Alt gegen Jung – Erfahrung gegen Dynamik

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Foto von Toa Heftiba

Würden sich Angela Merkel und Guido Westerwelle heute um eine Stelle bewerben, hätten sie vermutlich nur schlechte Chancen. Beide haben die magische Altersgrenze von 45 überschritten – und fallen damit unter die Kategorie “ältere Arbeitnehmer”.

Viele Personaler haben in diesem Zusammenhang noch immer Aussagen im Kopf wie

■‘Ältere sind weniger flexibel und lernfähig’
■‘Ältere sind häufig krank und verursachen mehr Personalkosten’

Jüngere Beschäftigte gelten dagegen als leistungsstark, dynamisch und innovativ. Und so verwundert es nicht, dass Ältere nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit länger arbeitslos sind und schwerer wieder einen Arbeitsplatz finden.

Doch die Jugendorientierung vieler Personalabteilungen ist angesichts des demografischen Wandels mehr als kurzsichtig. Denn schon jetzt beträgt das Durchschnittsalter aller Beschäftigten in Deutschland 40,5 Jahre – Tendenz steigend. Dabei wird ein großer Pluspunkt von “älteren Mitarbeitern” übersehen: Erfahrung.

Menschen ab 45 haben schon so manche Krise mitgemacht und bewältigt. Sie bleiben daher in solchen Situationen ruhiger und umsichtiger. Das zeigt auch eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Demnach werden ältere Ingenieure von den Unternehmen vor allem wegen ihrer Projekterfahrung und ihres umfassenden technischen Wissens geschätzt. Dazu kommt, dass für Ältere in der Regel nicht mehr die Karriere und ihre Profilierung im Vordergrund stehen, sondern das Lösen von Problemen.

Außerdem sind ältere Führungskräfte und Mitarbeiter oft flexibler als jüngere, denn sie müssen nicht mehr auf schulpflichtige Kinder Rücksicht nehmen. Inwieweit jemand lernfähig und -willig ist, hängt nach Analysen der Gerontologie und der Pädagogik zudem nicht vom biologischen Alter ab, sondern von Faktoren wie Berufsbiografie und Motivationslage. Jemand, der sich sein Leben lang neues Wissen aneignete, wird das auch mit fortschreitendem Alter tun.

Der Unterschied zwischen Alt und Jung besteht darin, dass sich die Art des Lernens ändert. Der Praxisbezug wird bei Älteren immer wichtiger.

Innovativ ist doch derjenige, der aktuelles Wissen mit langjähriger Berufserfahrung kombinieren kann.

Nur wer beides hat, kann einschätzen, was sich wirklich sinnvoll umsetzen lässt. Gerade das macht auch Politiker vertrauenswürdig. Ein Mitzwanziger hätte wohl kaum Chancen auf das Amt als Bundeskanzler, weil er eben zu wenig Erfahrung hat. Wenn es in der Politik um richtungsweisende Entscheidungen für das Land geht, zählt Erfahrung also sehr viel.

Warum nicht auch im Berufsleben?

Detlev Weise @ www.jobklinik.de 12.10.2009

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