Nun kommt die Zeit der Bewährung für gute Vorsätze, Wünsche und Visionen für 2009.
Denn dieses Jahr ist das erste Jahr vom Rest des Lebens!

Für mich selbst halte ich es nicht so mit guten Vorsätzen, denke eher an den Satz: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“. Mit Versagensgefühlen und Selbstvorwürfen bereiten sich manche selbst Höllenfeuer. Gute Vorsätze werden manchmal wie Drogen benutzt, befreien im Moment von schlechten Gefühlen, ja euphorisieren sogar, indem sie besseres Leben in Aussicht stellen. Doch wie oft sind Enttäuschungen vorprogrammiert, was dann wieder zu schlechten Gefühlen führt.

Und doch arbeite auch ich irgendwie daran, ein besserer Mensch werden. Aber wie?

Ich mache das für mich so, wie ich versuche, beim Tennis dazuzulernen. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, versuche ich mir kurz die Natur des Fehlers klar zu machen und die Abläufe, in deren Zusammenhang der Fehler stand. Dann überlasse ich das weitere meinem Unbewussten und orientiere mich offen und mit Bewegungsfreude auf das weitere Spiel.
Wenn sich Fehler wiederholen, beschimpfe ich mich nicht selbst, sondern habe Verständnis dafür, dass die Herausforderung offenbar größer ist als erwartet. Ich hänge Fehlern nicht lange nach, sondern setze mir stattdessen deutlichere Merkpunkte für das nächste mal.

Vieles verbessert sich dadurch, was oft der Aufmerksamkeit entgeht, weil allmähliches Wachstum eben nicht spektakulär daherkommt. Ein fallender Baum macht mehr Lärm als ein wachsender Wald, sagt ein Sprichwort aus Tibet.

Manches bekomme ich so nicht in den Griff. Dann probiere ich andere Varianten, soweit mir was einfällt. Wenn nicht, muss ich, müssen andere halt damit leben. Helfen da Schuldgefühle? Eher Aufrichtigkeit und die Bereitschaft, den Preis dafür zu entrichten. Ich halte es da mit einem Liedrefrain von Wolf Biermann: Das ist halt so mit mir. Und bin halb froh mit mir.....

Nun ja ..... Wir waren bei den guten Wünschen.

Ich wünsche uns ein Jahr der Bildungsfortschritte.

Ein Jahr, in dem

* wir zunehmend auf Machbarkeits- und Siegerposen verzichten und uns auf wesentliche Erfahrungen und Leistungen besinnen.
* von der üblichen Neuigkeits-Trommelei Abstand nehmen und stattdessen Themen und Entwicklungen nachhaltig pflegen, auch wenn sie keine kurzfristigen Spekulationsgewinne versprechen.
* wir uns darauf besinnen, was wir wirklich können, wofür wir uns eignen und wozu wir auch beitragen können
* wir uns mehr trauen, auch wenn wir unsicher sind, weil es keine Schande ist, an Grenzen zu stoßen
* in dem wir Freundschaft bieten und die Freundschaft anderer annehmen
* in dem wir öfter Orte aufsuchen, an denen wir innehalten und uns besinnen können
* in dem wir uns weniger selbst optimieren und anderen Transferprobleme zumuten, sondern
* in dem wir Konzepte, Methoden und Philosophien auf die Besonderheiten des konkreten Lebens und den, der lernt, zuschneiden
* in dem wir nicht Menschen aus dem Leben holen, um sie zu unterrichten, sondern sie im bildenden Leben begleiten
* uns nützlich und verfügbar machen, auch wenn wir keine Hauptrolle spielen
* und in dem wir schon mal Freude an uns, der Welt und unserem Dasein empfinden können, auch wenn vieles unvollkommen bleibt.

Diese Liste könnte noch lang werden, aber auch das Wünschen sollte man nicht unnötig aufblähen. Wer will, kann wahrscheinlich spüren, worum es geht.
Unsere Arbeitsteilige Gesellschaft ist auch eine „Bildungsteilige Gesellschaft“1 geworden. Bildung neu zu integrieren und am Menschen und seinen Lebenswelten zu orientieren, ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.

In diesem Sinne wünsche ich ein erfüllendes und Integrationsbejahendes Jahr 2009!

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1 http://www.systemische-professionalitaet.de/berndschmid/tagungsmaterialien_bss.html Dinnerspeech "Kleine Sittengeschichte berufs- und lebensbezogener Bildung" am 19.11.2008 in Wiesloch vor Bildungsfachleuten des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus

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Foto von Austin Distel