J. Zeyringer: Balance als Führungsstrategie – Rezension von Katrin Rother

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Foto von Drew Beamer

Im ersten Kapitel beschreibt Jörg Zeyringer anhand verschiedener Beispiele (Selbstmord eines Angestellten, Weltwirtschaftskrise und Leistungssport), dass Disbalancen der Grund für Veränderungen unserer (Arbeits-)Welt sind, als deren Folge die Zahl psychosozialer Krankheiten steigt. Diese Erkenntnisse sind nicht neu – aber sehr bildhaft beschrieben und gut recherchiert zusammengetragen, so-dass sie den Leser eindrücklich mahnen, dass unser Wirtschaftssystem langfristig so nicht existieren kann.

Im zweiten Abschnitt entwickelt Zeyringer ein Modell, das an das Konzept der „Big Three“ anknüpft und die drei Motivationsquellen Leistungs-, Macht- und Bindungsbeziehungsweise Anschlussmotivation als Grundlage sämtlichen menschlichen Handelns versteht. Mit diesen Motivationsquellen verknüpft er drei grundlegende menschliche Kernkompetenzen. So ergibt sich ein Zusammenhang zwischen dem Leistungsmotiv und der fachlichen Kompetenz, der Anschlussmotivation und der sozialen Kompetenz sowie dem Machtmotiv und persönlicher Kompetenz. Wenn nun diese drei Motive aus dem Gleichgewicht geraten, ergeben sich Disbalancen, die Folgen für den Menschen und seine Umwelt haben.

Zeyringer schreibt, dass bei vielen Führungskräften das Leistungsmotiv am stärksten ausgeprägt sei und dass diese dem sogenannten „Sisyphos-Effekt“ unterliegen, das heißt, sie arbeiten immer mehr und entspannen immer weniger. So stellen sie für die Mitarbeiter und die Organisationen, in denen sie tätig sind, eine Gefahr dar. Auch extreme Ausprägungen in Richtung der anderen zwei Motivsysteme können schwerwiegende Auswirkungen haben. So bildet bei den bindungs- und anschlussmotivierten Führungskräften ausschließlich die Sympathie die Grundlage für berufl iche Beziehungen. Machtmotivierte Führungskräfte können dem „Generaldirektorensyndrom“ unterliegen und dabei ein völlig übersteigertes Selbstbewusstsein entwickeln. Zeyringer unterstreicht, dass „gute“ Führungskräfte eine Ausgewogenheit der drei Machtmotive besitzen.

Wie man zu einer „guten“ Führungskraft wird, beschreibt Zeyringer im letzten Kapitel. Für jedes Leistungsmotiv führt er Praxisbeispiele und Werkzeuge an. Er gibt Tipps, wie man Handlungsspielräume der Mitarbeiter vergrößert, Kommunikation verbessert und Mitarbeiter gezielt motiviert. Diese Beschreibungen werden durch Fragen zur Selbstreflexion ergänzt.

Insgesamt ist die Vorstellung einer Führungskraft, die in Balance ist und ihre Mitarbeiter nicht nur zu Leistung antreibt, sondern auch individuelle Merkmale der Mitarbeiter berücksichtigt und Erfolgserlebnisse vermittelt, eine positive. Allerdings ist der Weg dorthin steinig, denn um dieses Konzept zu verwirklichen, müssen auch die Organisationen, in denen die Führungskräfte tätig sind, und das Wirtschaftssystem dieses zulassen. Ein anregendes Buch, das nachdenklich stimmt.

Praktischer Nutzwert * * * **
Lesbarkeit/Schreibstil * * * **
Verständlichkeit * * * * *
Gliederung/Übersichtlichkeit * * * * *
Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche * * * **

Balance als Führungsstrategie Werkzeuge für gutes Management

Von Jörg Zeyringer

Haufe-Lexware 2010

232 Seiten, 28,80 Euro

ISBN: 978-3-648-00568-2

www.haufe.de

Quelle: personal manager 2/2011

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