Und das geht so: Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus Mannheim hat für die Stiftung erhoben, welchen Beitrag Ausländer zu den öffentlichen Haushalten leisten. Das Ergebnis: Durchschnittlich zahlt jeder Ausländer 3.300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben als er an staatlichen Leistungen erhält. Die ZEW-Forscher wagen aufgrund dieser Tatsache einen Blick in die Zukunft. Sie rechnen vor: Wenn die heute in Deutschland lebenden Ausländer in der Altersgruppe der unter 30Jährigen durchschnittlich das gleich Bildungsniveau hätten wie ihre deutschen Staatskollegen, dann würden sie auch mehr verdienen. Dazu hat das ZEW ebenfalls ein Szenario entwickelt: 118.400 Euro würde jeder der Bezeichneten über seine gesamte Lebenszeit hinweg mehr an Steuern und Abgaben zahlen. Bis diese Vision wahr wird, muss es nicht lang dauern, wie die Studie vorrechnet: Jeder deutsche Bundesbürger könnte um 400 Euro fiskalisch entlastet werden, wenn in den nächsten Jahren mindestens 200.000 Zuwanderer kämen, von denen 30 Prozent hochgebildet und 50 Prozent mittelmässig gebildet seien.

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Foto von Studio Republic

So weit, so lückenhaft. Das rosige Bild lässt ausser Acht, dass Deutsche bildungstechnisch nicht gerade zu den Weltmeistern gehören, dass Tausende gute ausgebildete Menschen unterbezahlt arbeiten, weil ihre Branchen international unter Druck stehen und nicht jeder will im Zukunftsland von Vizekanzler Sigmar Gabriel – der digitalisierten Industrie leben und arbeiten. Dass ausserdem mehr Arbeitnehmermobilität auf der Agenda der Brüsseler Arbeitsmarktstrategen steht, ist auch kein Parameter der frohen Botschaft.

Aber für zahlensachliche Menschen mag die Meldung trotz allem Klang im Ohr sein. Ist er das aber in allen deutschen Gehörgängen? Reicht das, um alle zu beruhigen, die erleben, dass ihre Sicherheit schwindet? Die Studie ist grosses Controlling am Rechenschieber staatlichen Personalmanagements. Ein guter Beitrag zur Integrationsdebatte ist sie nur bedingt. Denn wer Menschen so berechnend anderen als wertvoll verkauft, muss sich nicht wundern, wenn diese ihrerseits zu rechnen anfangen und alle anderen verkaufen. Von Willkommenskultur ist im Medienwirbel um die Studie natürlich kaum die Rede. Niemand sagt samstags um 20:00 Uhr am Hauseingang: „Danke, dass Du da bist, jetzt haben wir wenigsten noch drei Salate und zwei Torten mehr. Beim nächsten Mal sollte es allerdings das Doppelte sein“. Es heisst: „Fühl Dich wie zuhause. Danke für die Leckereien.“

Noch eine Randnotiz: Es war übrigens die Zeitung „Rheinpfalz“ die neben dem Bericht über die Studie eine Meldung über die Weiterverwertung des in 2019 auslaufenden Solidaritätszuschlages platzierte. Tenor: Was soll Berlin nun tun, um den Bürgern den Euro für den Soli auch für andere Zwecke aus der Tasche ziehen zu dürfen. Für die 400 Euro wird es also wohl schon noch eine Verwendung geben.  

Und nun das reale Ergebnis der Studie, erfasst mit dem Menschenverstand: Ausländer kosten uns Geld? Ja und nein. Dieser Sachverhalt steckt unmissverständlich im Wörtchen „Durchschnitt“.  Auch nicht vergessen, ganz wichtig: Gastarbeiter, die uns warm halten – das war mal und würde von Hunderttausenden Türken, Italienern und anderen als diskriminierend empfunden!

Foto: Copyright: Dieter Wendelken | www.pixelio.de

Service

Bericht der Bertelsmann Stiftung: www.bertelsmann-stiftung.de
Bericht des Handelsblattes über die Studie: www.handelsblatt.de

Historie: Gerhard Polt:
Freiheit und seine Bedingungen: www.youtube.com
Ein Kabarettist über Gastarbeiterwohl: www.youtube.com