Die Hetzkrankheit

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Foto von Andrew Neel

Das Gefühl, gehetzt zu sein

 

Durch die Mehrfachbelastung von Beruf, Familie und Haushalt und Beziehungsprobleme entsteht bei vielen Menschen das Gefühl dauernd unter Druck zu stehen und damit der Gehetztheit. Dieses Gefühl wird meist noch verstärkt durch unregelmäßiges oder hastiges Essen.


Multitasking macht auf Dauer krank

Multitasking hat ein positives Image. Auf Dauer macht es jedoch krank, immer mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen und nie etwas liegen zu lassen. Denn das Leben auf der Überholspur überfordert selbst den flexibelsten Menschen. Wenn Aufgaben nur noch unter Druck und in Eile verrichtet werden, sprechen Experten von der so genannten Hetzkrankheit (Hurry Sickness). Sie gilt als Vorstufe des Burn-out-Syndroms. Eine Umfrage im Jahr 2008 von GfK-Healthcare, im Auftrag der Bayer AG, unter Frauen belegt: Jede Zweite ist von der Hetzkrankheit betroffen.

Beschleunigung als Wurzel

Stress gehört zum Leben. Aber in einer beschleunigten, vernetzten Welt verkraften viele Menschen die wachsende Belastung nicht mehr und fühlen sich vor allem im Job gehetzt.

 

Die Wurzeln der Hetzkrankheit so wie auch des Burnout-Syndroms liegen im gesellschaftlichen Bereich in dem Phänomen der Beschleunigung – einem „ständigen Leben auf der Überholspur“, sagt der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Wolfgang Lalouschek. Es handelt sich dabei um eine schleichende Entwicklung, denn was vom Betroffenen vor einem Jahr noch als krankhaft empfunden worden sei, sei nun normal. Ein Alarmzeichen könnte es sein, wenn nahe stehende Personen sagen „dich sieht man ja gar nicht mehr!“

Der Körper rächt sich irgendwann

Der Gastroenterologe und Psychotherapeut an der Universität Duisburg-Essen beleuchtet die negativen Folgen der Multitaskingfähigkeit. Das Ständige Umschalten zwischen vielen Aufgaben führt zur Überforderung, die auch an unserem Körper nicht spurlos vorbeigeht. Da Magen und Psyche eng miteinander verbunden sind, können Magen-Darm-Probleme nicht selten die Antwort unseres Körpers sein.

Die amerikanischen Hirnforscher David Meyer und Jeffrey Evans von der Universität Michigan haben herausgefunden, dass die Effizienz des Gehirns leiden und man langsamer arbeitet, wenn zusätzlich zu Routineaufgaben immer mehr neue und ungewohnte Aufgaben hinzukommen. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass zu viel auf einmal Stress erzeugt und krank macht. Der Körper reagiert mit Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

Freiräume schaffen

Wem Hetze und Eile krank machen, sollte möglichst schnell reagieren und sich Freiräume schaffen. Man muss einen Raum finden, in dem man seine Lebensführung überprüfen kann. Der Hamster muss sozusagen aus dem Hamsterrad, um das Leben überhaupt betrachten zu können.

Auf körperlicher Ebene können regelmäßige Bewegung und Entspannungsübungen wie Yoga ebenfalls helfen. Auch Pausen sind wichtig. Dazu gehören sowohl die kleinen Auszeiten während des Tages als auch ein Jahresurlaub.

Es geht um die subjektive Zeit

Wir sprechen zwar immer von Zeitdruck und es gibt unzählige Seminare zum Thema Zeitmanagement. Dabei geht es doch um das subjektive Zeitempfinden. Die wahre Zeit ist die persönliche, die subjektive Zeit, und nicht die, die man am Handgelenk mit sich herumträgt. Es geht um nichts Geringeres als ums Leben selbst. Ein Coach kann den Klienten wieder ins Leben zurückholen.

 

Ein Coach kann helfen

Wer sich im Job gehetzt und überfordert fühlt, wünscht sich vor allem eines: Runter von der Drehzahl und raus aus dem Hamsterrad. Ein brauchbares Selbstmanagement wünschen sich viele Menschen angesichts der rasanten Beschleunigung und Verdichtung des Alltags – die Angst, abgehängt zu werden oder gar zu scheitern, ist gewaltig. Ein Coach kann dabei helfen. Er sieht, was Betroffene oft selbst nicht (mehr) sehen oder nicht (mehr) wahrnehmen.

Coaching ist inzwischen ein schier unübersehbarer Markt geworden, genutzt von Beschäftigten wie Arbeitgebern, die in ihre Mitarbeiter investieren wollen. Sich gezielt coachen zu lassen genießt mittlerweile auch an Ansehen.

Coaching will nicht lange um Probleme kreisen, sondern ist lösungsorientiert, kurzfristig und ressourcenorientiert angelegt. Coaching passt in eine Zeit, in der lebenslanges Lernen und permanente Optimierung gefordert sind.

Die Elemente im Coaching


Die Elemente im Coachings sind die Auseinandersetzung mit den eigenen „Antreibern“ (= negativen Glaubenssätze) und das Einführen von „Erlaubern“
(= positive Glaubenssätze). Weitere Elemente sind die Auseinandersetzung mit den Bedingungen für das eigene Selbstwertgefühl und mit dem persönlichen Wertesystem. Letztendlich geht es um die Aktivierung und Stärkung der eigenen Ressourcen, um neue Muster zum Leben zu erwecken und um die Entwicklung neuer Kompetenzen.


Falsche Glaubenssätze

Glaubenssätze sind innere Überzeugungen, also die „Wahrheiten“, von denen wir fest überzeugt sind. Diese sind uns meist nicht mehr bewusst, prägen aber permanent unser Denken, Fühlen und Handeln. Die meisten Glaubenssätze entstehen bereits in unserer Kindheit aufgrund von negativen Erfahrungen. Andere haben wir von unseren Eltern, nahen Angehörigen, Lehrern oder Freunden meist ungeprüft und unbewusst übernommen. Glaubenssätze und Überzeugungen geben uns Halt und ein Gefühl von Sicherheit. Sie sind für viele Menschen wir ein Geländer, an dem man sich entlang hangeln kann und das uns vermeintlich vor Enttäuschungen schützt.

Wir übersehen dabei nur eines: Nur weil wir etwas glauben, muss es nicht auch wahr sein! Denn sonst würden sie ja „Wahrheitssätze“ und nicht „Glaubenssätze“ heißen.

Denn tatsächlich können genau diese Überzeugungen einen großen Teil dazu beitragen, dass wir immer wieder Schmerzen und Enttäuschungen erleben, da wir selbst durch unsere Erwartungshaltung oft genau solche Situationen anziehen, in denen wir uns in unserem Glaubenssatz wieder bestätigt sehen.

Autorin:

Mag. Irene Galler
www.ganzheitscoaching.at

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