Psychische Belastungen in der Corona-Pandemie: Herausforderung für Arbeitgeber

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Foto: Jen Theodore, Unsplash

Die Corona-Pandemie hat den Alltag der meisten Bürger auf den Kopf gestellt und beeinflusst nicht nur unsere körperliche Gesundheit. Auch die Psyche leidet unter den Einschränkungen und den drastischen Veränderungen, auf die wir alle reagieren müssen. Was diese neuartigen psychischen Belastungen für Arbeitgeber bedeuten können, erfahren sie hier.

Die aktuellen Probleme

Die Corona-Pandemie führt für Beschäftigte zu einer ganzen Reihe von Problemen. Angefangen beim Homeoffice und neuen Formen des flexiblen Arbeitens, die für einige Arbeitnehmer bereits eine Herausforderung sein können.

Flexibles Arbeiten bedeutet aktuell nämlich häufig, dass Arbeitnehmer Kinderbetreuung und das berufliche Tagesgeschäft unter einen Hut bekommen müssen. Gerade mit kleinen Kindern kann schon das eine Aufgabe sein, die Eltern an ihre Belastungsgrenzen bringt.

Doch damit ist es bei weitem nicht getan. Flexible Arbeitszeiten bedeutet eben auch, dass Arbeitnehmer ständig erreichbar sind. Wer tagsüber die Kinder betreut oder sich um andere private Angelegenheiten kümmert, muss die tägliche Arbeitszeit zu einem anderen Zeitpunkt nachholen. Daraus folgt, dass eine Trennung von Berufs- und Privatleben für einige Beschäftigte nur noch ganz schwer möglich ist. Die nötige Ruhe, die gerade im bisweilen stressigen Homeoffice nötig wäre, entfällt so.

Sowohl im Homeoffice als auch bei der Arbeit direkt vor Ort beim Arbeitgeber, müssen sich Beschäftigte mit neuen Formen der Organisation auseinandersetzen. Vor allem die Anforderungen in Bezug auf die Digitalisierung, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, belasten einige Arbeitnehmer stark. Und das nicht nur im Homeoffice wenn die digitale Infrastruktur fehlt, um produktiv arbeiten zu können. Auch Beschäftigte, die vor Ort bei ihrem Arbeitgeber arbeiten, können mit den neuen digitalen Kompetenzen, die sie nun brauchen, zu kämpfen haben.

Social Distancing beeinflusst psychische Gesundheit

Hinzu kommt: Die Kollegen, die im Homeoffice sind, sind eben nicht wie gewohnt zu erreichen, was Absprachen erschwert und vor allem die sozialen Kontakte noch weiter minimiert. Gerade das ist aktuell für viele Menschen in Deutschland – nicht nur im professionellen Kontext – ebenfalls eine große Belastung. Denn nur die wenigsten von uns dürften diese Form der sozialen Isolation kennen.

All das führt dazu, dass es Arbeitnehmern zunehmend schwerer fällt, sich auf die Arbeit einzulassen und sich vor allem wie gewohnt zu motivieren. Die fehlende Motivation senkt häufig die Produktivität der Beschäftigten, was wiederum dazu führt, dass immer mehr Arbeit während des Arbeitstages nicht erledigt wird. 

Dagegen wären einige Arbeitnehmer froh, sie können sich über die Organisation ihren Arbeitstages Gedanken machen. Beschäftigte, die von Kurzarbeit betroffen sind, plagen ganz andere Sorgen, nämlich neben dem geringeren Einkommen die Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes.

Für alle Bürger  – egal ob berufstätig oder nicht – kommt noch die Angst vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 hinzu. Denn auch wer sich nicht selbst vor dem Virus fürchtet, macht sich vielleicht sorgen um Familienangehörige oder Bekannte, die sich infizieren könnten.

Und so sind die Ergebnisse aktueller Studien auch nicht weiter verwunderlich. Im Cosmo-Monitoring der Universität Erfurt kommt die Wissenschafter zu dem Ergebnis, dass nahezu ein Drittel der Befragten pandemiemüde ist, insgesamt 54% der Befragten empfinden ihre aktuelle persönliche Situation als belastend. 

Stellt sich die Frage, wie Arbeitgeber auf diese geänderten Bedingungen und die offensichtlichen psychischen Belastungen ihrer Arbeitnehmer reagieren können. 

Die Aufgabe des Arbeitgebers

Arbeitgebern kommt dabei die Aufgabe zu, diejenigen Arbeitsbedingungen, die die Beschäftigten belasten oder beeinträchtigen könnten, zu erkennen und ihnen entgegen zu wirken. Um geeignete Mittel und Wege hierfür zu finden, ist eine eingehende und tiefgreifende Evaluierung des Status quo unerlässlich. Nur so können Arbeitgeber erfahren, ob und wenn ja, an welche Stelle Arbeitnehmer physisch oder physisch durch die neuartigen Belastungen im Zuge der Corona-Pandemie betroffen sind. 

Dabei müssen die Zuständigkeit vorab geklärt werden. Es ist nicht die Aufgabe eines Arbeitsmediziners, Beschäftige, die über psychologische Probleme berichten, zu beraten. Auf einen Arbeitspsychologen – wiewohl er die Bezeichnung Psychologe trägt – kommt diese Aufgabe auch nicht zu. Diese Personen können jedoch unterstützend zur Seite stehen, wenn es um die generelle Ermittlung von psychischen Belastungen im Zuge der Corona-Pandemie am Arbeitsplatz geht. Für betroffene Arbeitnehmer ist der Betriebsarzt also die erste Anlaufstelle, wenn sie psychische Probleme thematisieren wollen.

Die Ermittlung der psychischen Belastungen

Ein Mittel, um möglichst konkret zu erfahren, wo die einzelnen Mitarbeiter die größten psychischen Belastungen sehen, sind standardisierte Fragebögen. Diese haben den großen Vorteil, dass sie aufgrund ihrer Beschaffenheit miteinander vergleichbar sind und so dazu dienen können, geeignete Mittel für die Prävention oder Beseitigung der belastenden Bedingungen aufzuzeigen. 

Die Aufnahme in die Gefährdungsbeurteilung

Alle Gefährdungen, die im Rahmen von Befragungen oder anderer standardisierter Methoden erhoben werden konnten, sollten Arbeitgeber in die Gefährdungsbeurteilung aufnehmen. 

Dabei sollten sie sich nicht zu sehr auf die offensichtlichen psychischen Belastungen der Beschäftigten fokussieren. Wichtig ist außerdem, Konfliktpotenzial in der Kundenbeziehung in Branchen und Berufen mit Kundenkontakt zu beachten. 

Auch belastende Situationen, die sich aus den Anforderungen des Social Distancing erwachsen, gehören in die Evaluierung mit hinein. Beschäftigte können auch dadurch unter Druck geraten, dass ihnen der Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten fehlt. Probleme, die vor der Pandemie mit einer kurzen Nachfrage beim Büronachbarn geklärt werden konnten, können nun größere Abstimmung erfordern. Denn auch der Kollege ist vermutlich in seinem Arbeitsalltag und -ablauf eingeschränkt und daher nicht grundsätzlich für zusätzliche Probleme und Fragen zugänglich. 

Tipps für Arbeitgeber

Was können also Arbeitgeber konkret tun, um ihre Mitarbeiter – übrigens nicht nur während der Corona-Krise – psychisch zu entlasten? Die Offensive Psychische Gesundheit, eine Kooperation von Politik und Krankenkassen in Deutschland, weist darauf hin, dass das Gespräch über die psychischen Belastungen nicht nur der erste, sondern ein sehr wichtiger Schritt ist.

Arbeitgeber sind also gefragt, den von Problemen betroffenen Mitarbeitern die nötige Hilfe und Unterstützung anzubieten. Das können sie zum Beispiel folgendermaßen tun:

  • Kommunizieren Sie offen, dass die Chance zu einem persönlichen Gespräch mit dem Vorgesetzten, dem Betriebsarzt oder einer vergleichbaren Person jederzeit besteht.
  • Bieten Sie an, dass zusätzlich zum betroffenen Arbeitnehmer noch eine weitere Person an dem Gespräch teilnehmen kann. Unter Umständen erleichtert die Anwesenheit einer Vertrauensperson es dem Arbeitnehmer, sich im Gespräch zu öffnen. 
  • Geben Sie wenn möglich verschiedene Termine zur Auswahl vor. So kann der Mitarbeiter selbst entscheiden, wann und ob er überhaupt an einem derartigen Gespräch teilnehmen möchte.
  • Bieten Sie für Mitarbeiter, die im Homeoffice arbeiten, spezielle Lösungen an. Ein Vier-Augen-Videoanruf oder das klassische Telefonat sind Möglichkeiten. 
  • Halten Sie das Gespräch ergebnisoffen. Verlangen Sie nicht zu viel von dem ersten Termin. Es ist schon ein wichtiger Schritt getan, wenn der Mitarbeiter überhaupt seine Belastungen anspricht.
  • Geben Sie die Möglichkeit, bei Bedarf weitere Termine zu vereinbaren und die angesprochenen Probleme zu vertiefen. 

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