Von Daten und Zielgruppen: Was die Personalentwicklung vom digitalen Marketing lernen kann

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Foto: Patrick Tomasso, Unsplash

Die Personalentwicklung kann Instrumente und Methoden des digitalen Marketings gewinnbringend nutzen, findet Thomas Jenewein, Digital Ambassador beim Softwareanbieter SAP. Details beschreibt er in seiner Keynote auf der L&Dpro Online Konferenz am 24. Februar 2022. Einen Ausblick gibt er vorab im Interview.  

Thomas Jenewein, Digital Ambassador, SAP


Herr Jenewein, was können Lernexpertinnen und -experten vom digitalen Marketing lernen?

Da ist auf der einen Seite der Umgang mit Daten und die konsequente Ausrichtung an der Zielgruppe, aber auch das emotionale Abholen der Zielgruppe mit Wertebotschaften, sogenannten Claims, sowie dazu stimmigen Bildwelten. Meiner Meinung nach kann die Personalentwicklung vom digitalen Marketing viel für die Kommunikation von Entwicklungsangeboten lernen, aber auch einiges für die Gestaltung von Lernerfahrungen.

Welche Marketing-Instrumente können zum Beispiel dabei unterstützen, Lernen in der Organisation zu fördern? 

Ich nenne mal zwei: Personas und die Customer-Journey-Analyse. Wir können Personas nutzen, um Zielgruppen genauer zu erfassen. Die Customer-Journey-Analyse untersucht die Interaktionen (neudeutsch „Touch Points“) der Zielgruppe mit dem Unternehmen. Diese „Reise“ gilt es zu gestalten und zu optimieren.

Welche Tipps können Sie L&D-Verantwortlichen vor diesem Hintergrund mit auf den Weg geben? 

Heute fängt jeder Entscheidungsprozess mit Google an, daher würde ich schauen, mit welchen Stichwörtern oder Fragen meine Angebote dort auftauchen. Im nächsten Schritt würde ich untersuchen, wie die Mitarbeitenden intern auf Lernangebote aufmerksam werden, um dann den Entscheidungsprozess zu optimieren. Hier geht es darum, Aufmerksamkeit für Angebote zu schaffen und die Auswahl der Trainings zu optimieren. Ein weiterer Tipps ist, konsequent aus Lernersicht zu denken - ähnlich wie bei der Gestaltung von Customer Experience: Designen Sie die Lernerfahrung immer aus Sicht der Lernenden!

Wohin geht aus Ihrer Sicht die Reise im Bereich Learning & Development?

Die Digitalisierung und Automatisierung wird weiter zunehmen. Wir werden mehr Zugang zu kollaborativen und informellen Lernangeboten wie Coachings oder Performance Support haben.

Auf der anderen Seite ist es aber auch gut, den Blick auf Emotionen zu lenken. Wir sind ja keine Roboter. Gerade in Zeiten wie diesen sehnen sich viele nach positiven, bedeutsamen und auch  spontane Begegnungen. Zudem gilt es, Resilienz aufzubauen beziehungsweise Stress und Burnout vorzubeugen.


Interview: Bettina Geuenich

Veranstaltungstipp

Die L&Dpro Online Konferenz bietet vom 21. bis 24. Februar 2022 vier Tage lang Fachwissen für Verantwortliche aus dem Bereich Learning & Development. https://onlinekonferenz.lnd-pro.de/

Podcast

Thomas Jenewein betreibt einen Podcast, der jeden Montag aus der Welt des digitalen Lernens berichtet. Mehr zum Thema des Interviews finden Sie in dieser Folge.