Das Thema betriebliche Gesundheitsförderung ist längst in den Personalabteilungen angekommen. Insbesondere Großunternehmen haben bereits Erfahrungen mit der Einführung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) gesammelt. Davon profitieren jetzt die Besucher der Zukunft Personal: Vor allem am zweiten Messetag erwarten sie in Köln spannende Podiumsdiskussionen und Vorträge mit hohem Best-Practice-Anteil zu den Themen BGM und Stressmanagement.

Praxisbeispiele von Volkswagen, Siemens und SAP
 
„Kein Stress mit dem Stress“ lautet der Titel eines Programms, das der BKK Bundesverband zusammen mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) sowie zahlreichen Kooperationspartnern aus der Wirtschaft und Verwaltung auf die Beine gestellt hat. Um die seelische Gesundheit der Erwerbstätigen zu verbessern, wurden nützliche Handlungshilfen entwickelt – darunter ein Selbstcheck für Unternehmen, Materialien für Beschäftigte und Vorgesetzte, ein Hörbuch und ein Internetportal für Arbeitgeber und Betriebe. Moderator Dr. Alfons Schröer vom BKK Bundesverband und Andreas Horst, Ministerialrat des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) stellen das Projekt vor, namhafte Experten wie Prof. Dr. Uwe Brandenburg (Volkswagen) und Dr. Ralf-Michael Franke (Siemens) steuern wertvolle Erfahrungen aus ihren Unternehmen bei.

Auch der Softwarekonzern SAP hat bereits einiges für die Gesundheit seiner Mitarbeiter unternommen. Auf diesen Erfahrungsschatz kann Dr. Natalie Lotzmann, Leiterin Globales Gesundheitsmanagement bei SAP, in ihrem Impulsvortrag mit dem Titel „Das gesunde Unternehmen“ zurückgreifen.  Als Themenbotschafterin der INQA erläutert sie in der Podiumsdiskussion „Unternehmen der Zukunft“,  wie individuelle und organisationale Gesundheit auf betrieblicher Ebene gefördert werden kann. Dies beinhaltet auch eine Stärkung der Resilienz, der psychischen Widerstandskraft. Dr. Lotzmann empfiehlt dazu ein strategisches Vorgehen, das in Analyse, Maßnahmen und Evaluation an die jeweiligen Besonderheiten der Branche und Kultur anknüpft.

Stress-Prävention als Führungsaufgabe

Was hilft getriebenen Mitarbeitern im Dauerstress wirklich?  In der Podiumsdiskussion „Burnout-Prävention: Nur Anti-Stress-Kosmetik und
Alibi-Veranstaltung?“ der Zeitschrift „Wirtschaftspsychologie aktuell“ diskutieren Experten, wie das Erschöpfungssyndrom gleichsam an der Wurzel gepackt wird: Der Hebel müsse bei der Führung ansetzen, denn mit Sportangeboten oder Entspannungskursen allein sei es nicht getan,  lautet die These. Durch das Gespräch führt Bärbel Schwertfeger, fachkundige Chefredakteurin von „Wirtschaftspsychologie aktuell“.

Auch das Konzept „Gesunder Erfolg“ geht von einem maßgeblichen Einfluss des Führungsstils auf die Gesundheit der Mitarbeiter aus. Stresspräventionstrainerin Heidi Thies und Sportwissenschaftler Joachim Auer erläutern, wie Führungskräfte mit Hilfe dieses Spezialtrainings persönliche Stresskompetenz entwickeln. Eine entsprechende Qualifizierung der Führungskräfte und die Stärkung ihrer Resilienz werde zur Schlüsselaufgabe in der Personalentwicklung, so die Experten.

Erholung regelrecht verordnen?

Damit Mitarbeiter gesund bleiben, sind vor allem regelmäßige Erholungsphasen vonnöten. Doch wie können Unternehmen ihre Leistungsträger dazu bringen, diese auch einzuhalten? Nach einer Umfrage des Branchenverbandes BITKOM sind 88 Prozent der Berufstätigen auch außerhalb ihrer Arbeitszeit erreichbar und somit  kaum noch in der Lage, ausreichend zu regenerieren. Brauchen Unternehmen eine Art psychischen Arbeitsschutz, um die ständig steigende psychische Belastung einzudämmen?

Um diese Frage dreht sich die Podiumsdiskussion von health@work. Joachim Gutmann, Chefredakteur der gleichnamigen Zeitschrift, beleuchtet mit seinen Gästen aus unternehmerischer, ärztlicher und rechtlicher Sicht, ob Unternehmen Erholung regelrecht verordnen müssen oder das Gebot der Vernunft ausreicht.

Orientierungshilfe: Neuer Standard zur Zertifizierung

Verbindliche Regeln für Betriebliches Gesundheitsmanagement fehlten bislang. Auf Initiative der Firma BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik ist jetzt ein wichtiger Schritt dazu getan: Das Unternehmen hat beim Deutschen Institut für Normung e.V.  angeregt, eine DIN SPEC nach PAS-Verfahren zu erstellen. Denn mithilfe einer Zertifizierung erfährt ein Unternehmer von unabhängiger Stelle, wo er steht und wie er sein Angebot verbessern kann.
Prof. Dr. Bernd Siegemund, Vorsitzender der BAD-Geschäftsführung, erläutert den Entwurf auf der Messe.

Was ist besser: Gesundheitsmanagement in Eigenregie betreiben oder outsourcen? Mit dieser Frage befasst sich Prof. Dr. Bernhard Allmann von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement. Derzeit werde das Zukunftsthema von unterschiedlichen Dienstleistern als Einnahmequelle entdeckt – von Beratern über Studios bis hin zu Physiotherapiepraxen und Ärzten. Prof. Allmann erörtert, welche Aufgaben abzudecken sind, welche Vorteile eigene Gesundheitsmanager mit sich bringen und wann es für ein Unternehmen interessant wird, einen externen Dienstleister zu beauftragen.

Sonderbereich Corporate Health macht Angebote greifbar

Die bunte Palette an Produkten und Dienstleistungen im Gesundheitsbereich veranschaulicht der Sonderbereich Corporate Health, unterstützt von der INQA. Auf der neu konzipierten Ausstellungsfläche in der Halle 11.1 wird das Angebot verschiedener Dienstleister zur betrieblichen Gesundheitsförderung wie Helios Prevention Center (HPC) oder Weight Watchers greifbar. Es reicht von Konzepten zur richtigen Ernährung über Entspannungsinstrumente bis zur klinischen Anwendung. Auch auf der Aktionsfläche Training, in Gesprächsrunden am MeetingPoint und beim HR-RoundTable ist betriebliche Gesundheitsförderung ein Thema.

Das komplette Programm der europäischen Leitmesse für Personalmanagement ist unter www.zukunft-personal.de verfügbar.

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Foto von Drew Beamer