Woran die Ausbildung krankt

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Foto von Green Chameleon

Der Lehrstellenmarkt bewegt sich – nur wohin? Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag errechnete, dass es in diesem Jahr rund 626.000 Lehrstellen geben wird – deutlich mehr als in der Vergangenheit. Aber trotzdem sind sich alle einig, dass das kein Grund zur Entwarnung ist. Insbesondere hinter der Qualität der Ausbildung steht einmal mehr ein Fragezeichen. Vergangene Woche veröffentlichte der DGB seinen aktuellen Ausbildungsreport 2008. Demnach sind regelmäßige Überstunden, mangelnde fachliche Anleitung und geringe Aussichten auf Übernahme keine Seltenheit. Der Ausbildungsreport basiert auf einer bundesweiten Befragung von 4700 Auszubildenden aus den, laut Bundesinstitut für Berufsbildung, 25 häufigsten Ausbildungsberufen.

Während 40 Prozent der Auszubildenden regelmäßig Überstunden machten, hätten nur 20 Prozent die Sicherheit, dass ihr Betrieb sie übernimmt. Die DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock nahm das zum Anlass, die Kritik an die Unternehmen weiterzugeben: “Wenn der Facharbeitermangel so groß ist, wie die deutsche Wirtschaft immer behauptet, ist es nicht nachvollziehbar, warum nur so wenige Unternehmen ihren Auszubildenden eine berufliche Perspektive eröffnen”, kritisierte sie.

Die Unternehmen wiederum beklagen sich aktuell vor allem über die schlechte Vorbildung der Auszubildenden. Die Betriebe müssten das nachholen, was die Schule versäumt habe. Außerdem besteht ein Problem für die Ausbilder darin, dass die Auszubildenden insgesamt immer heterogener werden – insbesondere hinsichtlich ihres kulturellen Hintergrunds. Die Messlatte für die Ausbilder liegt also höher als bisher. Kein Wunder also, dass es angeblich an fachlicher Anleitung mangelt, zumal immer mehr nebenberufliche Ausbilder diese Aufgabe übernehmen.

Deshalb erwarte ich mir von einer gemeinsamen Studie der GAB München und des BIBB an dieser Stelle mehr als nur grobe Schuldzuweisungen. Denn darin geht es um die Frage, ob eine berufspädagogische Professionalisierung des betrieblichen Bildungspersonals nötig ist und welcher Qualifizierungsbedarf in den Unternehmen besteht. Die Studie wird auf der Fachmesse Zukunft Personal in Köln erstmals in einer Podiumsdiskussion („Professionalisierung des betrieblichen Bildungspersonals“, 10. September, um 10.15 Uhr) vorgestellt…

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