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Photo by Kelly Sikkema

Heute dreht sich in unserem HRM Podcast alles um das Thema „Lern-Hacks in der Zeit nach Corona“. Unser Gesprächsgast ist Dr. Daniel Stoller-Schai, Gründer der Firma Collaboration Design, das nachhaltige und kollaborative Lernlösungen für Unternehmen entwickelt. Zudem ist der Schweizer seit 2009 Head Advisory Board der Learning Innovation Conference. Daniel Stoller-Schai erläutert im Gespräch mit Alexander Petsch, dem Gründer des HRM Instituts, wie die Zukunft des hybriden Lernens in Unternehmen aussehen könnte und warum er verstärkt auf Deep Learning anstatt auf Fast Learning setzt.

Manchmal hört es sich bei Daniel Stoller-Schai an, als wäre er Corona dankbar. “Ohne der Pandemie hätten wir in den vergangenen anderthalb Jahren nicht annähernd viel für die Zukunft gelernt. Wir stellten Schulen, Universitäten und betriebliche Weiterbildung komplett auf digitales Lernen und Arbeiten um”, sagt der Schweizer Lernexperte. Ihn habe es gefreut und überrascht, wie innovativ viele Organisationen und Unternehmen mit dem Umstieg umgegangen seien. Noch 2019 habe er Zoom-Kurse angeboten, weil viele von dem Tool noch nie gehört hatten. “Wir sind durch eine sehr steile Lernkurve gegangen”, sagt Daniel Stoller-Schai, “die Frage ist jetzt, wie nachhaltig ist die?”

Gelerntes Wissen muss in Zukunft mehr in die Tiefe gehen

Hydrides Arbeiten und Lernen werde aus unserem Alltag nicht mehr verschwinden, da ist sich der Lernexperte sicher. Nun gelte es, beide Methoden dahingehend unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen, dass sie sich bestmöglich ergänzen. “Das Digitale befreit das Analoge und Haptische von der typischen Wissensvermittlung”, ist sich Daniel Stoller-Schai sicher. In anderen Worten, das Präsenzlernen soll der Wissensanwendung und dem Wissensaustausch mit Mitarbeitenden vorbehalten bleiben. “Die klassische Wissensvermittlung können wir getrost in den digitalen berichtet schieben”, sagte Daniel Stoller-Schai.

Eine klare These hat der Lernexperte auch zur Lerngeschwindigkeit. In immer schnelllebigeren Zeiten sollte man meinen, das Konzept des Fast Learning habe Hochkonjunktur. Doch weit gefehlt. “Wir brauchen künftig mehr Slow und vor allem Deep Learning”, sagt Daniel Stoller-Schai. “Wir werden uns mit Dingen beschäftigen müssen, bei denen es nicht mehr reicht, wenn wir das nur auf die Schnelle machen.” Konkret gehe es dabei beispielsweise um Themen wie Data Science oder Künstliche Intelligenz. “Es ist ganz wichtig, dass wir bei der Wissensvermittlung auch in die Tiefe gehen.”

Nur ein Viertel der Mitarbeitenden sind gute Selbstlerner

Doch ehe es in die Tiefe gehen kann, müsse in Unternehmen der Boden für selbstbestimmtes Lernen bereitet werden. “Jeder Mitarbeitende muss wissen, wo er in Bezug auf Kompetenzprofil gerade steht und wohin er sich bewegen möchte”, erklärt Daniel Stoller-Schai. Daher sei es einerseits wichtig, Einschätzungstest durchzuführen und in Webinaren über Themen und Trends aufzuklären. Und andererseits ein breit gefächertes Angebot an Lernmöglichkeiten anzubieten, aus dem sich die Mitarbeitenden bedienen könnten. “Zu Bereichen und Themen, die sie  noch nicht kennen, aber die sie in Zukunft betreffen oder interessieren könnten”, sagt der Lernexperte.

Dabei sollten sich Unternehmen aber bewusst sein, dass Lernen ein individueller Prozess sei. “Nur 20 bis 30 Prozent sind gute Selbstlernende”, sagt Daniel Stoller-Schai. “Wir müssen uns mit der Lernangst vieler Mitarbeitenden beschäftigen, und wie diese damit umgehen können.” Hier seien die Learning Professionals gefordert, die in Zukunft immer mehr in die Rolle von Learning Coaches hineinwüchsen. “Wir müssen uns selber fit machen in Bezug auf selbstgesteuertes Lernen”, sagt Daniel Stoller-Schai, “uns mit den eigenen Lernängsten auseinandersetzen und über diese Schwächen und Stolpersteine reden.” Damit nähme man Mitarbeitenden einen Teil ihrer Ängste. Auch Barcamps, in denen alle aktive Teilgeber und nicht nur passive Zuhörer sind, wirke Lernängsten entgegen, sagt der Schweizer Lernexperte.

Zur Person:

Daniel Stoller-Schai studierte zunächst an der Universität Zürich Psychologie, Pädagogik und Informatik. An der Universität St. Gallen-Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften machte er anschließend seine PhD in Wirtschaftsinformatik. Nach diversen Stellen im Bereich Wissensmanagement avancierte er 2008 zum Head of eLearning Design Switzerland beim Finanzdienstleister UBS. Seit 2009 ist er zudem Head Advisory Board Learning Innovation Conference. Anfang 2019 gründete Daniel Stoller-Schai seine Firma Collaboration Design.

Viele weitere Hacks als Checkliste oder das gesamte Interview als Podcast oder Text findet Ihr HRM.de - Podcast #30 Learn Hacks in der Post Covid Ära

Kontakt zu unserem heutigen Podcast-Gast Dr. Daniel Stoller-Schai: daniel-stoller-schai - HRM.de

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Podcast Produktion: York Lemb - Employee Podcast https://www.hrm.de/unternehmen/employee-podcast/

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