Recruiting im Turbo-Modus! – KI findet Talente in Wochen statt Monaten

Zwischen den Messeständen auf der TALENTpro in München herrscht geschäftiges Treiben. Zwischen HR-Software, Employer-Branding-Agenturen und Recruiting-Startups steht Philipp Habring, Gründer und Geschäftsführer der Search & Talent Holding. Locker, offen und mit spürbarer Begeisterung spricht er über ein Thema, das die Branche spaltet: Künstliche Intelligenz im Recruiting.

Habring stammt ursprünglich aus Salzburg und leitet heute mit seinem Team zwei Unternehmen – Searching GmbH in Berlin und Talent Lobby in Österreich. Ihr Ziel: qualifizierte Fachkräfte für Kunden in kürzester Zeit finden. Dafür kombiniert er klassische Personalgewinnung mit modernster Technologie – vor allem mit KI.

Vom Recruiter zum Architekten der Automatisierung

„In den letzten Jahren ist uns aufgefallen, wie viel Zeit im Recruiting durch manuelle Prozesse verloren geht“, erzählt Habring. Profile sichten, Nachrichten schreiben, Termine koordinieren – alles Arbeitsschritte, die nicht nur Zeit kosten, sondern auch Recruiting-Teams überlasten.

Seine Antwort darauf: Automatisierung durch Künstliche Intelligenz.
Mit seinem Team hat Habring KI-Lösungen entwickelt, die ganze Prozessketten abbilden – vom Active Sourcing bis zur Terminvereinbarung. „Wir wollen, dass Recruiter wieder Zeit für Menschen haben, nicht für Tabellen.“

Active Sourcing mit KI – personalisiert statt generisch

Im Zentrum seiner Strategie steht die intelligente Ansprache von Kandidaten. Statt standardisierter Nachrichten nutzt sein System die OpenAI-API, um individuelle Anschreiben zu generieren.

„Unsere KI scannt das Profil, erkennt Berufserfahrung, Interessen, Standort und Tonalität. Daraus entsteht ein Text, der wirkt, als hätte ein erfahrener Recruiter ihn geschrieben.“

Das Ziel ist nicht, den Menschen zu ersetzen, sondern ihn zu entlasten. Recruiter können sich so auf Gespräche konzentrieren, statt hunderte Nachrichten manuell zu schreiben.

Scoring und Matching – datenbasiert, aber transparent

Ein weiterer Meilenstein in Habrings System ist das automatische Scoring:
Kandidaten werden anhand ihrer Unterlagen mit den Jobanforderungen abgeglichen. Die KI vergibt einen Prozentwert zwischen 1 und 100.

„Ab etwa 58 % Matching Score wird automatisch ein Termin mit dem Kunden vereinbart“, erklärt Habring. So entfallen die sonst zeitraubenden Abstimmungen.

Der Clou: Durch genaue Vorqualifizierung über Plattformen wie LinkedIn oder Xing erreichen viele Kandidaten Scores von über 80 %. Der Prozess ist schnell, präzise und skalierbar.

KI mit Stimme – das neue Recruiting-Gespräch

Besonders beeindruckend ist der nächste Schritt: Voice-Generation.
„Unsere KI kann mittlerweile atmen, Emotionen erkennen und passende Sprachnachrichten verschicken“, sagt Habring.

Über eine integrierte Schnittstelle lassen sich Bewerber also nicht nur anschreiben, sondern auch individuell ansprechen – mit einer künstlich erzeugten Stimme, die kaum von einer echten zu unterscheiden ist.

Natürlich ist Transparenz Pflicht: „Unsere KI stellt sich immer als Assistent vor – niemand soll glauben, er spricht mit einem echten Menschen.“ Trotzdem: Für viele jüngere Kandidaten ist das längst kein Problem mehr.

„Jüngere Generationen finden es spannend, wenn eine KI sie kontaktiert“, berichtet Habring. „Ältere sind da manchmal noch zurückhaltender. Aber das wird sich ändern.“

Ein eigenes Tool: Das Recruiting von morgen

Aus der praktischen Arbeit mit über 400 Kunden entstand die Idee, ein eigenes Softwaretool zu entwickeln. Es bildet die gesamte Recruiting-Wertschöpfungskette ab – von der Kandidatensuche bis zum Vorstellungsgespräch.

Im Dashboard können Recruiter Parameter eingeben: Standort, Branche, Qualifikation.
Daraufhin filtert die KI automatisiert passende Kandidaten, erstellt eine Shortlist, schreibt diese individuell an, analysiert Lebensläufe, vergibt Matching Scores – und vereinbart bei Eignung direkt Termine.

Habring nennt es: „Recruiting von A bis Z – voll automatisiert.“

Social Media: Recruiting als Sales

„Recruiting ist Sales“, sagt Habring klar. Denn heute müssen Unternehmen sich bei Kandidaten bewerben – nicht umgekehrt.

Mit Social-Media-Recruiting und KI-generierten Kampagnen sorgt sein Team dafür, dass Jobanzeigen nicht mehr generisch wirken.
Die KI analysiert Zielgruppen, schlägt Plattformen, Hashtags und Postingfrequenzen vor. Sie erkennt, welche Inhalte funktionieren – und wo Kandidaten abspringen.

„Es reicht nicht mehr, eine Anzeige zu posten. Man muss Emotionen wecken. Die KI hilft uns, Content zu erzeugen, der wirklich anspricht“, erklärt Habring.

Besonders wichtig sei Abwechslung: Fotos, Videos, Texte – alles kombiniert, alles getestet. Wer zu oft das Gleiche ausspielt, verliert Reichweite und Interesse.

Warm-up-Prozesse: Wenn KI Beziehung pflegt

Ein oft unterschätzter Faktor im Recruiting ist die Zeit zwischen Bewerbung und Interview. Viele Kandidaten springen hier ab.

Habring hat dafür Warm-up-Prozesse entwickelt: automatisierte Kommunikationsketten via WhatsApp oder E-Mail, gesteuert durch KI.
Sie liefern emotionale Inhalte über das Unternehmen – Videos, Erfolgsgeschichten, Teamvorstellungen.

Das Ergebnis: „Wir steigern die Show-up-Rate um bis zu 50 %.“ Besonders im Handwerk und Produktionsbereich, wo Kandidaten oft zwischen vielen Angeboten wählen, wirkt dieser Ansatz Wunder.

KI ersetzt nicht – sie ergänzt

Trotz aller Begeisterung bleibt Habring realistisch:
„Recruiting wird immer menschlich bleiben. Die KI kann Prozesse übernehmen, aber keine Beziehungen aufbauen.“

Er sieht die Technologie als Werkzeug, nicht als Gefahr. Das eigentliche Ziel sei es, Stress zu reduzieren und Qualität zu erhöhen.

Seine Vision: Recruiter sollen weniger verwalten und mehr gestalten.

„Wenn du heute KI sinnvoll nutzt, gewinnst du Zeit – und kannst dich endlich wieder um das kümmern, was zählt: den Menschen.“

Blick in die Zukunft

Wird KI bald Vorstellungsgespräche führen?
„Technisch ist das längst möglich“, sagt Habring. „Aber die Akzeptanz ist noch nicht da.“
In Zukunft könnten Avatare oder digitale Assistenten erste Gespräche übernehmen – der finale Entscheid aber bleibt menschlich.

Für ihn ist das keine Dystopie, sondern eine logische Entwicklung.
„Unternehmen, die KI ignorieren, werden im Wettbewerb zurückfallen. Die anderen gewinnen Zeit, Effizienz und bessere Ergebnisse.“

Philipp Habrings Appell

Zum Schluss formuliert er seine Botschaft klar:

„Habt keine Angst vor KI. Sie ist kein Gegner, sondern ein Werkzeug. Beschäftigt euch damit, probiert Dinge aus, lest euch ein. Wer heute anfängt, wird morgen profitieren.“

Er fordert HR-Teams auf, Digitalisierung als Chance zur Entlastung zu sehen.
Denn Recruiting verändert sich rasant – und wer mithalten will, braucht Mut, Wissen und Offenheit.

Fazit

Philipp Habring zeigt, wie KI das Recruiting neu definiert: schneller, smarter, menschlicher.
Nicht durch Ersatz, sondern durch Ergänzung.

Er beweist, dass Technologie kein Gegner ist – sondern der Schlüssel zu mehr Menschlichkeit im HR-Alltag.
Oder, wie er es formuliert:

„Bleibt nicht stehen. Nutzt die Tools, lernt dazu – und macht euch das Leben ein Stück einfacher.“

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