Psychologische Sicherheit im Team: Wie Unternehmen ein sicheres Arbeitsumfeld schaffen
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Key Takeaways
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- Psychologische Sicherheit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für Teamarbeit und unternehmerisches Wachstum.
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- Offene Kommunikation, Fehlertoleranz und gegenseitiges Vertrauen sind ihre Grundpfeiler.
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- Führungskräfte können psychologische Sicherheit durch Transparenz und Fehlerkultur gezielt fördern.
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- Agile Methoden und regelmäßige Feedback-Prozesse unterstützen das Wachstum eines sicheren Arbeitsumfeldes.
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- Erhebungen wie der Psychological Safety Index helfen, das Sicherheitsniveau im Team messbar zu machen.
Inhaltsverzeichnis
Definition: Was ist psychologische Sicherheit?
Psychologische Sicherheit beschreibt eine Arbeitsumgebung, in der Mitarbeitende offen kommunizieren, Fehler zugeben und Fragen stellen können, ohne Angst vor negativen Konsequenzen haben zu müssen. Dieser Ansatz wurde maßgeblich durch die Forschung von Amy Edmondson geprägt und ist heute als Schlüsselfaktor für erfolgreiche Teams anerkannt. Dabei steht nicht ständige Harmonie im Vordergrund, sondern gegenseitiges Vertrauen, Offenheit und eine positive Umgangskultur mit Fehlern.
Wesentliche Merkmale sind das gegenseitige Vertrauen im Team, konstruktives, ehrliches Feedback, ausreichender Raum für verschiedene Meinungen sowie die Möglichkeit, Unterstützung einzufordern, ohne den eigenen Wert infrage gestellt zu sehen. Psychologische Sicherheit bedeutet außerdem, Informationen offen zu teilen und Fehler als Chancen zum Lernen zu verstehen.
Warum ist psychologische Sicherheit so wichtig?
Wenn Mitarbeitende sich sicher fühlen, kann das Unternehmen auf mehreren Ebenen profitieren. Zum einen wird lebenslanges Lernen im Team zur Selbstverständlichkeit: Fehler werden offen besprochen und gemeinsam ausgewertet, was die Lernkurve erheblich steigert. Zum anderen erhöhen sich Kreativität und Innovationsbereitschaft, da Ideen und Experimente geschätzt und Rückschläge nicht sanktioniert werden.
Darüber hinaus fördert psychologische Sicherheit das allgemeine Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Angestellten. Druck und Angst reduzieren sich, während Engagement und Motivation wachsen. In der Praxis sind psychologisch sichere Teams daher häufig effektiver, da sie kontinuierlich an der Verbesserung von Prozessen arbeiten und sich besser an Veränderungen anpassen können.
Bemerkenswert ist eine Untersuchung von Google, bei der festgestellt wurde, dass nicht individuelle Kompetenz, sondern die Art der Zusammenarbeit im Team für den Erfolg ausschlaggebend ist – und hier spielt psychologische Sicherheit eine zentrale Rolle. Weiterführend dazu ist es wichtig zu verstehen, wie Führung in unsicheren Zeiten gestaltet werden kann, um genau diese psychologische Sicherheit zu fördern: Transparenz, Ehrlichkeit und das Signal, gemeinsam durch schwierige Phasen zu gehen, sind fundamentale Bestandteile. (Führung in unsicheren Zeiten)
Wie entwickelt sich psychologische Sicherheit im Team?
Psychologische Sicherheit entsteht nicht zufällig, sondern ist das Ergebnis gezielter Interaktion innerhalb des Teams. Hierbei kommt es darauf an, wie intensiv die Mitglieder zusammenarbeiten, wie offen sie sich austauschen und wie stark das gegenseitige Vertrauen ist. Während Führungskräfte maßgeblich das Klima beeinflussen, kann auch die HR-Abteilung eine unterstützende Rolle einnehmen, indem sie entsprechende Leitbilder vermittelt und Führungskräfte gezielt schult.
Interessant ist, dass psychologische Sicherheit oft teamabhängig ist: In einem Unternehmen können unterschiedliche Teams sehr verschiedene Erfahrungen damit machen, abhängig von ihrer Führung und der Teamkultur. Besonders in der Remote-Teamführung wird deutlich, wie wichtig emotionale Intelligenz, Klarheit und Menschlichkeit sind, um Unsicherheiten bei Mitarbeitenden abzubauen und Vertrauen trotz physischer Distanz zu schaffen. (Sichere Remote-Teamführung)
Wie können Führungskräfte und HR psychologische Sicherheit fördern?
Führungskräfte haben zahlreiche Möglichkeiten, ein Klima der psychologischen Sicherheit zu schaffen:
- Regelmäßige offene Austauschrunden in Meetings einführen, um Überlegungen, Kritik und Ideen Raum zu geben.
- Wertschätzend auf Anregungen und Einwände der Mitarbeitenden reagieren und ehrliches Interesse zeigen, insbesondere auch bei schwierigen Themen.
- Aktiv Feedback einholen und auch den ruhigeren Teammitgliedern gezielt Fragen stellen.
- Ein respektvolles Miteinander im Team konsequent fördern und unpassendes Verhalten entschieden, aber fair ansprechen.
- Dialog auf Augenhöhe pflegen und Verantwortung ins Team delegieren, damit Mitarbeitende an Entscheidungsprozessen teilnehmen können.
- Eine offene Fehlerkultur leben, eigene Fehler als Führungskraft zugeben und daraus lernen.
- Strukturen schaffen, die flache Hierarchien und mehr Selbstorganisation ermöglichen.
Zusätzlich können HR-Initiativen wie unternehmensweite Events zum Themenfeld Fehlerkultur, regelmäßige Retrospektiven oder Upward-Feedback-Prozesse dazu beitragen, das Thema fest in der Unternehmenskultur zu verankern. Die eigene Führungspersönlichkeit spielt dabei eine zentrale Rolle: Selbstreflexion, Authentizität und der Mut, Unsicherheiten offen zu kommunizieren, fördern das Vertrauen im Team. (Rebekka Ilgner über Führung in unsicheren Zeiten)
Agile Methoden und psychologische Sicherheit
Agile Arbeitsweisen, wie Scrum oder Kanban, setzen eine offene Fehler- und Kommunikationskultur voraus. Nur wenn Mitarbeitende keine Angst vor Kritik oder negativen Konsequenzen haben, funktioniert das kontinuierliche Lernen und ständige Verbessern im agilen Setting. Umgekehrt können agile Methoden dazu beitragen, die psychologische Sicherheit im Team weiter zu erhöhen, indem sie gezielt auf Transparenz, Feedback und offene Diskussionen setzen.
Ist Ihr Team psychologisch sicher? So finden Sie es heraus
Um zu ermitteln, ob in einem Team psychologische Sicherheit herrscht, kann ein Fragebogen hilfreich sein. Der sogenannte Psychological Safety Index gibt mit Fragen wie „Können Fehler offen angesprochen werden?“ oder „Fühlen Sie sich mit Ihren Fähigkeiten geschätzt?“ Hinweise darauf, wie sicher sich die Mitarbeitenden fühlen. Durch die gemeinsame Auswertung können Handlungsfelder identifiziert und direkt adressiert werden – oft schon der erste Schritt zu einem sichereren Miteinander.
Fazit
Psychologische Sicherheit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für Teams und Unternehmen: Sie ermöglicht Lernen, Innovation und eine positive Arbeitsatmosphäre. Führungskräfte und HR spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie eine offene, respektvolle und fehlertolerante Unternehmenskultur fördern. Wer psychologische Sicherheit stärkt, legt damit die Basis für langfristigen Unternehmenserfolg und zufriedene Mitarbeitende.
FAQ
Was ist unter psychologischer Sicherheit im Unternehmen zu verstehen?
Psychologische Sicherheit bedeutet, dass Mitarbeitende im Arbeitskontext offen kommunizieren, Fehler zugeben und Fragen stellen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen oder Bloßstellung haben zu müssen.
Welche Vorteile bringt psychologische Sicherheit?
Sie fördert Kreativität, Lernbereitschaft, innovationsfreudiges Handeln und sorgt für mehr Mitarbeiterzufriedenheit und Wohlbefinden.
Wie können Führungskräfte psychologische Sicherheit stärken?
Durch eine offene Fehlerkultur, gelebten Austausch, aktives Zuhören und authentische Führung, die auch eigene Unsicherheiten zulässt.
Wie lässt sich psychologische Sicherheit im Team messen?
Zum Beispiel mithilfe von Fragebögen oder einem Psychological Safety Index sowie regelmäßigen Feedbackrunden.
Welche Rolle spielt HR bei der Umsetzung?
HR kann durch Schulungen, Retrospektiven und Initiativen die Förderung psychologischer Sicherheit langfristig in der Unternehmenskultur verankern.
