[left]Meldungen von Kurzarbeit, Stellenabbau und Insolvenzen machen fast täglich die Runde. Die Furcht vor Kurzarbeit oder unsicheren Arbeitsplatzverhältnissen sorgen für schlechte Stimmung unter den Mitarbeitern Das wirkt sich auf ihr Verhalten und ihre Motivation aus und kann darüber hinaus die Leistung schwächen. Außerdem befürchtet etwa die Hälfte der Mitarbeiter in Deutschland laut einer internationalen Studie des Karriereportals StepStone einen steigenden internen Konkurrenzkampf. Einerseits spornt Konkurrenzdenken zwar die Mitarbeiter dazu an, besser als der Kollege zu sein, andererseits kann das zur Ellbogenmentalität führen, was wiederum das Betriebsklima und die Teamfähigkeit innerhalb des Unternehmens verschlechtern kann. Vor diesem Hintergrund ist es ratsam, das Betriebsklima und die Stimmung im eigenen Betrieb kritisch zu beobachten. Deshalb sind auch Personalverantwortliche heute mehr denn je gefordert, aktiv das Vertrauen der Mitarbeiter zu stärken oder sogar zurückzugewinnen.

Vertrauen wächst durch Wissen, Offenheit und durch positive Erfahrungen. Es bringt sicher nichts, die betrieblichen Probleme unter den Teppich zu kehren, den Mitarbeiten notwendige Maßnahmen zu verschweigen, Informationen zurückzuhalten, und im Hinterzimmer geheimnisvolle Absprachen ohne die Einbeziehung der Mitarbeiter zu treffen. Das führt nur dazu, dass sich unter den Mitarbeitern Misstrauen ausbreitet, sie ständig auf der Hut sind, irgendwelche Machenschaften befürchten oder weniger leisten, weil sie nur damit beschäftigt sind, wie sie sich möglichst unauffällig verhalten können, damit der Kelch Kurzarbeit oder Kündigung an ihnen vorbeizieht.

Mitarbeiter sind kritischer geworden und spüren, ob man ihnen ehrlich begegnet oder unter dem Deckmantel von gespieltem Wohlwollen alles schön redet. Eine offene Kommunikation über die Maßnahmen während der Krise, das Aufdecken von Hintergründen und das geplante Vorgehen gegenüber Mitarbeitern zu kommunizieren, ist ein wichtiger Schritt Richtung Vertrauensbildung bei Mitarbeitern. Die Unternehmenssituation sollte mit einfachen Worten sachlich erklärt werden, so, dass es jeder Mitarbeiter versteht. Ist ein Unternehmen international tätig und gibt es im Ausland Firmensitze, so sollte auch der Kollege im Ausland informiert werden, dass das Unternehmen sich aktuell in einer Krise befindet. Generell sollten Mitarbeiter die Unternehmskrise
nicht aus der Zeitung erfahren.

Vertrauen drückt die Wertschätzung aus, die man Mitarbeitern entgegenbringt. Mitarbeiter sollten als Kommunikationsverbündete gesehen werden. Dieses zeigt sich nicht nur im gesprochenen Wort. Entscheidend ist, wie der Verantwortliche den Mitarbeitern im persönlichen Dialog gegenübertritt: Stimme, Blickkontakt und Gestik kommunizieren Offenheit und Vertrauen. Eine gute Kommunikation über Hintergründe, klar definierte Ziele und Maßnahmen sorgt letztendlich dafür, dass Mitarbeiter die Aussagen verbindlich aufnehmen und idealerweise im Team gemeinsam die neuen Ziele verwirklichen.

Auf jeden Fall sollen Mitarbeiter die Gelegenheit bekommen, über ihre krisenbezogene Ängste reden zu dürfen. Eine Krisenkommunikation sollte nicht erst zum Thema werden, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, sondern besser präventiv auf der Tagesordnung stehen. [/left]

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Foto von Omar Lopez