Studie: Im Osten auf Wanderschaft | Teil 2

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Foto von Valeriy Khan

1 | Familienwanderer

Der Familienwanderer ist zwischen 30 und 49 Jahre alt. Nach einem erfolgreichen Berufsstart, den er oft in Ballungsgebieten oder in der Stadt sucht, zieht ihn seine Familiengründung jedoch ins Grüne. Viele junge Väter und Mütter schätzen die Freiheiten, die das Ländliche ihnen und ihren Kindern gewährt; auch wenn die Infrastruktur keineswegs der städtischen entspricht.

Laut Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung können ostdeutsche Gemeinden sich über mehr Zuzug von Familienwanderern freuen. Im Beobachtungszeitraum 2008 bis 2013 seien vor allem die Zuzüge aus dem restlichen Bundesgebiet und aus dem Ausland stärker angestiegen als die Gesamtzahl der Fortzüge aus den Gemeinden im Osten. Dadurch habe sich der Wanderungssaldo deutlich positiv entwickelt. Als konkrete Zahl für das Jahr 2013 nennt das Berlin-Institut einen Zuwachs von 19.000 Familienwanderern. Dieser setze sich zur Hälfte aus Kindern und Erwachsenen zusammen.

Alle ostdeutschen Bundesländer hätten gleichermaßen profitiert. Brandenburg jedoch konnte mit Abstand die meisten Zuzüge von Kindern und Eltern registrieren. Interessant ist, dass laut Studie kleine Gemeinden jedoch vor großen, städtischen Gemeinden punkten können. Viele Gemeinden in Randregionen verzeichneten eine Nettozuwanderung.

Das Berlin-Institut hat auch untersucht, welche Strahlkraft die Bundeshauptstadt für Familienwanderer hat. Es zeigt sich, dass vor allem diese Gruppe die Schnittstelle zwischen Land und Metropole schätzt. Die großen Gemeinden zwischen 10.000 und 50.000 Einwohnern mit der höchsten Zuwanderung von Familien mit Kindern konzentrieren sich nämlich mehrheitlich auf das Umland Berlins.

Die Studie beleuchtet auch, wohin es ostdeutsche Familien zieht, wenn sie umsiedeln. In Summe bevorzugen sie mittelgroße Gemeinden zwischen 5.000 und 50.000 Einwohnern. Insbesondere Menschen aus der Großstadt wählen das Idyll in der Gemeinde.

2 | Empty-Nest-Wanderer

Personen, die vom Berlin-Institut als Empty-Nest-Wanderer klassifiziert werden, sind zwischen 50 und 64 Jahre alt. Sie wandern, weil ihre Kinder ausgezogen sind und sie damit oft ihr Leben neu ausrichten. Die Studie zeigt jedoch, dass diese Altersgruppe im Vergleich mit den jüngeren Mitbürgern weniger wechselwillig ist. Das zeigt eine Kennzahl aus dem Jahr 2013. Von 1.000 Einwohnern zwischen 50 und 64 Jahren hätten sich in den neuen Bundesländern rund 16 für einen Umzug entschieden; effektiv waren es insgesamt 52.000 Empty-Nestwanderer. Zum Vergleich: In den Gruppen der Bildungs- und Berufswanderer wechselten ganze 160 Personen.

Mit Blick auf die Wanderungssalden in Ostdeutschland lässt sich allerdings auch bei den Empty-Nest-Wanderern eine Trendwende verzeichnen. Aus einem eher als gering zu bewertenden Nettoverlust von 445 Menschen im Alter zwischen 50 bis 64 Jahren im Jahr 2008 sei bis 2013 ein Plus von über 3.000 Wanderern geworden. Beliebt sind bei den Umzüglern vor allem Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Unter den Städten sind Leipzig, Potsdam und Rostock die Favoriten. Von den Dörfern verlieren insbesondere jene mit weniger als 100 Einwohnern den Zuspruch der Empty-Nest-Wanderer; was nicht Wunder nimmt, haben diese Personen doch steigende Ansprüche, was ihre Nahversorgung und ihren sozialen Anschluss angeht.  

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