„Wer heute Leistung will, muss Sinn bieten“

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Foto von Samantha Gades
Veranstaltungstipp

Keynote-Vorträge von Dieter Lange:

„Sieger erkennt man am Start – Verlierer auch“

  • Messe PERSONAL2011 Nord,    CCH Hamburg Donnerstag, 7. April 2011, 14.45 – 15.30 Uhr, Praxisforum 2
  • Messe PERSONAL2011 Süd, M,O,C, München Donnerstag, 14. April 2011, 13.35 – 14.20 Uhr, Praxisforum 1

Weitere Informationen:

www.personal-messe.de/nord und www.personal-messe.de/sued

Herr Lange, eine fast zweijährige Weltreise – das hört sich verlockend an, aber auch mutig. Was hat Sie damals dazu motiviert?

Der Hintergrund war schlicht der, dass ich viele Fragen hatte, die mir aber niemand beantworten konnte – weder Wissenschaftler noch Bücher: Was ist Erfolg? Was bedeutet Geld? Was ist Glück? Und was sind Liebe und Freiheit? Worum geht es im Leben überhaupt? Und ich stellte mir natürlich auch die Grundfrage aller Religionen: Wer bin ich? Der Entschluss zur Reise kam recht spontan. Ich sagte mir: „Die Heiligen und Schamanen dieser Erde werden wohl die Antworten haben.“ Ich war sowohl mit Berbern in der Wüste zusammen als auch mit Burjaten am Baikalsee in Sibirien und mit Hopi-Navajo-Indianern in den USA. Die längste Zeit habe ich in Klöstern in Indien, Nepal und Ceylon verbracht und mich mit Buddhismus, Hinduismus und Zen beschäftigt.

Welche Antworten haben Sie auf Ihre Fragen gefunden?

Die Essenz der Weisheitslehre ist überall die gleiche – egal ob sie von Jesus, Buddha, Krishna oder Mohammed kommt. Seitdem versuche ich, östliche Weisheit mit westlichem Wissen zu verbinden. Eine wichtige Erkenntnis dabei war: Lebenskrisen sind grundsätzlich Wahrnehmungskrisen. Das heißt, die Lösung von Problemen besteht immer darin, die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Um es mit Einstein zu sagen: „Probleme kann man nicht mit der derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Das versuchen aber die meisten, wie der berühmte Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen wollte. Unsere Wahrnehmung zu schulen, ist im Prinzip der zentrale Angelpunkt, wenn es um essenzielle Fragen im Leben geht.

Im Bezug auf das Management gebrauchen Sie dafür den Begriff „Business Reframing“. Was bedeutet das konkret?

Das bedeutet, das Produkt hinter dem Produkt zu sehen, nicht immer nur das Vordergründige. Die Frage dafür lautet: Was ist das Unternehmensziel? Nokia verkauft keine Mobiltelefone, sondern „connecting people“. BMW verkauft nicht vorrangig Autos, sondern die Freude am Fahren. Harley-Davidson sagt: „We sell you a dream, the bike is for free.“ Wir scheuen uns oft, eine solche neue Sicht auf die Dinge einzunehmen, denn wir wenden gerne Methoden an, die wir gewohnt sind. Nur: Die Lösungen von gestern sind die Probleme von heute.

Welche Bedingungen erleichtern uns eine Wahrnehmungsveränderung?

Grundsätzlich ändern sich Menschen nur, wenn zwei Dinge gegeben sind: Der Leidensdruck muss groß genug sein und/oder die Begeisterung für ein neues Ziel. Beides ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern in Asien und Amerika, wo ich auch viel beruflich unterwegs bin, eher schwach ausgeprägt. Während gerade im asiatischen Raum die Begeisterung und das Spielerische dominieren, sind wir hier in Deutschland eher getrieben von Veränderungsdruck und produzieren letztendlich mehr davon. Wie Goethe sagt: „Getretener Quark wird breit – nicht stark.“

Einen gewissen Veränderungsdruck spüren Personaler gerade dadurch, dass in bestimmten Branchen oder Regionen nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Kann das eine Motivation sein für Veränderung und kommt das schon in den Unternehmen an?

Es gibt da schon eine Dynamik und eine Tendenz dazu, dass immer mehr die Einstellung „People first“ herrscht. Die Unternehmen begreifen, dass es das Entscheidende ist, die richtigen Leute an Bord zu haben. Aber die Vorstellungsgespräche zum Beispiel sind noch viel zu technokratisch, sachlich und fachlich. Junge Leute stellen heute andere Fragen und haben andere Anforderungen. Darauf sind viele Firmen überhaupt nicht eingestellt. Unter Personalern herrscht häufig die Ansicht, dass Bewerber froh sein sollten, den Job überhaupt zu bekommen. Ich bezweifle, dass die Einstellungskriterien, nach denen heute Mitarbeiter ausgewählt werden, noch optimal sind. Ich habe ein ganzes Set von Fragen, wenn ich bei Einstellungsgesprächen von Top-Führungskräften dabei bin, die so in dieser Form normalerweise überhaupt niemand stellt.

Welche Fragen sind das?

Ich bitte den Kandidaten zum Beispiel, drei Dinge zu nennen, die ihn symbolisieren. Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Das kann eine Farbe sein, ein Auto, das kann ein Land sein, ein Tier, eine Pflanze – und da tun sich die meisten ungeheuer schwer. Viele Menschen, auch die Personalverantwortlichen und Führungskräfte, haben gar kein Lebensziel. Sie haben zwar Ziele, aber die sind nur wie Kapitel im Buch ihres Lebens. Sie kennen den Titel des Buches gar nicht. Wer heute Leistung will, muss Sinn bieten. Die Grundfrage eines Bewerbers müsste lauten: „Worum geht es in einem Unternehmen eigentlich?“ Oder anders herum: „An welchem Spiel nehme ich hier eigentlich teil?“ Da tun sich Personaler unglaublich schwer. Es kommen nur Fachtermini, aber das bringt die Augen nicht zum Leuchten.

Sie meinen also, Personaler sollten ihre Grundeinstellung in Bewerbungsgesprächen verändern?

Ja, denn Persönlichkeit ist heute das Kriterium für den Erfolg von Personalmanagement – auf Seiten der Bewerber ebenso wie auf Seiten der Personaler. Firmen verkaufen sich oft im Internet sehr gut, aber die Personen, die eine Firma repräsentieren, sind häufig nicht glaubwürdig. Und gerade bei Personalverantwortlichen ist das extrem wichtig, denn sie sind oft die erste Kontaktperson, die ein Bewerber kennenlernt. Wenn da die Begeisterung nicht vorhanden ist oder sie die Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Unternehmens nicht beantworten können, ist es schwer, die passenden Leute zu finden.

Und wie sieht es mit der Persönlichkeit auf seiten des Bewerbers aus?

Das Geheimnis von Erfolg ist mentale Konditionierung. Wir sehen Menschen einfach ihre Haltung an. Wie man geht, so geht es einem. Wie man steht, so steht es um einen. Und vor allen Dingen erkennen Sie das gut am Gesicht. Wir haben ein feines Sensorium, so etwas wahrzunehmen. Das erleben Sie auch in Einstellungsgesprächen: Personaler entscheiden oft innerhalb weniger Sekunden, ob sie diesen Kandidaten wollen oder nicht – zumindest wenn die Basisvoraussetzungen stimmen.

Womit wir bei Ihrem Vortragsthema auf der PERSONAL2011 wären: „Sieger erkennt man am Start – Verlierer auch“.

Dabei geht es auch darum, sich selbst führen zu können und die richtige Grundeinstellung einzunehmen. „Wer andere besiegt, ist stark“, sagt Laotse, „wer sich selbst besiegt, ist weise.“ Um andere zu führen, müssen wir bei uns selbst anfangen. Ganz entscheidend ist dafür das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Auch die Wahrnehmung, ob jemand das Leben als beglückend erlebt oder sich nur als Opfer von widrigen Umständen sieht, spielt dabei eine wichtige Rolle. Der CEO von Lindt und Sprüngli hat ein simples Einstellungskriterium: „Only hire happy people!“ Eine solche Devise kann natürlich je nach Produkt und Unternehmen verschieden sein, aber Personaler sollten sich darüber mehr Gedanken machen.

Was kann ein Personaler tun, um das Image von sich und von HR an sich zu verbessern?

Einigen Personalern gelingt es schon, die eigene Abteilung intern sehr gut zu verkaufen. Viele werden aber noch als passive Personalverwalter angesehen. Deshalb sollten sie klar machen, dass sie die Visitenkarte des Unternehmens nach draußen sind. Für sich selbst können sie überlegen: Worum soll es bei uns in der Personalabteilung eigentlich gehen? Was ist unser Produkt für den Kunden? Was ist unser Alleinstellungsmerkmal? Inwiefern sind wir first, best, different und faster – also in was sind wir die ersten mit dieser Ausrichtung, worin sind wir die besten und klar differenziert von anderen und worin sind wir schneller als andere? Marketing- oder Sales-Abteilungen sind so einen Ansatz gewohnt. Viele Personaler treten da noch zu sanft auf.

Interview: Stefanie Hornung

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