Geht Arbeit an die Nerven?

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Foto von Oli Dale

Weniger Krankentage, mehr Engagement und dauerhafte Gesundheit sind erreichbar, sagt die Wissenschaftlerin Jane E. Dutton und weist ihre These praxisnah und beeindruckend nach.
„Arbeit geht an die Nerven“ titelt der Tagesspiegel (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/arbeit-geht-an-die-nerven/1846838.html) und beruft sich auf eine Untersuchung der Techniker Krankenkasse. Demnach häufen sich trotz Krise die Krankschreibungen. Die hohen, oft psychisch bedingten Fehlzeiten belasten die Kassen vor allem durch die meist sehr lange Krankheitsdauer. Doch nicht nur die Kassen stöhnen wegen hoher Kosten, auch die Unternehmen leiden unter der fehlenden Arbeitskraft. Der DGB fordert konkrete Programme zur Gesundheitsförderung für Beschäftigte im Arbeitsprozess.
„Kein Problem, würde die Wissenschaftlerin Jane E. Dutton darauf antworten. Mit ihren Untersuchungen zu körperlicher und psychischer Gesundheit von Arbeitnehmern liefert Dutton handfeste medizinische und psychologische Nachweise, dass sich die körperliche und geistige Gesundheit von Arbeitnehmern durch die Gestaltung von positiven sozialen Interaktionen signifikant verbessern lässt. Die Voraussetzungen für gesunde, kreative, engagierte und resiliente Arbeitskräfte können von Unternehmen selbst geschaffen werden.

Was sind positive soziale Interaktionen?
Positive soziale Interaktionen sind subjektiv wahrgenommene Erfahrungen, die ein Individuum mit sozialen Kontakten am Arbeitsplatz macht, also in der Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen. Diese können positiv, negativ oder neutral sein und hinterlassen dementsprechend einen bleibenden Eindruck in unseren körperlichen Funktionssystemen (kardiovaskuläres System, neuroendokrines System und Immunsystem).
Zu den positiven sozialen Erfahrungen zählen unter anderem Unterstützung durch Kollegen, ein respektvolles Gespräch mit dem Vorgesetzten, ein positiv verlaufenes Meeting, starke Gruppenkohäsion, ein guter Interaktionsstil, Fairness usw., wohingegen sich negative soziale Erfahrungen etwa in wahrgenommener Gleichgültigkeit, Unterminierung, Beleidigungen und extremer Unhöflichkeit ausdrücken.

Wussten wir alles schon?
Dass ein gutes Betriebsklima der Mitarbeiterzufriedenheit förderlich ist, wussten wir schon lange – Dutton jedoch weist mit ihren Studien eindrucksvoll nach, dass es nicht nur um Zufriedenheit geht, sondern um eine direkte Auswirkung auf die körperliche Gesundheit – ein knallharter Faktor der nicht nur jedem einzelnen von uns wichtig ist, sondern der sich auch in den immer weiter steigenden Kosten und Folgen der Krankschreibungen ausdrückt.
Zudem scheint auch zwischen Wissen und Tun eine große Lücke zu klaffen. Wenn Dutton ausführt, wie professionelle Meetings, Job Rotation, Mentoring und andere Tools zu einer besseren körperlichen Gesundheit beitragen können, tut sie dies nicht ohne einen Hintergedanken – denn, und hier werden Sie mir sicherlich zustimmen – die Unternehmenswelt ist nicht gerade geprägt von Menschen die gerne zu Meetings gehen und dann auch noch positiv herauskommen(siehe Dezemberausgabe des Magazins manager seminare über Meetings: „Schluss mit dem Alltagshorror“), ebenso wie in vielen Unternehmen Programme wie Job Rotation oder Mentoring aus Zeit- und Akzeptanzgründen wieder eingestellt werden (für den Fall dass sie je aufgelegt wurden).

Programme zur Gesundheitsförderung
Dutton, die mit vielen Mittelständlern als auch Forbes 100 Unternehmen zusammen arbeitet, fordert Programme zur Gesundheitsförderung, die auf der Gestaltung und Förderung positiver sozialer Interaktionen beruhen (siehe auch Untersuchungen von Losada und Fredrickson) Hier erfindet sie das Rad nicht neu – Mentoring, Job Rotation, Personalauswahl, Personalintegration und Belohnungssysteme sind altbewährte HR Tools, ebenso wie die professionelle Nutzung von Meetings, virtueller Teamarbeit und zwischenmenschlicher Support eine Selbstverständlichkeit sein sollten. All diese Methoden dienen als Foren für soziale Integration und soziale Begegnung. Ob diese Begegnungen positiv ausfallen oder sich krankheitsfördernd auswirken, kommt auf die Ausgestaltung der Tools an und auf die Bereitschaft von Unternehmen, Krankenkassen und HR, sich auf eine neue nachhaltige Denkweise einzulassen, die sich nicht mit der Verwaltung von Krankheit beschäftigt, sondern mit der Erhaltung und Förderung von Gesundheit.
Mehr zum Thema Betriebsgesundheit und positive soziale Interaktionen finden Sie im pdf download unter www.genial-positiv.de

Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

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