Studien-Herbst: Gehälter steigen im kommenden Jahr moderat

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Foto von Mimi Thian

Die Gehälter sind laut einer Studie der internationalen Unternehmensberatung Hay Group seit dem Vorjahr in allen Branchen und Mitarbeitergruppen im Mittel um knapp 3 Prozent (2,9 Prozent) gestiegen. Den größten Sprung machte die chemische Industrie, deren Mitarbeiter in diesem Jahr über 3,2 Prozent mehr verdienen – und zwar über alle Hierarchieebenen hinweg. Auch nächstes Jahr wird in allen Branchen eine Einkommenssteigerung von knapp 3 Prozent im Mittel erwartet.

Die chemische Industrie wird wie im Vorjahr zu den Gewinnern gehören. Auch die Gehälter der Automobilindustrie wurden seit vergangenem Jahr um 3,2 Prozent erhöht. Unterhalb des Niveaus von 2,9 Prozent Gehaltssteigerung liegen vor allem die Dienstleistungsbrache und die schnelllebigen Konsumgüter, also Nahrungs- und Genussmittel, Haushaltsmittel und Tabak. Nur 5 Prozent der Unternehmen haben innerhalb dieses Jahres keine Erhöhungen vorgenommen. Auch nächstes Jahr ist der Hay-Studie zufolge mit einer Erhöhung von mehrheitlich 2,9 Prozent zu rechnen.

Mehr Geld für Beschäftigten der IT-Branche und im Maschinen- und Anlagenbau

Die Vergütungsberatung PersonalMarkt und „Computerwoche“ nehmen die Gehälter in der IT-Wirtschaft unter die Lupe: Ihre aktuelle Vergütungsstudie, für die mehr als 15.000 Gehaltsdaten analysiert wurden, kommt zu dem Ergebnis, dass der Aufwärtstrend anhält: Die Gehälter von Führungskräften sind demnach um 5,5 Prozent gestiegen, die von Fachkräften und Spezialisten um 2,2 Prozent. Die Spitzengehälter bei den Führungskräften und IT-Leitern liegen im Mittel bei 125.000 Euro Jahresgehalt. Die Top-Verdienste von Spezialisten und Fachkräften wie IT-Projektlietern liegen bei 77.000 Euro. Gemäß der IT-Gehaltsstudie konnten SAP-Berater in mittleren und kleineren Unternehmen die größten Gehaltszuwächse erzielen.

Gemeinsam mit Prof. Tom Krebs, Inhaber des Lehrstuhls für Makroökonomie an der Universität Mannheim, hat PersonalMarkt zudem eine Gehaltsprognose (Analyse von 1,6 Millionen  Gehaltsdaten)  für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau vorgelegt. Demnach werden die Grundgehälter von Führungskräften im nächsten Jahr um 3,2 Prozent steigen und die von akademischen Spezialisten um 1,2 Prozent. Nicht-akademische Fachkräfte können mit einem Plus von 2,2 Prozent rechnen. Die entsprechenden Zuwächse bei den Total Cash-Gehältern (beinhalten sämtliche bare Leistungen inklusive Bonus- und variablen Zahlungen) liegen für Führungskräfte bei 3,4 Prozent, für akademische Spezialisten bei 1,6 Prozent und für Fachkräfte bei 2,1 Prozent. 

Geschäftsführergehälter in kleinen Unternehmen steigen deutlich

Die Gehälter von Geschäftsführern kleiner Unternehmen in Deutschland steigen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich: Die Grundgehälter von Geschäftsführern sind um 3,4 Prozent gestiegen – von 2010 auf 2011 waren es lediglich 2,7 Prozent. In diesem Jahr erhöhen die Unternehmen die Vergütung ihrer Führungsspitze voraussichtlich um weitere 3,5 Prozent. Das sind Ergebnisse des diesjährigen Vergütungsreports „Geschäftsführer der kleinen GmbH“, für den die Managementberatung Kienbaum 484 Geschäftsführer aus 389 Unternehmen befragt hat. Derzeit erhalten Geschäftsführer kleiner Unternehmen ein durchschnittliches Grundgehalt von 137.000 Euro im Jahr, ihre Jahresgesamtbezüge betragen im Schnitt 177.000 Euro. 

Gehälter von Fachkräften wachsen ähnlich stark wie Vergütung ihrer Chefs

Ähnlich stark wie die Saläre ihrer Führungskräfte und Geschäftsführer haben Unternehmen die Gehälter ihrer Spezialisten und Fachkräfte erhöht: Im Schnitt stiegen die Grundgehälter der Sachbearbeiter und Spezialisten in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent, ergab eine weitere Kienbaum-Studie zur Vergütung von Spezialisten und Fachkräften (Analyse von 7.768 Spezialisten- und 4.706 Sachbearbeiter-Daten in 806 Unternehmen).

Erfahrung zahlt sich anscheinend aus: Die Vergütung von Spezialisten in deutschen Unternehmen hängt laut der Kienbaum-Studie in erster Linie davon ab, wie lange ein Mitarbeiter bereits in seinem Beruf tätig ist und wie anspruchsvoll seine Aufgaben sind. Ein Spezialist, der bereits mehr als fünf Jahre Berufserfahrung in seiner aktuellen Funktion hat, verdient mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 79.000 Euro 23 Prozent mehr als ein Kollege mit zwei bis fünf Jahren relevanter Berufspraxis; dieser erhält lediglich 64.000 Euro im Jahr. Im Vergleich zu einem Berufseinsteiger, der 49.000 Euro erhält, verdient ein besonders erfahrener Spezialist sogar durchschnittlich 61 Prozent mehr.

Trend zu variabler und nachhaltiger Vergütung im Top-Management

Die auf Performance- und Vergütungsmanagement spezialisierte Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner hat die Vergütungen der in den Börsenindices STOXX Europe 50 und EURO STOXX 50 geführten Unternehmen für das Geschäftsjahr 2011 ausgewertet. Zu den Kernaussagen der Studie „Executive und Non-Executive Director Compensation in Europe 2011/2012“ zählt, dass die Vergütungspakete der europäischen Top-Führungskräfte durch erfolgsbezogene Elemente bestimmt sind und nachhaltige Vergütungsmodelle dominieren.

Bei den Vorständen stellen mittlerweile die variablen Vergütungsbestandteile den mit Abstand größten Teil der Vergütung, wobei insbesondere die variable Langfristvergütung dominiert. Bei den Kontrolleuren und nicht-exekutiven Top-Managern repräsentiert die Fixvergütung das wichtigste Vergütungselement. Die Vergütungshöhe wird zudem maßgeblich durch die Unternehmensgröße und Branche sowie den Standort des Konzernsitzes beeinflusst. Zudem spielt die internationale Wettbewerbsintensität eine wichtige Rolle. So ist der Pharma-Sektor die Industrie mit den höchsten Vergütungsniveaus im europäischen Vergleich. Die Branche zählt zu den wenigen mit wirklich globalen Forschungs- und Produktmärkten, in denen Führungskräfte weltweit im Wettbewerb stehen.

Bonus-Systeme sind Führungskräften oft zu komplex

Erfolgsbezogene Vergütungsbestandteile stehen jedoch selten auf der Wunschliste der Manager. Viele Führungskräfte würden eine niedrigere, dafür aber weniger komplexe und entsprechend besser kalkulierbare Vergütung bevorzugen, wie aus einer Gemeinschaftsstudie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC mit der London School of Economics hervorgeht. Insbesondere rückwirkend ausgezahlte Boni sind wenig attraktiv: Die Mehrheit der weltweit über 1.100 befragten Führungskräfte bewertet einen Bonus mit einem Abschlag von bis zu 50 Prozent, wenn dieser später ausbezahlt wird.

Bislang gingen viele Experten davon aus, dass hohe erfolgsabhängige Vergütungsbestandteile einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens leisten und damit dem Wohl der Aktionäre dienen. Diese Annahme ziehen die Studienergebnisse allerdings in Zweifel. Zwei Drittel der Befragten favorisieren der Befragung zufolge ein Vergütungssystem, das auf beeinflussbaren internen Unternehmenszielen beruht. Insgesamt bevorzugt die Hälfte der Manager eine niedrige, dafür aber sichere Vergütung gegenüber höheren Einkommenschancen mit größerem Risiko.

Schließt sich die Gehaltsschere von Männern und Frauen?

Frauen in Führungspositionen werden in Deutschland weiterhin wesentlich schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Ob die Differenz geringer wird oder zunimmt – darüber sind sich aktuelle Studien nicht einig. Eine Langzeitanalyse von Kienbaum kommt zu dem Ergebnis, dass die Gehaltsschere sich schließt: 1995 verdienten demnach männliche Führungskräfte 25 Prozent mehr als Frauen in gleicher Position, 2005 waren es noch 15 Prozent und aktuell beträgt die Vergütungsdifferenz laut Kienbaum noch 5 Prozent.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) ist in einer Meldung vom Oktober 2012 weniger optimistisch: Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von weiblichen Führungskräften war im Jahr 2010 in Deutschland mit 27,64 Euro um 30 Prozent niedriger als der von männlichen Führungskräften (39,50 Euro). Wie Destatis auf Basis der Verdienststrukturerhebung 2010 weiter mitteilt, gab es ähnlich hohe Verdienstunterschiede bei Technikern (30 Prozent) und akademischen Berufen (28 Prozent). Mit 25 Prozent war der sogenannte Gender Pay Gap bei Handwerkern ebenfalls überdurchschnittlich hoch. Insgesamt hat sich der Verdienstunterschied verglichen mit der letzten Erhebung 2006 um knapp einen Prozentpunkt auf 22 Prozent leicht verringert.

Eine Verschlechterung der Vergütung von Frauen im Vergleich zu Männern macht hingegen der Global-Gender-Gap-Report 2012 des Weltwirtschaftsforums für das laufende Jahr aus. Lag die Bundesrepublik im Vorjahr noch auf Platz elf im Länderranking der Geschlechtsunterschiede, rutschte sie in diesem Jahr auf Platz 13. Männer verdienen bei gleicher Qualifikation laut dieser Untersuchung also mehr als Frauen. Neben der wirtschaftlichen Situation sind auch die Berufswahl und die Tatsache, dass Frauen häufiger Teilzeit arbeiten und Männer mehr Überstunden machen, Ursachen für die Gehaltsunterschiede.

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