auftraggeber und seine Mitarbeiter.

– Wie präsentiert Ihnen der Berater seine Referenzen? Wie bereitwillig vermittelt er Kontakte
  zu Referenzkunden? Können Sie die auswählen oder führt er seine „drei Freunde“ ins Feld?

– Schickt das Beratungsunternehmen Ihnen seine Verkaufsgarde oder lernen Sie
  den potentiellen Berater selbst kennen? Verkäufer haben andere Aufgaben als
  Berater – denken Sie daran.

Dr. Rüdiger Alte fragt zusätzlich:

– Gibt es individuelle Lösung oder von der Stange?
– Was passiert, wenn Ziele und Ergebnisse nicht erreicht werden?
– Gibt es eine Dokumentation des Beratungsprozesses?
– Gibt es bei langen Beratungsprozessen Zwischenberichte?
– Was passiert, wenn Zeitvorgaben nicht eingehaltern werden?
– Gibt es „Exit“-Möglichkeiten aus dem Auftrag?
– Wird eine Nachschau geboten?

Die letzten fünfzehn Meter Faden: Herz oder Bube?

Alle Ratgeber sind sich ziemlich einig darin, dass alle Punkte noch so toll ausgearbeitet sein können und auch der Berater professionell erscheinen kann – wenn die Chemie nicht stimmt, dann hilft alles Feuerwerk nichts – der Faktor Mensch wird das Projekt unterm Strich nicht tragen. Die beste Ratgeberfrage dazu lautet: Würden sie den Berater auch als Mitarbeiter einstellen? Oder denken Sie: „Na gut, für die paar Wochen, bzw. Monate geht es, was soll´s…“.

Wir wünschen Ihnen nun ein glückliches Händchen bei der Auswahl eines Beraters.

Linkliste ausgewählte Checklisten:

http://www.bdu.de/beraterdatenbank/tipps-beraterauswahl
http://www.amazon.de/BeraterGuide-Jahrbuch-Beratung-Mangement-2012/dp/3937596437
http://www.imarketinx.de/uploads/media/berater_finden.pdf

 

  



 

 

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